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Im Programm der Grünen

Briefkastenwerbung im Visier

27.10.2021 | 13:24

Noch wird diskutiert und verhandelt und noch weit ist der Weg bis zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen. Klar ist aber: Mit der Bundestagswahl 2021, bei der neben der FDP auch die Grünen enormen Einfluss erhalten haben, könnte sich viel ändern – auch für den Möbelhandel. Ein Beispiel ist da die Frage, ob Prospektwerbung, wie sie längst für viele Großflächenanbieter wie auch Verbraucher zur Gewohnheit geworden ist, künftig so noch möglich sein wird.

 

Zumindest in ihrem Wahlprogramm machen die Grünen eine klare Ansage: „Unser Ziel ist Zero Waste. Es soll kein Müll mehr verursacht und die Ressourcenverschwendung gestoppt werden. Das kann nur passieren, wenn Hersteller*innen und Müllversursachende stärker in die Verantwortung genommen werden und das Konzept der Kreislaufwirtschaft ganzheitlich bei Design, Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Produkten berücksichtigt wird. Unerwünschte, oft sogar noch in Plastikfolie eingepackte Werbung gehört nicht in unseren Briefkasten.“

 


Wie das ARD-Format Plusminus in der Sendung vom 13. Oktober berichtet hat, müssen dafür allerdings noch die rechtlichen Grundlagen vom Bundesjustizministerium geschaffen werden. Das antwortete auf eine Anfrage von Plusminus: „Über die Schaffung einer gesetzlichen Regelung muss politisch in der kommenden Legislaturperiode entschieden werden. Mögliche Regelungsoptionen werden derzeit geprüft.“

 


Nicht ausgeschlossen also, dass sich etwas tut. Die Zahlen, die Plusminus genannt hat und die als Argument dienen für eine Neuregelung der Briefkastenwerbung, machen die Größe des Problems deutlich. 44 Kilo Werbung landen jährlich im Durchschnitt bei jeder deutschen Familie, 42 Mrd Liter Wasser und 4,3 Mrd kWh Strom werden dafür eingesetzt, 1,1 Mio Bäume abgeholzt. Und die Prospekte können auch nur begrenzt oft recycelt werden. Dr. Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien e. V., hält die Zahlen, die hauptsächlich von der Deutschen Umwelthilfe stammen, für viel zu hoch und mahnt, dass mit der Reduzierung der Prospektwerbung viele Arbeitsplätze gefährdet seien. Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, betont dagegen, dass laut einer repräsentativen Umfrage rund drei Viertel der Werbepost gar nicht erwünscht ist und im Mülleimer landet. „Das sind unglaubliche Mengen, über die wir reden. Und das meiste völlig nutzlos.“

 


Nun, dass sie nutzlos ist, die Briefkastenwerbung, stimmt wohl nicht so ganz, zumindest nicht aus Sicht vieler Werbetreibender. Der Effekt, das kann einem jeder Großflächenmöbelanbieter erzählen, ist real spürbar – bei der Kundenfrequenz und beim Umsatz. Online-Werbung ist für viele kein Ersatz. Das wird als Argument aber wohl nicht reichen, wenn die Grünen möglicherweise ein holländisches System einführen wollen, nachdem nur derjenige Werbung erhält, der sie ausdrücklich wünscht. Am Ende läuft es wohl darauf hinaus, dass noch mehr Werbung als Beileger in Zeitungen erscheint als bisher schon.

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