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7 Milliarden im Quartal

  • Schlagzeile: Haier meldet Zahlen

54,8 Mrd Yuan hat der chinesische Hausgerätehersteller Haier Smart Home im ersten Quartal 2021 umgesetzt. Das war nicht nur ein Wahnsinns-Anstieg um 27 Prozent, sondern auch in Euro umgerechnet eine Umsatzzahl, von der man in der Branche nicht alle Tage liest: 7 Mrd Euro. In einem Quartal! Außerhalb des chinesischen Heimatmarkts legte Haier um 24,6 Prozent zu.

 

Im Gesamtjahr 2020 war der Umsatz um 4,5 Prozent auf 209,7 Mrd Yuan (umgerechnet 26,5 Mrd Euro) gestiegen, der Nettogewinn um 8,2 Prozent auf 8,9 Mrd Yuan. Haier Europe mit Marken wie Candy, Hoover und Haier erzielte eine Umsatzsteigerung von 8,7 Prozent auf 2,1 Mrd Euro und belegt nach eigenen Angaben europaweit den fünften Platz im Ranking.

 

Klar, dass es auch 2021 weiter aufwärts gehen soll. Dazu beitragen sollen unter anderem die neue Kühlschrankproduktion im rumänischen Ploiesti und der Ausbau der Produktion im Unternehmensbereich Waschen in der Türkei.


 

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Maßmöbel aus Günthersdorf

  • Schlagzeile: Höffner will Möbelfertigung aufbauen

Die Höffner-Gruppe hat Pläne für den Bau einer Möbelmanufaktur an ihrem Standort Günthersdorf bei Leuna. Im kommenden Jahr könnte es losgehen.

 

2018 hatte Höffner am neuen Europa-Zentrallagerstandort Günthersdorf das erste Onlineshop- Versandlager eröffnet. 100 Mio Euro investierte die Familie Krieger. Auch Kundendienst und die zentrale Tourensteuerung für rund 1.000 Höffner-LKW dockten dort an. Bereits bei der Eröffnung des Logistikstandorts war die Rede von Erweiterungsmöglichkeiten. „Wir können unsere Lager noch auf die dreifache Kapazität bringen“, sagte Kurt Krieger damals der Lokalpresse. Den Online-Anteil prognostizierte man für die kommenden Jahre zu dem Zeitpunkt auf bis zu 20 Prozent. Dass der Möbel-E-Commerce durch eine Pandemie bereits im Jahr 2020 rasant zulegen würde, war natürlich noch nicht absehbar.

 

Mitte Mai erfuhr die Leunaer Lokalpresse im Anschluss an eine Sitzung des Bauausschusses der Stadt, dass Höffner in Günthersdorf eine Möbelfertigung errichten und den Standort entsprechend erweitern will. Zu diesem Zweck muss der Bebauungsplan geändert werden, was im Januar erfolgen könnte. Mit dem Satzungsbeschluss in der Tasche könnte dann im Sommer 2022 mit der Baumaßnahme begonnen werden. Zuvor müssen sich aber noch der Ortschaftsrat von Günthersdorf, der Hauptausschuss der Stadt und schließlich der Stadtrat beraten.

 

Eine zugegebenermaßen recht kurzfristige Bitte auf Auskunft aus erster Hand bei Krieger Bau wurde bislang nicht beantwortet. INSIDERn zufolge wird das Manufaktur-Projekt in Berlin bereits mit Verve vorangetrieben. Offenbar ist man auf der Suche nach hochkarätigem Führungspersonal in den vergangenen Monaten schon recht weit gekommen.

