„Es ist noch nicht so lange her, dass wir mit unserem Dormando-Shop als kleiner Händler im Markt wie viele andere Kollegen regelmäßig Abmahnungen wegen irgendwelcher Kleinigkeiten von Bett1 bekommen haben. Das kann einen kleinen Laden auch mal an den wirtschaftlichen Abgrund führen.“ Sagt Emma-Mitgründer Manuel Müller.
Müller hat seine eigene Geschichte mit Bett1 und Inhaber Adam Szpyt. Das haben viele im Matratzenmarkt. Und doch hatte sich das Bett1-Bild in den vergangenen Jahren eigentlich etwas gedreht. Zwar hatte Bett1 seltsam lange das StiWa-Testsieger-Label gebucht, was vielen stank, die wildesten Gerüchte befördert und zu dicken Schlagzeilen im Stern oder anderen Magazinen und Zeitungen geführt hat. Zwar machte Bett1 mit einer Geschäftsidee einen einst verkrusteten Markt nachhaltig so frisch, dass er heute ein anderer ist. Was viele Matratzen-Spezialisten bis heute den guten alten Zeiten mit unfassbaren Kalkulationen nachweinen lässt. Doch genau diese disruptive und gnadenlose Grundhaltung rechnen viele Unternehmer dem Berliner Szpyt auch irgendwie wieder an. Man hat Respekt vor der Leistung. Dazu kommt: Die Werbewelle von Bett1 hat in den Köpfen vieler Verbraucher das Verständnis für Matratzen und was sie kosten dürfen nachhaltig auf den Kopf gestellt. Der Markt hat sich grundlegend verändert.
Die Emma-Gründer Müller und Dr. Dennis Schmoltzi haben in diesem Umfeld seit der Gründung im Jahr 2013 eine bemerkenswerte Matratzen-Story hingelegt. „Wir wollen die weltweit führende Schlafmarke werden.“ Das sagte Gründer Schmoltzi zum ersten Mal öffentlich im INSIDE Spezial Neue Ideen zum Jahresstart. Und es klingt nicht wie ein Spruch, es klingt wie ein Plan.
Über 400 Mio Euro Umsatz im Jahr 2020, in bald mehr als 26 Ländern aktiv, online wie offline eine Hausnummer: Man muss sich schon schütteln, um diese Geschichte zu fassen. 2019, mit dem StiWa-Test-Sieg, gelang Emma die Wachablösung der Bett1-Parade-Matratze Bodyguard. 2020 legte Emma um 170 Prozent zu im Umsatz. Man möchte meinen, die Fronten sind geklärt. Zwar warb Bett1 erstmal weiter mit dem Slogan: „Die beste jemals getestete Matratze.“ Mittlerweile lautet der Slogan: „Deutschlands meistgekaufte Matratze.“ Doch in der Bekanntheit beim Verbraucher schenken sich die Emma One und die Bodyguard wohl nicht mehr viel. So oder so: Bett1 und Emma sind natürlich harte Wettbewerber. Es gibt immer wieder Stress um Werbeaussagen. Von Emma-Seite gab es aber auch den Versuch, die Auseinandersetzung um Werbeaussagen auf ein anderes Terrain zu bringen, den juristischen Weg zu vermeiden, heißt es bei Emma in Frankfurt. „Aber es gab kein spürbares Einlenken von Bett1“, so Müller.
Müller und Schmoltzi haben sich nun entschieden, den neuen StiWa-Test, der Ende Februar erschienen ist und die Emma One und die Dunlopillo Elements wieder zum Testsieger machte, mal so richtig offensiv einzusetzen – in der Bild. Fette Anzeige vor knapp zwei Wochen mit dem Text: „Jetzt ist es raus: Emma® One Matratze besser als Bodyguard von Bett1.“ Im Kleingedruckten stand der durchaus streitbare Absatz: „Nach dem aktuellen Test der Stiftung Warentest ist die Bodyguard Matratze von Bett1, die seit 2015 getestet worden ist (ca. 90 bis ca. 200 cm, H3), nur noch Mittelmaß. Sie kam lediglich noch auf die Note ‚befriedigend (2,6)‘. Die Bewertung der Bodyguard, vermeintlich ‚Deutschlands meistgekaufte Matratze‘, nimmt Emma zum Anlass, Kunden von Bett1 ein besonderes Angebot zu machen – getreu der Devise ‚Klasse statt Masse‘: Alle Kunden von Bett1, die ihre Bodyguard innerhalb der 100 Nächte Probe schlafen zurückschicken wollen*, erhalten beim Kauf einer Emma One 30 Prozent Rabatt (ab nur 139,30 Euro statt ab 199 EUR). Jetzt auf www. emma1.de.“ Vergleichende Werbung? Oder Frechheit?
War jüngst etwas vorgefallen, Herr Müller, oder weshalb holen Sie so aus? Müller: „Nein, es gab mit Bett1 keine spezielle Auseinandersetzung in der jüngeren Vergangenheit. Der Anlass für die Kampagne war das neue Testergebnis. Uns ist es wichtig, nach der ganzen Werbung zur ‚besten jemals getesteten Matratze‘ nun endlich mit einem mittlerweile schief gewordenen Bild in den Köpfen vieler Verbraucher aufzuräumen. Wir wollen Kante zeigen, das muss jetzt mal sein.“ Über den Stil kann man streiten. Mit Adam Szpyt leider nicht. Bett1-Macher Szpyt wollte sich zum Fall nicht äußern gegenüber INSIDE.
Derweil hatten seine Anwälte bereits eine 21 Seiten dicke Abmahnung an Emma geschickt, die von der Emma-Führung nicht unterschrieben wurde, dafür aber zu einer neuen Anzeige, dieses Mal in der Bild am Sonntag, geführt hat. Text: „Bett1-Anwälte drohen Matratzen-Testsieger Emma.“
Der Streit wird nun vor Gericht gehen, so sieht es aus. Müller: „Wir gehen dem Konflikt nicht aus dem Weg.“ Zudem haben die Emma-Strategen offenbar weiterführende Kampagnen-Pläne. „Wir wollen Dynamik reinbringen, diese Dauerbeschallung von Bett1 mit weitgehend nicht mehr aktuellen Testergebnissen durchbrechen“, sagt Müller. Die Kampagne geht also weiter, wohl auch in anderen Medien. Müller: „Wir können uns durchaus vorstellen, diese Aufklärungs-Kampagne sehr breit in verschiedenen Kanälen auszurollen.“