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Nachverhandeln und Schließen

Weniger Filialen: Media Markt und Saturn
  • Schlagzeile: Media Markt und Saturn dünnen ihr Netz aus

Filialschließungen, Verkleinerungen von Flächen und Entlassungen: Die zu Ceconomy gehörenden Elektrofachhändler Saturn und Media Markt verkleinern sich. Das berichtet die Lebensmittel Zeitung. Dem Bericht zufolge sollen bis Ende September 13 Filialen dichtmachen. Zudem müssten 1.000 Mitarbeitende gehen, würden in weiteren Filialen die Flächen verkleinert. Auch versuchen die Ingolstädter wohl Mieten nachzuverhandeln. Das gehe aus einer internen E-Mail hervor. 

 

Derzeit sind bundesweit 419 Filialen am Netz. Nach den Maßnahmen wären 409 Märkte übrig. Bereits im August hatte Media-Saturn (damals 426 Filialen in Deutschland) angekündigt, europaweit 3.500 Vollzeitstellen einsparen zu wollen, „vorwiegend im europäischen Ausland“. Gegenüber INSIDE hieß es bereits damals, es gehe um eine „überschaubare Anzahl“ an angedachten Filialschließungen. 

 

 

 

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Weiter beratend

  • Schlagzeile: Gerhard Essig übergibt Carat-Geschäftsführung

Zu Ende März zieht sich Gerhard Essig aus dem operativen Geschäft zurück. Der Geschäftsführer der zu MHK gehörenden Softwareschmiede Carat, der im Juni 66 wird, wird Carat aber weiter beratend zur Seite stehen. Seit 33 Jahren hatte Essig das inzwischen 160 Köpfe zählende Team aufgebaut. Bis dato nutzen nach Firmenangaben 45.000 Küchenfachplaner die Software aus Dreieich. Übernehmen werden Andreas Günther, seit zwei Jahren Carat-Geschäftsführer (verantwortlich für Vertrieb und Marketing) und Andreas Joost, seit neun Jahren Geschäftsführer (Technik). Norbert Michael leitet den Bereich Datenmanagement.

 

 

 

 

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Weiter restrukturieren

  • Schlagzeile: Exklusiv-Hauben Gutmann beim Amtsgericht

Ein wenig hat es etwas von einem Déjà-vu: 2018 war Exklusiv-Hauben Gutmann bereits einmal in die Insolvenz gerutscht. Damals lief es allerdings als eine Sanierung in Eigenverwaltung. Tatsächlich brachten der geschäftsführende Gesellschafter Manuel Fernandez und Co-Geschäftsführer Helmuth Rauscher das Unternehmen wieder auf die Spur. Nach rund einem Jahr hieß es dann vom Amtsgericht Pforzheim: „Das Verfahren wird nach rechtskräftiger Bestätigung des Insolvenzplans aufgehoben."

 

Jetzt hat sich die Lage abermals zugespitzt: Gutmann hat beim zuständigen Gericht einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun, bereits mit dem Unternehmen vertraut, wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Am Dienstag hatte bereits Küchennews über den Crash berichtet.

 

Dass dieser Schritt notwendig wurde, wird offiziell in einer Mitteilung so erklärt: „In Folge der gravierenden wirtschaftlichen Einschnitte aufgrund der COVID-19 Pandemie und der damit einhergehenden Beschränkungen der Lieferketten hat die Gesellschaft die für 2020 avisierten Ziele nicht im vollen Umfang erreichen können.“

 

Jetzt sollen die „eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen weiter umgesetzt werden“. Vor allem geht es wohl um eine „Optimierung der Produktionsprozesse“ und darum, Kunden weiterhin ohne Unterbrechung zu beliefern. Der Kundenservice stehe nach wie vor für alle Fragen zur Verfügung.

 

Von Gutmann heißt es außerdem, dass man sich bereits „die Unterstützung erfahrener Partner gesichert“ habe. 

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Daten und Co. sind Chefsache: Markus Benz
  • Schlagzeile: Daten sind das neue Gold

Gewinn gesteigert, trotz Umsatzminus: Zum Start der INSIDE-Serie „Die Chancen im Premiumsegment“ beleuchten wir, wie sich Walter Knoll erfolgreich in die Zukunft aufmacht. Daten und Digitalisierung spielen eine zentrale Rolle.