 

Unter dem Label Höffner die Möbelwerke ist Familie Krieger schon länger im wachsenden Customized-Markt unterwegs. Produzent der Maßmöbel aus dem Hause Höffner ist die Großschreinerei Dickmänken aus Rheine, die rund 40 Mitarbeiter hat und von den Brüdern Stefan und Klaus Dickmänken geleitet wird. Bereits seit dem Jahr 2008 vermarktet Dickmänken seine Möbel auch über den eigenen Onlineshop Schrankwerk.de. Wie beim bekannten Wettbewerber Deinschrank. de, der sich gern als IT-Unternehmen mit angeschlossener Produktion bezeichnet, können Endkunden ihre Möbel auf der Webseite selbst konfigurieren und online bestellen. Oder eben auch bei Höffi online.

 

Ein Blick ins Handelsregister offenbart, dass Dickmänken zu 59,99 Prozent Sonja Krieger gehört. Eine stille Beteiligung sei das, sagen INSIDER. Und, dass die Kriegers „das, was schon in Rheine besteht, nun eine Nummer größer hochziehen“ wollen. Die Maßmöbelfertigung nach Konfiguration im Netz, sie ist ein anderes Geschäft als das im Möbelhaus. Unter anderem müssen ganz andere Marketingbudgets eingeplant werden. Auf jeden Fall aber ist sie ein Geschäft mit Potenzial. Im Februar hat die KHG GmbH & Co. KG die Marke „Maßwerk Wohnen individuell planbar“ ins Register eintragen lassen. Bei Mahler Siebenlehn – den Standort hatte Sonja Krieger seinerzeit bekanntlich der Familie Mahler abgekauft – sind die Möbel bereits erhältlich. Ein weiterer Schritt könnte die Eröffnung kleinerer Stores in Innenstadtlage sein. Theoretisch. Dass auch Kriegers von den gewohnten Palast-Formaten mal abweichen könnten, haben sie erst kürzlich mit dem Höffner XS für Oggersheim angekündigt. Die Marke Höffner XS wurde übrigens schon Ende 2019 angemeldet.

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Ein Interessent aus Österreich

  • Schlagzeile: Meldungen zum Recticel-Verkauf

Die komplette Bedding-Sparte steht bereits seit November im Verkaufsregal, Recticel selbst auch seit diesem Frühjahr. Nun scheint es so, als wäre ein Übernehmer gefunden: Wie verschiedene Medien berichten, will der oberösterreichische Kunststoffproduzent Greiner AG die Recticel SA übernehmen.

 

Der größte Recticel-Aktionär, die Holdinggesellschaft Cie du Bois Sauvage, hat sich offenbar bereits mit Greiner geeinigt. Cie du Bois Sauvage hält 27 Prozent der Aktien. 13,50 Euro will Greiner je Aktie. Den übrigen Aktionären bietet Greiner 13,76 Euro. Wie der österreichische Kurier schreibt, beabsichtige Greiner eine Mehrheitsbeteiligung an Recticel zu erwerben, um sowohl Recticels als auch Greiners Angebot an Weichschaumstoffen für Kunden zu stärken und Schaumstoffinnovationen durch starke und skalierbare F&E-Fähigkeiten voranzutreiben.

 

Bis Ende des Jahres soll der Deal über der Bühne sein. Ob die Recticel-Beddingsparte mit im Greiner-Paket sein wird, wovon eigentlich nicht auszugehen ist, wird aktuell nicht kommentiert. 

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Das gilt in NRW, BaWü und Niedersachsen

  • Schlagzeile: Erste Länder mit Perspektiven für den Messe-Restart

Ob und wann in Deutschland wieder Messen veranstaltet werden dürfen, das ist trotz Bundesnotbremse nach wie vor Ländersache. Laut dem Verband der Deutschen Messewirtschaft AUMA sind Messen aktuell in allen Bundesländern noch verboten, in NRW, Niedersachsen und Baden-Württemberg wurden in den letzten Tagen allerdings endlich die Rahmenbedingungen festgelegt, unter denen Messen überhaupt wieder möglich gemacht werden sollen. Abhängig ist das, wie sollte es anders sein, vom Unterschreiten bestimmter Inzidenzwerte.

