Strategiewechsel in Waldkirchen
Wimmer stellt sein Vertriebskonzept um
Deutlich digitaler getrieben, deutlich unabhängiger, deutlich mehr Marge für stationäre Händler – Gerhard Wimmer geht aufs Ganze
Gerhard Wimmer, Geschäftsführer und Inhaber der Wimmer Wohnkollektionen, baut seinen Laden um. Bis Ende 2022 soll alles abgeschlossen sein. Schon seit Monaten laufen die Gespräche, mit kleinen und großen Kunden. Gerade vor allem mit den ganz großen Einheiten im Handel. Wimmer will’s in Zukunft anders machen. Ziel? „Ruhe im Vertrieb. Raus aus den Preisschlachten. Ein verlässlicher Partner für unsere Händler, aber auf einer neuen Basis“, sagt Wimmer.
Wimmer und sein Kompagnon und Neffe Stefan Thür machen ja oft ihr Ding. Sie setzen Start-ups in den Markt, starteten unter anderem vor Jahren den Sofa-Shop Kautsch.com (INSIDE 1066). Sie gehen schon lange nicht mehr auf Verbandsmessen. Sie haben sich von der M.O.W. verabschiedet – und komplett auf die IMM konzentriert.
Aber von vorne. Wimmer verkauft als Online-Händler Sessel und Sofas übers Internet, doch seine Wimmer Wohnkollektionen gibt es ausschließlich bei stationären Partnern. „Wir arbeiten mit keinem einzigen Online-Shop zusammen“, sagt Wimmer. Als dann der Lockdown das Land im Griff hatte und die stationären Läden geschlossen waren, häuften sich die Anrufe der Endverbraucher in Waldkirchen. Welche Varianten es von dem einen oder anderen Tisch gebe, fragten die Anrufer. Und klar, das Wichtigste: Wie viel der Tisch denn kosten würde? Nur die Antwort blieb Wimmer den potenziellen Kunden schuldig.
Der Preis, klar, ist Sache des Handels. Doch einen unverbindlichen Verkaufspreis, den hätten Wimmer und Thür schon gerne durchgeben wollen. Im Marktsegment, in dem Wimmer sich bewegt, sind UVPs aber bekanntlich alles andere als gelebte Praxis. Das nervt die Niederbayern. Wimmer sagt es so: „Die Kunden kommen sich doch veräppelt vor, wenn wir nicht wissen, wie viel unser Tisch kostet.“ Nach einigen Gesprächen mit Partnern im Handel gab die Wimmer-Mannschaft den Anrufern den Preis dann manchmal vorerst mündlich, per Telefon, durch. Heute geht man die Sache schon offensiver an. Der UVP steht bei jedem Wimmer- Wohnkollektionen-Produkt auf der Website.
Noch ist Wimmer trotzdem vielfach verbandsgelistet. Insgesamt beliefert der niederbayerische Massivholz-Spezialist 1.100 Händler. Diese Zahl soll bis Ende 2022 gewaltig eingedampft werden: auf 500 Kunden wollen die Wimmers runter. Wimmer ist dazu mit allen Beteiligten im Gespräch. Gut möglich, dass es hier und da auch mal knallt. „Die Zukunft der Wimmer Wohnkollektionen sind Exklusiv-Studios“, sagt Wimmer. „Wir wollen mit Häusern zusammenarbeiten, die uns gut in Szene setzen.“ Vom Einrichtungsstudio Gupfinger im oberösterreichischen Schärding schwärmt Wimmer. Oder vom Begros-Haus Rogg in Balingen, welches in seinen Augen ein großer Fachhändler sei. Am Ende zählt: „Alles, was der Endkunde will, soll er auch bekommen.“
Und was will der Endkunde? Eine exzellente Beratung. Er will immer öfter wissen, wo die Möbel herkommen. Und auch die Markenbekanntheit der Hersteller ist für manche ein ausschlaggebender Grund zum Kauf. Das weiß natürlich auch Wimmer und baut mit der hauseigenen Marketing-Agentur die eigene Marke weiter auf. Instagram, Pinterest, das volle Programm. Ein eigenes Foto-Studio am Stammsitz, das auch mal für Live-Streaming- Events zum TV-Studio umgewandelt werden kann, schadet dabei nicht.
Die Wimmer-Macher wissen selbstverständlich auch, dass der Kunde gerne im Netz shoppt. Seit Mai steht deshalb auch für die neue Kollektion namens 18Hundert ein eigener Online-Shop im Netz. Wimmer bietet Beratungstermine an, über Furnplan können Endverbraucher den Tisch konfigurieren und über den Shop dann auch kaufen. Ausgeliefert werden die Möbel dann über den stationären Händler, der am nächsten beim Kunden sitzt. Premium-Hersteller leben dieses Geotagging-Prinzip in der Onlinewelt schon lange. Wimmer will aber auch gleich betonen: „Wir steigen nicht ins Endkundengeschäft ein.“ Gut 180 Händler sind beim Testlauf der 18Hundert-Kollektion, der vorerst bis Ende Mai 2022 ausgelegt ist, dabei. Und Wimmer sammelt so fleißig Daten im großen Stil. 30.000 Adressen stehen bereits auf der Wimmer- Mailing-Liste. Tendenz steigend.
Dass durch die Veränderung der Umsatz nach unten rauscht, damit rechnet der bayerische Paradeunternehmer Wimmer nicht. „Im Gegenteil. Wir garantieren unseren Partnern eine gute Marge, wir stärken unsere Marke, wir sorgen für Transparenz und ein fairen Umgang miteinander. Das ist heute ausschlaggebend“, so der Wimmer-Chef. In Köln planen die Wimmers wieder mit einem Stand in Halle 10.2. Dort wird viel zu besprechen sein. Eine erste Bilanz wird danach gezogen.