 

Nach vielen Jahren, in denen Walter Knoll nicht nur auf dem Weg zum Einrichter weiterkam, sondern sich zu fast 90 Mio Euro Umsatz schraubte, wurde es 2018 in Herrenberg schwieriger. Der Umbau wurde dann vor Corona schon vorangetrieben. Markus Benz erklärte die Digitalisierung zur Chefsache. 2020 in der Bilanz: wieder schwarze Zahlen.

 

16 Uhr, Montagnachmittag. Das Handy klingelt. Markus Benz ist dran. Schwaben sind pünktliche Menschen. „Wir könnten doch auch schnell facetimen“, sagt Benz. In Zeiten von Teams und Zoom wirkt der Facetime-Anruf schon fast wie ein Anachronismus. Wie wird Markus Benz später sagen: „Die Digitalisierung ist ein neues Hamsterrad.“ Immer weiter, nie fertig. Auch ein Mittelständler wie Walter Knoll erschaffe da einen Riesen, einen großen Daten-Riesen, sagt Benz. Facetime also. Der Walter-Knoll-Inhaber sitzt vor einer großen Bücherwand. Der Outsider in seiner Wohnküche, Handy und Laptop vor der Nase. Die Kinder klopfen an die Tür, haben Hunger. Schöne neue Homeoffice-Welt.

 

Der Edelpolsterer aus Herrenberg, der schon lange so viel mehr als Polstermöbel macht, hat einen großen Umbruch hinter sich. Personell, strukturell, entwicklungs- und IT-technisch. Benz sagt es so: „Ich hatte immer das Gefühl, es kann nach diesen vielen erfolgreichen Jahren irgendwann eine große Krise kommen. Ich wollte unbedingt davor den notwendigen Umbau bei uns im Haus angestoßen haben. Wir hatten Glück, dass wir damit vor Corona begonnen haben.“ Am 27. Mai wird Markus Benz 60 Jahre alt. Vater Rolf Benz ist – zwei Mal geimpft – mit 87 Jahren rüstig und zuversichtlich, wie man hört. Markus Benz selbst konzentriert sich mehr auf strategische Fragen in Herrenberg – und hat die Digitalisierung zum Chefthema gemacht. Er hält das Standardwerk „Eins oder null“ von Jürgen Meffert und Heribert Meffert in die Handykamera. Das Buch habe ihn damals geradezu unter Strom gesetzt, sagt Benz. Das hatte Folgen in Herrenberg. Die Daten sind hier nun das neue Gold.

 

Die Plattform Pcon aus dem Hause Eastern Grafics, der Konfigurator und Planer mit AR-Applikation, stünde heute sicher nicht da, wo er für die Premium- und Objektliga in der Planungsleistung für Architekten und Objektkunden heute rangiert, hätte Markus Benz nicht vor einigen Jahren das Potenzial erkannt. Als neues PIM wurde Censhare etabliert in Herrenberg, Salesforce ist aufgesetzt im Haus. Daten, Daten, Daten. Benz: „Der hochwertige Markt ist ein Beratungsmarkt, in dem man heute neue Instrumente braucht. Die Digitalisierung schafft ein neues Kundenerlebnis. Ohne Daten kein neues Produkt.“ Das Tagesgeschäft in Herrenberg liegt vorwiegend in den Händen der neuen Führung, die in den Jahren 2018 und 2019 etabliert wurde. Die kaufmännische Leitung hat Daniel Daniels inne. Im Vorstand sitzen Benz, Werner Maier als Chief Sales Officer und der ehemalige Vitra-Mann Gerrit Simons für Operations. Oliver Bayerl hat als Sales-Chef im Wohnen vieles neu strukturiert. Das Fleiner-Abenteuer in Stuttgart, einst aus der Insolvenz mit einer deutlich zu großen Verkaufsfläche übernommen, wurde auf einen 300 qm großen Architare-Shop mit digitalen Beratungshelfern in der Stuttgarter Innenstadt in der Dorotheenstraße reduziert. Vor-Ort-Planung kann in Nagold laufen, in der von Markus Benz‘ Schwester Barbara Benz geführten 2.700 qm großen Architare-Dependance.

