Ganz so strikt, wie es nach den Beschlüssen in der Nacht zu Dienstag aussah, scheinen die Länder die neuen Regeln für den Einzelhandel nicht zu festzulegen. Zumindest nicht alle. Nachdem Bayern am Dienstag bereits einen Sonderweg angekündigt hatte (ab dem 12.4. darf der Handel bis zu einer Inzidenz von 100 ohne Terminvereinbarung öffnen, bis 200 kann mit negativem Corona-Test Click&Meet genutzt werden), hatte das Saarland kurzerhand das ganze Bundesland zur Modellregion für Öffnungen mit Tests erklärt.
NRW hat am Freitag beschlossen, von der landesweiten auf eine regionale Strategie umzuschwenken. Dadurch dürfen beispielsweise die Läden in Münster (Inzidenz unter 100) geöffnet bleiben. Und - das ist neu: In Kommunen mit Inzidenzen über 100 gibt es ab dem 29.3. die Möglichkeit, „statt einer kompletten Rücknahme der Öffnungen die Inanspruchnahme der betroffenen Angebote strikt von einem tagesaktuellen Negativtest abhängig zu machen.“ Ein Bericht des Kölner Stadtanzeigers, laut dem NRW auch bei der Auswahl der Modellregionen für weitere Öffnungen nicht eben zimperlich vorgegangen sein soll und die Wahl neben dem Kreis Warendorf und Winterberg auf die Großstädte Köln und Aachen gefallen sei, wurde inzwischen von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dementiert. In Köln gilt ab Montag nur noch Click & Collect, die Stadt macht also zunächst offenbar von der Öffnungsmöglichkeit mit Tests keinen Gebrauch.
Der „Sieg“ von Möbel Rogg vorm baden-württembergischen VGH zog übrigens wie erwartet keine Öffnung von Möbelhäusern, sondern schärfere Regeln für Buchhandlungen nach sich.
In Berlin sollen die neuen Regeln am Sonntag veröffentlicht werden. Auch hier dürfen die Läden wohl für Kunden mit Negativtest offen bleiben. Zusätzlich werden FFP2-Masken beim Einkaufen Pflicht.