Es gibt viele Probleme bei der Beschaffung gerade, für alle Protagonisten entlang der Lieferkette. Den undankbarsten Job haben am Ende wohl die Händler, die ihren Kunden erklären müssen, weshalb das eine Produkt nur halb und das andere erstmal gar nicht kommt.
Kunststoff, Stahl, Holz, Schaum sind nur vier Beispiele für Rohstoffe, die wie an der Börse gehandelt werden. Dazu kommen die Probleme mit den Frachten und Containern mit Teilen und Ersatzteilen aus Asien, die seit Wochen nicht mehr ankommen.
Obwohl die Lockdowns im Handel in den Auftragsbüchern vieler Möbelhersteller tiefe Spuren hinterlassen haben, hat sich die Versorgungslage speziell auch bei Holzwerkstoffprodukten nicht entspannt. Eher im Gegenteil. Immer öfter hört man die Frage: „Wohin geht das ganze Zeug?“
Wir haben uns auf Spurensuche gemacht – am Beispiel Span. Und wir werden uns weiter auf Spurensuche machen. Für unser erstes INSIDE Spezial Zulieferindustrie im Jahr, das Ende April erscheint, und für INSIDE Küche haben wir eine interessante Runde zum Schmerzthema Lieferkette eingeladen. Eine große Video-Konfi ist angesetzt. Über die Probleme und Herausforderungen entlang der Lieferkette werden wir u.a. sprechen mit:
Elmar Duffner (CEO Vivonio)
Michael Egger jun. (Divisionsleiter Egger Decorative Mitte)
Thorsten Gösling, (Geschäftsführer Pronorm Küchen)
Dieter Hilpert (Inhaber Bega), Jens Hölper (Geschäftsführer Garant)
Uwe Kreidel (Geschäftsführer Hettich)
Stefan Möller (Geschäftsführer Häcker Küchen)
Ralf Priefer (Geschäftsführer Ninka)
Simone Scheuermann (Geschäftsführerin Küchen Keie)
Peter Schönhofen (Inhaber Kare)
Aber jetzt erstmal zu den Spanplatten. „Vielleicht ist die Spanplatte einfach das neue Klopapier.“ – Besonders neu ist diese Aussage von Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbands der Holzwerkstoffindustrie, nicht. Schon während der Herbstmessen wurde der Vergleich von Spanplatten mit dem pandemiebedingt gehorteten Hygieneprodukt zum geflügelten Wort. Neu ist er also, wie gesagt, nicht. Aber nach wie vor aktuell. Dass Strohmeyer den Vergleich vor mittlerweile einigen Tagen im „ZDF-Morgenmagazin“ gezogen hat – dort ging es um Rohstoffknappheit in verschiedenen Branchen –, ist allerdings schon ungewöhnlich und zeigt das Ausmaß der Verknappung.
„Man muss sich momentan in Demut als Kunde bewerben“, sagte ein großer Spanplatten- Abnehmer Ende März. Seit längerer Zeit gibt es im Bereich Span einen Angebotsmarkt. Heißt: Die wenigen meist größeren Hersteller, die sich in dem Segment tummeln, haben die Oberhand.
Die Preise steigen und steigen, was von der Holzwerkstoffindustrie ihrerseits natürlich auch mit höheren Rohstoffkosten begründet wird, und es werden teilweise Lieferzeiten von über 20 Wochen genannt. Gründe für die seit dem letzten Sommer herrschende Verknappung gibt es viele. Sie werden einem, wenn man sich durch den Markt telefoniert, auch mit viel Zeitaufwand aufgezählt. Und am Ende wird trotz allem nochmal die Frage aufgeworfen, wo „das ganze Zeug“ denn nur bleibt.
Ein paar Erklärungsansätze, die am Ende wohl zu folgendem Ergebnis führen: Es gibt eine Vielzahl von Gründen. Die Tatsache, dass alle Küchen- und Möbelhersteller seit Monaten am Horten sind, ist ein Grund von vielen. Die Umstellung in der Branche auf formaldehydreduzierte Platten hat im vergangenen Jahr über den Daumen gepeilt die Kapazität von einem ganzen Spanplattenwerk gekostet. Denn: Die Anlagen fahren langsamer und haben somit einen geringeren Ausstoß. Dasselbe gilt bei sehr niedrigen Temperaturen, die extreme Kälte in diesem Februar trug also auch ihren Teil bei. Das betrifft zwar vor allem Rohspanplatten, in der Folge aber natürlich auch veredelte Platten.
Als der Möbelhandel in vielen Ländern Europas im vergangenen Frühjahr überraschend schließen musste und die Aufträge in der Industrie einbrachen, stoppten auch einige Holzwerkstoffwerke die Produktion. Und ließen sie teils nicht schnell genug wieder anlaufen. Die eigenen Lagerbestände wurden leergefahren, der plötzlich einsetzende Möbel-Boom ließ den Bedarf weit über das für diese Jahreszeit übliche Niveau ansteigen. Auch als im Dezember die Geschäfte in Deutschland wieder schlossen, blieb die Nachfrage hoch. Denn die Industrie hatte, wie wir wissen, Auftragspolster bis ins neue Jahr hinein. Als schließlich der Bedarf zurückging, weil ab Februar weniger Aufträge bei der Möbelindustrie eingingen, wurden vereinbarte Kontingente dennoch abgenommen. Sicher ist schließlich sicher – denken sich nicht nur Toilettenpapier-Hamsterer.
Die mit einiger Verspätung angelaufene neue Spanplattenanlage im Sonae-Arauco-Werk Beeskow beliefert offenbar hauptsächlich Ikea-Produzenten und trägt wenig zu einer Entspannung der Lage bei. Weil die Situation in anderen Ländern wie Polen oder Frankreich nicht viel anders ist, bleibt Möbelbauern kaum die Möglichkeit, auf Importe auszuweichen.
Dem Vernehmen nach sollen aus Osteuropa auch größere Mengen in Richtung China gehen, wo analog zu anderen Vorprodukten noch höhere Preise gezahlt werden. Engpässe gibt es außerdem bei Dünnplatten für Rückwände oder Schubkästen. Daran soll unter anderem eine boomende Türenindustrie schuld sein.