Vor dem Treffen hat Rainer Wagner gegoogelt. Der Reporter hatte ja gesagt, er sei auf der Suche nach Pionieren im Möbelmarkt. Und er wolle sich da gerne mal unterhalten. Rainer Wagner ist schließlich nicht nur Unternehmer, er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften. Industrie 4.0 ist eines der großen Themen von Rainer Wagner, schon zu Zeiten, als der Begriff nicht wirklich bekannt war.
Topstar, seit vielen Jahren geführt von den Brüdern Rainer und Peter Wagner, ist zudem bekanntlich einer der wandelbarsten der Branche – mitten im schönen Schwabenländle. Topstar ist Drehstuhlspezialist, ist als solcher groß geworden, hat zig Häutungen mitgemacht, war mittendrin im Discount, hat ihn aber auf dem wiederentdeckten Made-in-Germany-Pfad der letzten Jahre längst hinter sich gelassen. Mit Wagner Living hat vor allem Peter Wagner eine Premiummarke in den Markt gesetzt, die sich als ganzheitlicher Objektspezialist längst etabliert hat. Aus dem Topstar-Werk kommen jeden Tag trotzdem 4.000 bis 5.000 Stühle. Wie ein Spagat vom Volumenhersteller zum Innovator aussehen kann – hier in Langenneufnach macht ihn einer vor.
Zurück zu den Pionieren. Rainer Wagner hat nicht viel dazu gefunden im Netz. Pioniere im Möbelmarkt? Einer der Treffer auf der ersten Seite: Rolf Benz. Viel mehr kommt da nicht im Netz. Dafür kommt hier im Gespräch mit Peter und Rainer Wagner und ihrem Geschäftsführer Thorsten Reimer so viel mehr herum. Die drei arbeiten mit ihrem Team an vielen Themen, von der KI-basierten Auftragserfassung bis zum 3D-Druck, vom konsequenten Einsatz von Recyclingmaterialien bis zum Ehrgeiz, sich im Digital-Vertrieb so fit zu machen, dass sie hier genügend Tools an der Hand haben, mit denen sie dann die Webshops der eigenen Handelskunden befeuern können. Rainer Wagner: „Wer ist unser Kunde? Der Endkunde, das ist doch klar. Der Handel muss zulassen, dass wir in der Industrie so denken. Deshalb verkaufen wir nicht direkt, wir verstehen nur, wie der tickt, der die Produkte am Ende kaufen soll. Nur so entstehen echte Partnerschaften zwischen Handel und Industrie in Zukunft.“
KI ist hier in Langenneufnach kein Nerv-Wort, KI fließt ein, teilweise recht unspektakulär. Rainer Wagner sagt: „Was ist KI? Zu 80 Prozent Statistik. Aber die restlichen 20 Prozent, die machen das Thema so richtig groß.“ KI im Vertrieb ist hier ein Thema, um die Kunden im Handel zu unterstützen.