 

Baden-Württemberg hat drei im Abstand von 14 Tagen aufeinanderfolgende Öffnungsstufen vorgesehen. Stufe 1 zündet, wenn die Inzidenz fünf Tage lang stabil unter 100 lag – die beiden darauffolgenden dann also jeweils 14 Tage später – sofern die Inzidenz stabil unter 100 liegt und weiter fällt. Messen und andere Großveranstaltungen zählen in die Öffnungsstufe 3. In Niedersachsen dürfen Messen mit Hygienekonzepten bei Inzidenzen bis maximal 50 organisiert werden. Das Gleiche gilt in NRW. Dort wäre dann ein Besucher pro 7 qm Fläche zulässig.

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Vor den Lockerungen

  • Schlagzeile: VDM und BVDM fordern gemeinsam „fairen Umgang“

Die Bundesnotbremse wird, wenn alles gut geht, in den nächsten Wochen im Einzelhandel immer weniger radikal greifen. Der Kampf ums Material könnte somit nochmal härter werden. Er ist nur jetzt schon kaum zu gewinnen. Selbst wenn ein Hersteller es schafft, die Vorprodukte in ausreichender Menge zu beschaffen, muss er deutlich höhere Preise anlegen. Gerade Lieferanten aus dem untersten Preissegment haben momentan wieder echte Probleme, dem Handel ihrerseits die Notwendigkeit von Preisanhebungen zu vermitteln.

 

„Der Umsatz macht einfach keinen Sinn mehr.“ So krass wie das ein Zerlegtmöbelbauer in dieser Woche formulierte, trifft es hoffentlich nicht die gesamte Branche. Wie hoch der Druck ist, sieht man allerdings auch daran, dass selbst große Player aus der Küchenmöbelindustrie, die Preisanpassungen aus verschiedenen Gründen üblicherweise nur jährlich vornehmen, über unterjährige Erhöhungen diskutieren. Im Handel gibt es dafür durchaus Verständnis, immer mal wieder zumindest. Sehr oft aber auch nicht. 

 

Die Lage an der Front zwischen Industrie und Handel hat am Freitag nun sogar VDM und BVDM zu einem gemeinsamen Statement genötigt. Headline: „Materialengpässe: Möbelindustrie und Möbelhandel rufen zu fairem Umgang auf.“ Informationen zu Materialknappheiten und daraus resultierenden Lieferzeitenveränderungen sollten frühzeitig und offen kommuniziert werden, so VDM-Präsident Elmar Duffner und BVDM-Präsidiumsmitglied Markus Meyer. Und weiter: „Von Handelsseite sollten etwaige Verzögerungen nicht zum Anlass für Sanktionen genommen werden. Nur gemeinsam werden wir diesen Herausforderungen gerecht werden und sie zum Wohle der Verbraucherinnen und Verbraucher managen können.“ Meyer ist im Hauptjob mit seiner kleinen EMV-Kette Citypolster Polstermöbel-Fachhändler.

 

Die deutsche Möbelindustrie sieht sich derzeit bekanntermaßen extremen Engpässen bei Holzwerkstoffen, Polstermaterialien, Metallteilen und Kunststoffartikeln gegenüber. Auch bei Verpackungsmaterialien und Transportdienstleistungen wird es zunehmend enger. In einer aktuellen Umfrage der Möbelindustrieverbände berichten 70 Prozent der Mitgliedsunternehmen von „produktionsbehindernden Knappheiten“. Damit verbunden ist immer auch eine Verteuerung der Zulieferprodukte. Die Beschaffungskosten bei Spanplatten sind in den vergangenen sechs Monaten demnach um durchschnittlich rund 30 Prozent gestiegen.

 

 

 

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B2C in Milano

  • Schlagzeile: „Offen für alle Möbel- und Designinteressierten“

Der Architekt Stefano Boeri, der sich mit begrügnten Hochhäusern – und zuletzt mit einem stylischen Pavillonkonzept für Corona-Impfungen auf öffentlichen Plätzen – einen Namen gemacht hat, wurde als „Kurator“ mit der Erarbeitung des Veranstaltungskonzepts für den diesjährigen Salone del Mobile in Mailand beauftragt. 