 

Mehr eigenen Fachhandel will man nicht im Hause Walter Knoll. Rund um Stuttgart, da sei das okay, wegen der regionalen Verwurzelung, sagt Benz. Die Fachhandelspartner in der ganzen Welt seien das Pfund. Das hören die sicher gern. In DACH sind es rund 180, weltweit kommen weitere 170 Handelspartner dazu. Wie schwer es ist, am Point of Sale rentabel zu wirtschaften, das haben Benz und sein Team bei Fleiner gesehen. Das Reduzieren der Fläche in Stuttgart sei – neben einigen anderen Themen – ein wesentlicher Hebel gewesen, um 2020 wieder Gewinne zu erwirtschaften. Obwohl der Walter-Knoll-Umsatz 2020 um knapp 15 Prozent zurückgegangen ist. Walter Knoll macht rund zwei Drittel des Umsatzes im Objektgeschäft, ist sehr exportorientiert. Und das Lizenzmöbelgeschäft hat 2020 Federn gelassen. „Weggetrieben hat es uns aber eigentlich ein bisschen davor“, sagt Benz. Dann der Umbau. Es wurde an vielen Schrauben gedreht in Herrenberg. „Jetzt haben wir wieder alles aufs harte Holz zurückgeführt. Wir investieren in Produkt und Daten.“ Rund 70 Mio Euro hat Walter Knoll mit rund 300 Mitarbeitern 2020 gemacht – und Gewinn. Benz: „Wir haben uns 2020 nach dem strukturellen Umbau wieder auf das Geschäft konzentrieren können.“ Im Wohnen ging es unter Bayerl um 20 Prozent nach oben im vergangenen Jahr. Im ersten Quartal 2021 liege man im Auftragseingang leicht über Vorjahr.

 

„Das ist gerade eine wichtige Unternehmerzeit“, sagt Benz. Das Neuerfinden, das Einziehen der vielen neuen, meist digitalen Leitplanken mache Spaß. Den will er seinen beiden Kindern vorleben. Sie haben offenkundig Interesse, auch wenn beide noch nicht im Unternehmen sind. Wie sehen Sie die Perspektiven im Premiumsegment? „Gut“, sagt Benz, der Markt stecke voller Chancen. Die Konzentration im Markt ist das eine. Design ist längst nicht mehr automatisch teuer. Aber die sich weiter wandelnde Grundhaltung bei vielen Kunden, nachhaltige und langlebige Produkte zu kaufen, das sei die eigentliche Chance im hochwertigen Einrichten. Benz: „Billig und nachhaltig, das passt nur selten zusammen.“ Ressourcenarme Möbel, nachhaltige Materialien wie Sattelleder und vieles mehr: Die Aufgabe fürs Produktmanagement in Herrenberg ist definiert. Und wie zeigt man das alles in einer Corona-Welt ohne Messen? Mailand im September spielt in den Planungen in Herrenberg keine Rolle. Das Thema Messen? Benz: „Es schreckt mich nicht. Der Wechsel im Kopf hat stattgefunden.“ Dann verweist Benz auf die „erfolgreichste Produkteinführung in der Walter-Knoll-Geschichte“im vergangenen Herbst, ganz ohne Messen. Der Stuhl Sheru hat das geschafft, fast nur digital.

 

Natürlich brauche es Orte, an denen man in Zukunft wieder persönlich zusammenkomme. Wie diese Orte aussehen müssten, wisse er auch noch nicht. Er habe da aber keinen Druck. Benz: „Zumindest wohl doch nicht mehr in diesen Dimensionen, wie wir das früher in Mailand oder Köln gemacht haben.“ In einem sei er sich sicher: „Allein schon aus Umweltgründen werden wir unsere Kunden nicht mehr um den halben Planeten schicken.“ Eine Mischung aus analogen und digitalen Lösungen müsse gefunden werden. Benz: „Wir brauchen eine neue Leistungsfähigkeit. Die Frage, wie wir Leads organisieren, wie wir mit Kunden in Kontakt treten, es muss noch vieles neu organisiert werden.“

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Aufstieg nach Umbau

  • Schlagzeile: Neuer Geschäftsführer für neues Cosentino Center in Berlin

Insgesamt vier Center betreibt der spanische Oberflächenspezialist Cosentino mit Deutschland-Sitz in Warngau hierzulande: in München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin. Jetzt wurde das Center in der Hauptstadt modernisiert und vom bisherigen Standort in Neukölln nach Blankenfelde-Mahlow verlegt, samt großem Showroom, Lagerflächen und Logistik. 

