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Spezial Neue Ideen:

Ein Besuch in Langenneufnach bei Topstar/Wagner

Rucksack statt Rollkoffer

In einem auch in Langenneufnach schwierigen Jahr 2023 haben Prof. Dr. Rainer Wagner und sein Bruder Peter Wagner das Unternehmen einmal komplett auf links gedreht, sich aus unrentablen Geschäften verabschiedet, die Lieferkette gestrafft, die Führung umgebaut und sind im Januar dann in Köln mit einem Hocker von Hadi Teherani aus dem 3D Drucker auf der IMM gestanden – auf einem Messestand, gebaut aus einem selbstentworfenen Stecksystem mit Leichtbauplatten, aus dem man mit Pappe oder Alu oder sonstigen Leichtbaurecyclingmaterialien Möbel, ganze Wohnzimmer oder Offices bauen kann. Der Verbinder ist patentiert. So geht Innovation. Ein Besuch in Langenneufnach.

07.05.2024 | 8:20

Immer weiter in die Zukunft in Langenneufnach: Prof. Rainer Wagner, Peter Wagner, Thorsten Reimer

Bertolt Brecht als Antrieb: Prof. Dr. Rainer Wagner

    Vor dem Treffen hat Rainer Wagner gegoogelt. Der Reporter hatte ja gesagt, er sei auf der Suche nach Pionieren im Möbelmarkt. Und er wolle sich da gerne mal unterhalten. Rainer Wagner ist schließlich nicht nur Unternehmer, er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften. Industrie 4.0 ist eines der großen Themen von Rainer Wagner, schon zu Zeiten, als der Begriff nicht wirklich bekannt war.

    Topstar, seit vielen Jahren geführt von den Brüdern Rainer und Peter Wagner, ist zudem bekanntlich einer der wandelbarsten der Branche – mitten im schönen Schwabenländle. Topstar ist Drehstuhlspezialist, ist als solcher groß geworden, hat zig Häutungen mitgemacht, war mittendrin im Discount, hat ihn aber auf dem wiederentdeckten Made-in-Germany-Pfad der letzten Jahre längst hinter sich gelassen. Mit Wagner Living hat vor allem Peter Wagner eine Premiummarke in den Markt gesetzt, die sich als ganzheitlicher Objektspezialist längst etabliert hat. Aus dem Topstar-Werk kommen jeden Tag trotzdem 4.000 bis 5.000 Stühle. Wie ein Spagat vom Volumenhersteller zum Innovator aussehen kann – hier in Langenneufnach macht ihn einer vor.

    Zurück zu den Pionieren. Rainer Wagner hat nicht viel dazu gefunden im Netz. Pioniere im Möbelmarkt? Einer der Treffer auf der ersten Seite: Rolf Benz. Viel mehr kommt da nicht im Netz. Dafür kommt hier im Gespräch mit Peter und Rainer Wagner und ihrem Geschäftsführer Thorsten Reimer so viel mehr herum. Die drei arbeiten mit ihrem Team an vielen Themen, von der KI-basierten Auftragserfassung bis zum 3D-Druck, vom konsequenten Einsatz von Recyclingmaterialien bis zum Ehrgeiz, sich im Digital-Vertrieb so fit zu machen, dass sie hier genügend Tools an der Hand haben, mit denen sie dann die Webshops der eigenen Handelskunden befeuern können. Rainer Wagner: „Wer ist unser Kunde? Der Endkunde, das ist doch klar. Der Handel muss zulassen, dass wir in der Industrie so denken. Deshalb verkaufen wir nicht direkt, wir verstehen nur, wie der tickt, der die Produkte am Ende kaufen soll. Nur so entstehen echte Partnerschaften zwischen Handel und Industrie in Zukunft.“

    KI ist hier in Langenneufnach kein Nerv-Wort, KI fließt ein, teilweise recht unspektakulär. Rainer Wagner sagt: „Was ist KI? Zu 80 Prozent Statistik. Aber die restlichen 20 Prozent, die machen das Thema so richtig groß.“ KI im Vertrieb ist hier ein Thema, um die Kunden im Handel zu unterstützen.