 

Die als Sonderveranstaltung im zweiten Pandemiejahr geplante Messe soll vom 5. bis 10. September sowohl auf dem Messegelände Rho als auch in der Innenstadt stattfinden. Und sogar ab Juni schon digital. Alles eben anders als sonst, den Umständen angepasst aber nun ziemlich anders. In Kürze soll auch ein neuer Name für das Event verkündet werden. Nachdem Kartell-Chef Claudio Luti vor wenigen Wochen aus Frust über den fehlenden Zusammenhalt in der Ausstellerschaft als Salone-Präsident das Handtuch geworfen hatte, kommen nun erste Details des Konzepts für diesen Herbst ans Licht. Und man sollte sich nicht wundern, wenn hier auch der Grund für den eigentlichen Stress um Luti läge.

 

Mailand will in diesem Herbst im Rahmen des Alternativ-Salone kein reiner B2B-Event sein. Er soll offen sein für „alle Möbel- und Designinteressierten“. Und der Knüller: Die dort ausgestellten Möbel soll man dann auch kaufen können. 

 

 

 

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Neu in Bad Ischl

  • Schlagzeile: Ex-Ewe-Mann für MHK-Austria

Nach dem Ausscheiden von Ernst Tanzler (mittlerweile wieder bei Rational/Regina als Berater an Bord) hatte Anfang 2019 Clemens Frauscher die MHK-Division Österreich mit Sitz in Bad Ischl übernommen. Zum 1. April kam mit Günter Schwarzlmüller nun ein neuer Geschäftsführer für MHK Österreich. Frauscher ist nicht mehr an Bord.

 

Schwarzlmüller war in den vergangenen Jahren als Marketingleiter bei Ewe Küchen. 140 Handelspartner mit knapp 170 Häusern sind aktuell bei MHK Österreich organisiert.

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Plattformen, Preise und Prozesse

  • Schlagzeile: Zwischen Handwerk und Hightech

Die Polstermöbelbranche ist in Bewegung – und nicht nur in Richtung Osten. Viele Veränderungen wurden und werden innerhalb der Produktion angestoßen. Digitalisierung, Qualitätsmanagement, Prozessoptimierung – Themen wie diese, die man in den letzten Jahrzehnten mit den schlanken Produktionsstrukturen der Automobilindustrie verbunden hat, sie haben längst auch in der Polstermöbelbranche großes Gewicht. 

 

Wir haben deshalb in unserem Schwerpunkt Polstertechnik im Ende April veröffentlichten INSIDE Spezial Zulieferindustrie auf die Entwicklungen bei Polstermöbelherstellern wie Rolf Benz und W. Schillig geschaut, genauso wie auf die Zuschnittgrößen Lectra und Expert Systemtechnik und den Polstermöbelbeschlags-Spezialisten Hettich Franke. Allen gemeinsam ist, dass diese Unternehmen zuletzt einen Wandel durchgemacht haben und gerade dabei sind, neue Wege zu gehen.

 

In der kommende Woche erscheinen die fünf Artikel zum Thema auch hier in den Webnews von INSIDE Wohnen.

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Halbe-halbe

  • Schlagzeile: Der neue INSIDE ist da – mit Dirk Wellmann, dem Mieterrechte-Vorkämpfer

Multipolster-Gründer Dirk Wellmann hat zusammen mit der Berliner Anwaltskanzlei ZENK und dem dort in der Sache federführend engagierten Rechtsanwalt Aldo Trentinaglia einen langen Kampf geführt. Wellmann ist Mieter in allen 47 Filialen, nahezu bundesweit am Netz und mit 45 Vermietern über Kreuz, weil er in den Lockdowns die Miete gekürzt hat. Nun hat Wellmann ein möglicherweise wegweisendes Urteil vor dem Landgericht Gera erwirkt, das wohl nicht nur Polsterfilialist Wellmann für einen „Knaller“ hält.