Ab April wird das Berliner Center auch eine neue Führung bekommen. Danny Hundt, bislang Senior Account Manager, übernimmt die Geschäftsführung des Cosentino Center Berlin. Mit derzeit 15 Mitarbeitern werden vom Berliner Standort aus die Kunden in einem recht großen Gebiet betreut, das von Sylt über Hamburg und Berlin bis nach Leipzig und Polen reicht.

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62 Prozent Wachstum

  • Schlagzeile: Westwing meldet Jahreszahlen

Im Jahr 2020 war das Wertpapier des Münchener Shopping-Clubs Westwing eine der Aktien des Jahres. Wer Anfang letzten Jahres 1.000 Euro investierte, freut sich heute über gut 20.000 Euro. Die heute veröffentlichten Zahlen können sich auch sehen lassen.

 

Westwing steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent und kommt auf 432,9 Mio Euro. Im Jahr 2019 lag der Umsatz bei 267,3 Mio Euro. Auf bereinigter EBITDA-Basis wirtschaftete das Unternehmen im letzten Jahr profitabel und kommt auf 50 Mio Euro. 60,2 Mio mehr als im Jahr 2019. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 11,5 Prozent. Aber auch unterm Strich schrieben die Münchner 2020 schwarze Zahlen: Das Jahresergebnis kletterte auf 29,8 Mio Euro – nach einem Verlust von 38 Mio Euro im Vorjahr.

 

Für das Jahr 2021 rechnet das Unternehmen mit weiterem Wachstum und einem Umsatz zwischen 510 Mio und 550 Mio Euro.

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Speakers‘ Corner und mehr

So wird es auf der digitalen Bühne der Interzum aussehen
  • Schlagzeile: Video-on-Demand auf der Interzum @home

Im Mai wird die Interzum erstmals als digitale Messe über die Bühne gehen, einschließlich der traditionellen Verleihung der Interzum Awards. Auf dieser Interzum @home sind drei digitale Bühnen zu Green Smart Materials, Mattress Recycling und Branchentrends geplant. Hinzu kommen die Materialkonferenz Materials.Cologne (Material und Nachhaltigkeit sind hier der Schwerpunkt, wie gewohnt, betreut von Material-"Papst" Martin Beeh) und die Ausstellerbühnen der „Product Stages“. 

Auf den Bühnen der digitalen Speakers‘ Corner geben die Firmen den Ton an – ihre jeweils 20-minütigen Vorträge sind als Video-on-Demand abrufbar. Auch die Materials.Cologne plant eine tägliche Web-TV-Zusammenfassung der Vorträge und Master Class-Ergebnisse.

 

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Zwei Neue 2

Gleich zwei neue Geschäftsführer hat Beckermann Küchen in Cappeln. Ausgetragen ist seit Mitte März der Horstmann-Mann Klaus Boog, der die Horstmann-Gruppe verlassen hat.

 

Neu in die Geschäftsleitung berufen wurde Betriebsleiter Jürgen Gieske für den technischen Part. Ganz frisch dabei ist seit Februar Klaus Schute, der zuvor über zwei Jahrzehnte beim Blechverarbeiter Graepel verbracht hat.

 

Schute soll sukzessive die Aufgaben von Bernard Lampe im kaufmännischen Bereich und Vertrieb übernehmen, da Lampe sich innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre in den Ruhestand zurückziehen will. Zunächst ist er aber noch voll eingespannt. Schließlich muss er seit dem Ausscheiden von DACH-Vertriebsleiter Hans-Joachim Kalek im noch mehr mit anschieben. Mit der Neubesetzung der Vertriebsleiterposition will man sich Zeit lassen, sagt Lampe.

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Digitalisierung in der Möbelbranche (5)

  • Schlagzeile: Die relevanten Kriterien für die Digitalstrategie

Im INSIDE 1102 startete die in loser Folge erscheinende Serie "Digitalisierung in der Möbelbranche". Im fünften Teil der Serie beschreibt Gastautor Pierre Haarfeld über neue Formen des Kundenzugangs – und warum sie wichtig für den Handel sind.