    Dezentralisierung und Individualisierung

    Irgendwie war das – bei allen wirtschaftlichen Höhen und Tiefen – in Langenneufnach schon immer so. Wagners haben schon über alternative Verpackung nachgedacht, da war das im Handel noch kein Thema. Sie waren ganz früh dran mit TV-Werbung. Sie haben die Vertriebswege von Topstar/Wagner so diversifiziert, dass es zumindest in einem fast immer laufen muss. Mit Peter Wagner sitzt ein phantasievoller Kreativer am Hebel, der immer mit einer neuen Idee um die Ecke kommt, der zum Beispiel 2019 aus dem alten Elternhaus neben dem Topstar-Verwaltungsgebäude ein Wagner Design Lab gemacht hat, einen beeindruckend coolen Cube, einen Neubau, der 2020 den German Design Award bekommen hat.

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    3D-Druck und ganz viel Leichtbau: Peter Wagner in seinem Design Lab in seinem Element

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      07.05. 2024

      Immer weiter in die Zukunft in Langenneufnach: Prof. Rainer Wagner, Peter Wagner, Thorsten Reimer

      Bertolt Brecht als Antrieb: Prof. Dr. Rainer Wagner

        Vor dem Treffen hat Rainer Wagner gegoogelt. Der Reporter hatte ja gesagt, er sei auf der Suche nach Pionieren im Möbelmarkt. Und er wolle sich da gerne mal unterhalten. Rainer Wagner ist schließlich nicht nur Unternehmer, er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften. Industrie 4.0 ist eines der großen Themen von Rainer Wagner, schon zu Zeiten, als der Begriff nicht wirklich bekannt war.

        Topstar, seit vielen Jahren geführt von den Brüdern Rainer und Peter Wagner, ist zudem bekanntlich einer der wandelbarsten der Branche – mitten im schönen Schwabenländle. Topstar ist Drehstuhlspezialist, ist als solcher groß geworden, hat zig Häutungen mitgemacht, war mittendrin im Discount, hat ihn aber auf dem wiederentdeckten Made-in-Germany-Pfad der letzten Jahre längst hinter sich gelassen. Mit Wagner Living hat vor allem Peter Wagner eine Premiummarke in den Markt gesetzt, die sich als ganzheitlicher Objektspezialist längst etabliert hat. Aus dem Topstar-Werk kommen jeden Tag trotzdem 4.000 bis 5.000 Stühle. Wie ein Spagat vom Volumenhersteller zum Innovator aussehen kann – hier in Langenneufnach macht ihn einer vor.

        Zurück zu den Pionieren. Rainer Wagner hat nicht viel dazu gefunden im Netz. Pioniere im Möbelmarkt? Einer der Treffer auf der ersten Seite: Rolf Benz. Viel mehr kommt da nicht im Netz. Dafür kommt hier im Gespräch mit Peter und Rainer Wagner und ihrem Geschäftsführer Thorsten Reimer so viel mehr herum. Die drei arbeiten mit ihrem Team an vielen Themen, von der KI-basierten Auftragserfassung bis zum 3D-Druck, vom konsequenten Einsatz von Recyclingmaterialien bis zum Ehrgeiz, sich im Digital-Vertrieb so fit zu machen, dass sie hier genügend Tools an der Hand haben, mit denen sie dann die Webshops der eigenen Handelskunden befeuern können. Rainer Wagner: „Wer ist unser Kunde? Der Endkunde, das ist doch klar. Der Handel muss zulassen, dass wir in der Industrie so denken. Deshalb verkaufen wir nicht direkt, wir verstehen nur, wie der tickt, der die Produkte am Ende kaufen soll. Nur so entstehen echte Partnerschaften zwischen Handel und Industrie in Zukunft.“

        KI ist hier in Langenneufnach kein Nerv-Wort, KI fließt ein, teilweise recht unspektakulär. Rainer Wagner sagt: „Was ist KI? Zu 80 Prozent Statistik. Aber die restlichen 20 Prozent, die machen das Thema so richtig groß.“ KI im Vertrieb ist hier ein Thema, um die Kunden im Handel zu unterstützen.

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        Irgendwie war das – bei allen wirtschaftlichen Höhen und Tiefen – in Langenneufnach schon immer so. Wagners haben schon über alternative Verpackung nachgedacht, da war das im Handel noch kein Thema. Sie waren ganz früh dran mit TV-Werbung. Sie haben die Vertriebswege von Topstar/Wagner so diversifiziert, dass es zumindest in einem fast immer laufen muss. Mit Peter Wagner sitzt ein phantasievoller Kreativer am Hebel, der immer mit einer neuen Idee um die Ecke kommt, der zum Beispiel 2019 aus dem alten Elternhaus neben dem Topstar-Verwaltungsgebäude ein Wagner Design Lab gemacht hat, einen beeindruckend coolen Cube, einen Neubau, der 2020 den German Design Award bekommen hat.

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