 

Wellmann-Anwalt Trentinaglia fasst das Urteil mit weitreichenden Auswirkungen auf die Pandemie-Nachlese im Einzelhandel so zusammen: „Die Antwort auf die Covid-19-Pandemie kann nur eine partnerschaftliche sein – in diesem Sinne lässt sich das Urteil des Landgerichts Gera lesen, das für staatlich angeordnete Schließungszeiträume eine Halbierung der Miete bestimmt hat. Es hatte sich dabei mit einigen Besonderheiten der Möbelbranche auseinanderzusetzen: Umsätze aus einem Onlineshop seien zu vernachlässigen, weil gerichtsbekannt sei, dass Käufer jedenfalls bei Polstermöbeln auf ein Probesitzen Wert legen. Möglicherweise in Post-Lockdown-Zeiten nachholbare Umsätze dürften bei der Frage des Wegfalls der Geschäftsgrundlage nicht mit Umsatzeinbußen aus Lockdown-Zeiten saldiert werden – solche Nachholeffekte bleiben also unberücksichtigt. Mietern und Vermietern ist zu raten, mit gegenseitigem Verständnis eine einvernehmliche Lösung zu suchen – die Pandemie fällt weder in den Verantwortungsbereich des Mieters noch in den des Vermieters.“

 

Die ganze Story lesen Sie im neuen INSIDE, der ab diesem Freitagnachmittag in der INSIDE-Wohnen-App und im E-Reader steht.

 

Zudem im neuen Heft: Höffner baut nun bald auch selbst Möbel – in Günthersdorf. Auch irgendwie der Knaller. Die komplette INSIDE-MÖFA-Talk-Nachlese und -Vorschau auf einer schönen Doppelseite auf Papier. Zudem Berichte von der digitalen Messefront von der KWT über die Digital-Events der Maschinenbauer als Ligna-Ersatz bis zu den versammelten Aktivitäten der Zulieferindustrie in ihrem Messe-Mai.

 

 

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Die MöFa in Bewegung

  • Schlagzeile: Sabine Gantzkow im Interview

Der Grund für die Technik-Panne am Montag ist gefunden. Nun geht es mit Netz und doppeltem Boden an den Restart. Der am Montag leider abgeschmierte INSIDE-MÖFA-Talk – live aus den Vogelsänger Studios wird in der zweiten Juni-Hälfte zusammen mit Vogelsängers live aus Köln gesendet – mit Schulleiterin Sabine Gantzkow und den gecasteten Studenten. Wir sind in der Terminabstimmung – und versuchen alle Interviewgäste wieder an Bord zu bekommen. 

 


Neue Führung, neues Logo, neues Marketing, neue Studiengänge, neues Sponsoringkonzept: Sabine Gantzkow hat viel zu berichten. Zum Interview mit der MöFa-Chefin, das wir am Montag in den Vogelsänger-Studios in Neufahrn geführt haben, bitte hier entlang!

 

Auf www.inside.jobs sehen Sie einen Ausschnitt des Gesprächs. Das ganze Interview lesen Sie am Wochenende im neuen INSIDE - auf Papier.

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David gegen Goliath

  • Schlagzeile: Mittelständische Händler im Clinch mit Amazon

David gegen Goliath: Kleine und mittelständische Händler fordern von Amazon eine drastische Reform der Geschäftsbeziehungen. Der Konzern behindere seine Partner massiv. Belege liefert ein 140-seitiger Report.

 

Der Onlinehandel boomt, die weltweite Pandemie hat diesen Effekt noch verstärkt. Wer Handel treibt, macht dies in der Regel (auch) digital. Ein eigener Webshop und natürlich eine Präsenz auf einer der großen Plattformen als Präsenz im Netz sind selbstverständlich. Das Geschäft brummt, die eigene Kasse klingelt. Oder doch nicht?