Pierre Haarfeld ist Gründer und CEO von nuucon.de. Die Einkaufsplattform für Interior-Design-Projekte ist. Pierre Haarfeld über neue Formen des Kundenzugangs – und warum sie wichtig für den Handel sind. Zuvor hatte Haarfeld 2017 gemeinsam mit Philipp Renerig, die Hamburger Digital Apartment GmbH gegründet. Deren Beratungsgeschäft wurde an Etribes verkauft (INSIDE 1105).

 

Die relevanten Kriterien für die Digitalstrategie

 

Wird nach Corona wieder alles gut? Werden die Kunden wieder Schlange im Fachhandel stehen? Über neue Formen der Kundenansprache, des Kundenzugangs und des notwendigen unternehmerischen Muts in Krisenzeiten. Eine Analyse, die wehtut.

 

Von Pierre Haarfeld

 

“If we can keep our competitors focused on us while we stay focused on the customer, ultimately we‘ll turn out all right.” Dieses Zitat des Amazon-Gründers Jeff Bezos passt sehr gut in die aktuelle Zeit. Es wird viel zu viel nur auf Amazon geschaut. Auch außerhalb des eigentlichen Ökosystems von Amazon passiert gerade einiges und verändert die Handelswelt. 

 

Hier ist es zum einen empfehlenswert, sich die Trends und Bewegungen genau anzuschauen und für das eigene Unternehmen zu prüfen. Zum anderen sollten Unternehmen weniger Zeit in die vermeintliche Wettbewerbsunterdrückung stecken. Im E-Commerce sind die Erfolgsfaktoren Geschwindigkeit und Kundenzugang. Beides erreicht man nur, wenn man als Unternehmer lernt zu adaptieren und seine Kunden dabei im Fokus zu behalten. Grabenkämpfe mögen in der etablierten Wirtschaftswelt funktionieren. Im E-Commerce kosten sie nur zu viel Zeit, bringen keinen Kundennutzen und verschlechtern letztendlich sogar die eigene Wettbewerbsposition.

 

Wenn es um Geschwindigkeit und Wachstum geht, wird trotzdem gerne in Richtung des Riesen aus Seattle geschaut. Die weltweiten Zahlen des E-Commerce-Giganten sind sicherlich auch mehr als beachtlich. 2020 konnte Amazon den Außenumsatz um über 500 Mio Dollar steigern. Jeden Tag! Zur Einordnung: Im Marktplatzgeschäft ist Amazon 2020 stärker gewachsen, als Ebay insgesamt Gesamtumsatz erzielen konnte. Dabei ist nicht zu vergessen, dass das Marktplatzgeschäft nur 20 Prozent der Netto-Erlöse von Amazon ausmacht. Und in genau diesem Bereich findet gerade eine spannende Bewegung statt. Alleine in Deutschland sind rund 100.000 neue Marktplatz-Accounts in den letzten drei Jahren hinzugekommen. Die Flut an neuen Anbietern macht das Geschäft für kleinere Marktplatzhändler immer schwieriger.

 

 

Die Professionalisierung hat stark zugenommen und die Vielzahl an Anforderungen ist für kleinere Player kaum noch zu erfüllen. Diesen Umstand macht sich nun eine ganz neue Generation von M&A-Boutiquen zunutze. Das US-Start-up Thrasio ist eines der ersten Unternehmen gewesen, welches systematisch kleine, aber erfolgreiche Amazon-Accounts übernommen hat. In Summe hat Thrasio seit 2018 mehr als 50 Amazon-Accounts akquiriert. Ziel ist die Professionalisierung der vorhandenen Accounts und die Nutzung von Synergieeffekten innerhalb des Thrasio-Portfolios. Der Außenumsatz von Thrasio liegt drei Jahre nach Gründung bereits bei über 200 Mio Dollar. Die EBITDA-Quote bei beachtlichen 17,5 Prozent.