 

Der Bundesverband Onlinehandel (BVOH) befragte gemeinsam mit dem Berliner Beratungsunternehmen P Digital im Dezember gewerbliche Händler, die auf Amazon verkaufen. An der Studie mit 111 Fragen nahmen 1.621 Personen (knapp 1.000 Firmen) teil. Ganze 140 Seiten umfasst der Report. Die nun veröffentlichten Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: „In 8 von 12 Positionen greift Amazon vollständig bzw. teilweise in die Prozesse beim Händler ein. Keine andere Plattform hat einen so tiefen Einblick und teilweise Kontrolle in den Betrieb der Händler wie Amazon.“ Aus Sicht der Befragten – 67 Prozent von ihnen setzten 2019 bis 1 Mio Euro um, 27,5 Prozent bis zu 10 Mio Euro – herrscht absoluter Handlungsbedarf, gut drei Viertel der Firmen sind unzufrieden mit ihrem Geschäftspartner Amazon, sehen sich im Geschäft behindert.

 

Die Rede ist von Preis-Vorschriften durch die Hintertür wie bei der Buybox (INSIDE 1110), Umsatzausfall oder Insolvenzen nach Kontosperrungen. Die Onlinehändler beklagen eine Daten-Gier Amazons gegenüber ihnen, bemängeln zu lasche und nicht ausreichend kontrollierte Vorgaben durch den Gesetzgeber.

 

Neulinge auf dem Marketplace, aber auch zahlreiche erfahrene Unternehmen gehörten zu den befragten Firmen. Obwohl alle mit Amazon Geschäft machen, wollen 43 Prozent aller Firmen mit bis zu 25 Mio Euro Jahres-Online-Umsatz ihre Geschäfte auf der Plattform nicht weiter ausbauen. Im Durchschnitt erwirtschafteten die Firmen 51,2 Prozent ihres jeweiligen Umsatzes über Amazon. Bereits im ersten Jahr können die Umsätze um rund ein Drittel gesteigert werden. Händler in der Kategorie „Haushalt, Garten, Tier & Baumarkt“ schafften exakt 33 Prozent Zuwachs. Gewachsen, und zwar stark, sind also alle. Aber auch die Abhängigkeit ist gewachsen. Und das, obwohl nur 3 Prozent ausschließlich über Amazon verkaufen. Mit eBay (gut 86 Prozent), eigenem Onlineshop (etwa 64 Prozent) oder Engagements auf Plattformen wie Real. de (23 Prozent) oder Otto (6,4 Prozent), einem eigenen Ladengeschäft (16,3 Prozent) und weiteren Vertriebskanälen sind die Marketplace-Nutzer ebenfalls aktiv.

 

Drei Viertel der Firmen urteilen, Amazon sei kein Partner. Zwar sind die Buchhändler am kritischsten (90 Prozent sagen: „Von Partnerschaft keine Spur“), aber auch unter der Gruppe der Zufriedensten ist die Mehrheit gleicher Meinung. Denn zwei Drittel der Händler der Kategorie „Haushalt, Garten, Tier & Baumarkt“ sehen dies ebenso. Die Grundstimmung sei „desaströs“, lässt sich BVOH-Präsident Oliver Prothmann zitieren.

 

Einige der größten Kritikpunkte: Missbrauch von Händlerdaten (65 Prozent gehen davon aus, dass Amazon die Daten der Händler für seine eigene Verkaufsstrategie nutzt), kaum Kontaktmöglichkeiten (rund 50 Prozent sagen, eine Kontaktaufnahme sei „nahezu unmöglich“), kaum einzuhaltende Richtlinien für die Verkäuferleistung (60 Prozent halten sie zumindest für schwierig oder gar nicht umsetzbar) und sehr hohe Kosten, um die Verkäuferleistung einzuhalten. Satte 73 Prozent – also beinahe drei Viertel – der befragten Firmen nahmen schon Artikel aus dem Programm, um die Verkäuferleistung zu erreichen.