 

Genauso interessant dürfte sein, dass Thrasio sich über diesen Weg vorhandene Lieferantenbeziehungen einkauft und einen enormen Geschwindigkeitsvorteil für neue Markteintritte haben dürfte. Dass eine solche Konsolidierungsstrategie auch für den deutschen Markt interessant ist, dürfte auf der Hand liegen. Umso weniger verwundert es, dass auch hierzulande bereits Copycats von Thrasio entstanden sind. Brands United und die Razor Group sind nur zwei der ambitionierten Zukäufer, die gerade nach attraktiven Seller-Accounts Ausschau halten. Spannend könnte es werden, wenn einer der nationalen oder globalen Player anfängt, den Fokus auf einzelne Kategorien zu legen und somit die Anforderungen innerhalb einer Amazon-Kategorie stark anhebt.

 

Auch außerhalb des Amazon-Ökosystems dreht sich weiterhin alles um den bestmöglichen Kundenzugang. Die Gewinner der Corona-Krise wissen das für sich zu nutzen und haben sich vorgenommen, die Hürden für den Kundenkontakt so niedrig wie möglich zu halten. In diesem Zusammenhang konnte vor allem das Unternehmen Charles in den letzten Monaten auf sich aufmerksam machen. Die Technologie des Berliner Unternehmens ermöglicht es, den kompletten Einkaufsprozess via Whatsapp zu tätigen. Während eine Vielzahl von Marken und Händlern schon länger die Kundenkommunikation mittels Whatsapp ermöglicht, geht die Lösung von Charles noch ein paar Schritte weiter. Neben der Beratung via Whatsapp kann auch der eigentliche Produktkauf inklusive Zahlungsvorgang und Logistikinformationen durchgeführt werden. Der Kunde muss den Kanal Whatsapp für den gesamten Kaufprozess nicht verlassen. E-Commerce-Shops haben dabei die komplette Abwicklung direkt in ihren Prozessen abgebildet. Dies wird auch als Conversational Commerce bezeichnet. Den Ursprung hat das Ganze wie so oft in der Fashion-Industry. Und Conversational Commerce ist auch schon in unserer Branche im Einsatz. Die Möbelmarke Woodboom nutzt intensiv Whatsapp für den Verkauf beratungsintensiver Produkte und hat es somit nach eigenen Angaben geschafft, 80 Prozent der Beratungsgespräche zu einem Kauf zu konvertieren.

 

Egal, welcher Kundenzugang auch genutzt wird: Die letzten Monate haben nochmals deutlich gezeigt, dass Marken im Vorteil sind, die sich ihre Vertriebskanäle jederzeit frei aussuchen können. Die sogenannten D2C-Brands (Direct-to-Consumer) sind weiterhin auf dem Vormarsch und erobern neue Kategorien. Nun können auch vermehrt neue Marken im Büromöbel-Segment beobachtet werden. Das Unternehmen Branch Furniture hat es geschafft, innerhalb eines Jahres eine neue Büromöbelmarke mit siebenstelligen Umsätzen auf den US-Markt zu bringen. Alles im Direktgeschäft. Auch die B2B-Kunden werden ausschließlich über die Online-Kanäle akquiriert. Bei den aktuellen Wachstumsraten strebt Branch für 2022 einen Umsatz von 40 Mio Dollar an. Zum Vergleich: Der 1931 gegründete Büromöbelhersteller Febrü hat 2020 mit einem Umsatz von 36 Mio Euro abgeschlossen.

 

Nie dagewesene Chancen

 

Dieser Vergleich ist keine Schmälerung der Leistung von Herstellern der Büromöbelindustrie. Es zeigt allerdings auf, welches Potenzial im Direktvertrieb steckt und wie zögerlich die Branche noch agiert. Bestehende Beziehungen zu Fachhändlern sind auch im Jahr 2021 immer noch der Hauptgrund, um den Direktvertrieb intern im Keim zu ersticken. Andererseits: Unternehmen, die dreistellige Umsätze erwirtschaften und glauben, dass sie mit einem E-Commerce-Manager den Markteintritt ins Direktgeschäft schaffen, werden gegen den neuen Wettbewerb keine Chance haben. Die Stärke von D2C-Marken liegt nicht in der Produktkompetenz. Die Stärke liegt in der Vermarktung. Sowohl beim Personal als auch monetär. Bei Unternehmen wie Branch, Poppin und Co arbeiten in der Regel mehr als 20 Prozent des Personals in den Bereichen Online-Marketing und Social Media. Die Werbeaufwendungen für diese Bereiche liegen bei 12 bis 20 Prozent der Netto-Erlöse. Etablierte Hersteller, die nun mit ihrer klassischen Kalkulation probieren, in den Direktvertrieb zu gehen, sollten sich ernsthaft fragen, ob das Investment nicht in anderen Bereichen besser angelegt ist. In der Kalkulation wird sehr gerne vergessen, dass im Direktgeschäft die gesamte Wertschöpfung zwischen Herstellungspreis und Endkundenpreis beim Hersteller liegt. Zusätzlich spielt die über Jahrzehnte festgefahrene Preispolitik der etablierten Anbieter den D2C-Marken in die Karten. Während neue Anbieter wie Eliot von Anfang an eine „ehrliche” Preisgestaltung nutzen, müssen klassische Hersteller mit Rabatten von 40 Prozent und mehr auf den Listenpreis rausgehen, um wettbewerbsfähig zu sein. Nur leider funktionieren Listenpreise mit hoher Rabattierung nicht im E-Commerce.