 

Die kürzlich wieder ins Gerede gekommene Buybox kommt nicht gut an: Mehr als 85 Prozent der Befragten sind entweder gar nicht zufrieden (ein Viertel aller Befragten), wenig zufrieden oder „mittelmäßig zufrieden“. Und so kommt es, dass zwei Drittel auch Artikel verkaufen, bei denen es keine Buybox gibt. Bekanntlich schreibt deren Algorithmus Preisobergrenzen auf eine Art und Weise fest, die stark in die Autonomie der freien Preisgestaltung eingreift. Im Prinzip macht die Buybox zu Sklaven: Um in die Buybox zu kommen, muss der Preis des Händlers der Studie zufolge um 22,3 Prozent unter dem von Amazon liegen. Die Fälle, in denen der Konzern Artikel gelöscht hat – zu Unrecht aus Sicht der Händler –, sind ganz offenbar auch eher die Regel als die Ausnahme. Niedrig- oder Hochpreisfehler deaktiviert Amazon demnach bei fast 71 Prozent der Händler aus der Kategorie „Haushalt, Garten, Tier & Baumarkt“.

 

Soll der Artikel wieder aktiviert werden, geht dies nur für 23,4 Prozent immer oder für 13,7 Prozent oft. Mehr als 20 Prozent der Handelsfirmen können den Artikel nie mehr aktiv schalten. Welchen Grund nennt Amazon in solchen Fällen? – 47 Prozent geben an, dass die Begründung laute, der Preis entspreche nicht den Richtlinien, 46 Prozent geben eine Preis-Abweichung in der Buybox als Begründung des Konzerns an. Dabei ist es kartellrechtlich nicht zulässig, einem Händler einen Verkaufspreis vorzugeben.

 

Beim Geldeinbehalt oder einem deaktivierten Konto sehen sich die Händler ebenfalls stark gegängelt. Amazon vollzieht nach der Studie einen durchschnittlichen Geldeinbehalt von 41.500 Euro. Das führt bei ihnen zu einem Umsatzverlust von 60.254 Euro. Auch die Klärung des Geldeinbehalts kann zwischen 200 und 12.000 Euro an externen Kosten verursachen. Mitarbeiterentlassungen, fehlende Liquidität für den Einkauf und sogar Insolvenzen (1 Prozent der Fälle) können weitere Folgen allein dieser Maßnahme sein. Inzwischen hat sich Amazon in Reaktion auf die Studie beim BOVH gemeldet. Man suche das Gespräch, heißt es. Immerhin.

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Kurs-Crash trotz Super-Wachstum

  • Schlagzeile: Home24-Aktie schmiert ab--

Das Wachstum im ersten Quartal, für das Home24 am Dienstag vorläufige Zahlen vorgelegt hat, kann sich sehen lassen. Erneut wurde ein Umsatzplus um 55 Prozent auf 159 Mio Euro gemeldet. Unterm Strich standen rote Zahlen, die aber etwas besser ausfielen als im Vorjahresquartal. Immerhin war das EBITDA leicht positiv. Im April lag der Auftragseingang auch nochmal um 30 Prozent über Vorjahr.

 

An der Börse wurde das nicht goutiert Der Aktienkurs sackte auf unter 15 Euro ab, nachdem er am Sonntag noch bei 17,7 Euro gelegen hatte. Im Februar waren sogar mal 25 Euro überschritten worden. Analysten führen den jüngsten Kursrückgang darauf zurück, dass Home24 trotz des Wachstums seine Jahresprognose nicht nach oben korrigierte. Nach wie vor wird ein Umsatzplus von 20 bis 40 Prozent erwartet, die bereinigte EBITDA-Marge soll zwischen 0 und 2 Prozent liegen. Negativ hätte sich auch ausgewirkt, dass der Vorstand am Dienstag vor höheren Möbelpreisen gewarnt habe und dabei unter anderem auf den Lieferkettenstress verwiesen hatte, schreibt beispielsweise Der Aktionär.

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