 

Aus Sicht von Marken bieten sich zurzeit nie dagewesene Chancen. Entweder schaffe ich es zum Beispiel einen der hier beschriebenen Wege im Direktvertrieb zu gehen oder ich suche mir einen Handelspartner, der neue Wege in der Kundenakquise beschreitet. Im Idealfall kann ich beides kombinieren und auf Augenhöhe kommunizieren. Sowohl im B2B- als auch im B2C-Umfeld gibt es Händler, die mittlerweile einen Großteil ihrer Kunden online gewinnen. Ob Beratungsgespräch via Zoom, Kaufanbahnung per Instagram oder Kaufabschluss bei Whatsapp: Die Möglichkeiten sind vielfältig und müssen nur konsequent genutzt werden. 

 

Klar sollte aber auch sein, dass die Kunden nach Corona nicht wieder in Strömen in den stationären Fachhandel zurückkehren werden. Vielleicht sollten Marken gerade jetzt hinterfragen, wie sie zukünftig die Auswahl von Handelspartnern vornehmen. Dauer der Kundenbeziehung und Markenfit sind sicherlich nicht unbedeutend. Ganz oben auf der Liste der relevanten Kriterien für die unternehmerische Entscheidungsfindung sollte aber zukünftig ein anderer Begriff stehen: Kundenzugang.

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Umgebaut 1

Seit dem Jahresanfang gehören bei der Neuen Alno zwei neue Außendienstmitarbeiterinnen zum Team von Inlandsvertriebsleiter Oliver Strelow. Suna Arslan (früher Nolte) und Jessica Jacob  (zuvor Kimocon) haben die Gebiete Süd- und Mitteldeutschland übernommen.

 

Weitere Vertriebsmitarbeiter will Geschäftsführer Michael Spadinger im Rahmen eines Trainee Programms ausbilden. Spadinger erklärt sich auch offen gegenüber neuen Arbeitszeitmodellen – könnte dazu beitragen, dass sich noch weitere Frauen bzw. Eltern für einen Job im Alno-Außendienst entscheiden.

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Neues aus den Ländern

  • Schlagzeile: NRW und Berlin machen Öffnung mit Tests möglich

Ganz so strikt, wie es nach den Beschlüssen in der Nacht zu Dienstag aussah, scheinen die Länder die neuen Regeln für den Einzelhandel nicht zu festzulegen. Zumindest nicht alle. Nachdem Bayern am Dienstag bereits einen Sonderweg angekündigt hatte (ab dem 12.4. darf der Handel bis zu einer Inzidenz von 100 ohne Terminvereinbarung öffnen, bis 200 kann mit negativem Corona-Test Click&Meet genutzt werden), hatte das Saarland kurzerhand das ganze Bundesland zur Modellregion für Öffnungen mit Tests erklärt.

 

NRW hat am Freitag beschlossen, von der landesweiten auf eine regionale Strategie umzuschwenken. Dadurch dürfen beispielsweise die Läden in Münster (Inzidenz unter 100) geöffnet bleiben. Und - das ist neu: In Kommunen mit Inzidenzen über 100 gibt es ab dem 29.3. die Möglichkeit, „statt einer kompletten Rücknahme der Öffnungen die Inanspruchnahme der betroffenen Angebote strikt von einem tagesaktuellen Negativtest abhängig zu machen.“ Ein Bericht des Kölner Stadtanzeigers, laut dem NRW auch bei der Auswahl der Modellregionen für weitere Öffnungen nicht eben zimperlich vorgegangen sein soll und die Wahl neben dem Kreis Warendorf und Winterberg auf die Großstädte Köln und Aachen gefallen sei, wurde inzwischen von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dementiert. In Köln gilt ab Montag nur noch Click & Collect, die Stadt macht also zunächst offenbar von der Öffnungsmöglichkeit mit Tests keinen Gebrauch.

 

Der „Sieg“ von Möbel Rogg vorm baden-württembergischen VGH zog übrigens wie erwartet keine Öffnung von Möbelhäusern, sondern schärfere Regeln für Buchhandlungen nach sich.

In Berlin sollen die neuen Regeln am Sonntag veröffentlicht werden. Auch hier dürfen die Läden wohl für Kunden mit Negativtest offen bleiben. Zusätzlich werden FFP2-Masken beim Einkaufen Pflicht.

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Die Woche auf INSIDE Küche 3

Im Handel heißt es nun, die letzten möglichen Verkaufstage für Abschlüsse zu nutzen, bevor die Türen vielerorts nach wenigen Wochen schon wieder zu gehen. Wobei die Küchenbranche, was die Auftragslage angeht, sicherlich zu einem der Wirtschaftszweige gehört, die mit einem blauen Auge davon kommen werden. Trotz der Lockdowns hört man für 2021 noch immer gedämpft optimistische Stimmen aus dem Markt. 

 

Weitaus größere Probleme bereiten vielen Marktteilnehmern die Zulieferketten. Ein heißes Thema seit Monaten, das immer wieder betont wird. Zum Beispiel von Bulthaup-Boss Marc Eckert und auch von den Kreis-Geschäftsführern Ralph Leimbach und Ulf Triebener im Videointerview für den zweiten Teil unserer -Serie „Verbände im Gespräch“, mit dem wir in der kommenden Woche online gehen werden. Lieferstress war auch ein Thema bei der Bilanzpressekonferenz der BSH an diesem Dienstag. „Bei Geschirrspülern und Öfen kämpfen wir um jede Einheit“, sagte Dr. Silke Maurer, COO des deutschen Marktführers, und ließ durchblicken, dass die Situation bei diesen Produktgruppen sich wohl auch im weiteren Jahresverlauf nicht recht entspannen wird. Das schmerzt auch andere in der Geräte-Szene. Aktuell schaut es so aus: Umsatz macht, wer liefern kann.

 

Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen die Lektüre zum jüngsten Dunstabzugshauben-Test der Stiftung Warentest. Unser Kollege Ronny Waburek hat rumgefragt, wie die Ergebnisse von den Anbietern selbst beurteilt werden. Auf das Überthema Muldenlüfter, das sich zum Langzeittrend auszuwachsen scheint, ist die StiWa seltsamerweise kaum eingegangen. Im Bericht nur ein kurzer Verweis auf einen Test der schwedischen Partnerzeitschrift, die 29 Induktionskochfelder mit integriertem Kochfeldabzug unter die Lupe genommen hat. Der Name Bora taucht im ganzen Heft nicht auf. Schwach eigentlich, doch Bora dürfte das relativ Schnuppe sein. Der Muldenlüfter-Pionier aus Raubling, der sich zwar aus Tradition mit Umsatzzahlen zurückhält, wartet gerade mit Zahlen zum Marketingerfolg auf, die sich sehen lassen können. Bis zum Ende des Sommers will Bora mit seiner aktuellen Kampagne 1,2 Mrd Kontakte erreichen, unter anderem mit einer Fortsetzung seiner TV-Kampagne.

 

Weitere Meldungen auf INSIDE Küche gibt‘s zu der komplett neuen, nachhaltigen Gerätelinie, die Electrolux am Montag auf seiner Digitalveranstaltung Future Sustainable Kitchen in Aussicht gestellt hat, zum Geschäftsjahr 2020 beim Beschläge-Riesen Hettich, zu Zahlen von Samsung und zu Beckermann Küchen in Cappeln, wo man mit der Bestellung von zwei neuen Geschäftsführern perspektivisch die Nachfolge von Urgestein Bernard Lampe eingeleitet hat.

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