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„Think big, act small“

Ein Blick auf den Furniture Day 2022

20.05.2022 | 15:52

An diesem Donnerstag hat die European Furniture Industries Confederation (EFIC) in Brüssel im Hotel Le Louise und virtuell den hybriden „Furniture Day 2022“ veranstaltet, an dem viele Vertreter der Mitgliedverbände teilnahmen. Nach einer Nachhaltigkeits-Konferenz im Jahr 2017 war dies die erste Veranstaltung der EFIC. Der Verband hatte zudem 2020 ein Webinar zum Thema angeboten. Insgesamt 18 Speaker waren jetzt auf den verschiedenen Podien dabei, darunter VDM-Präsident Elmar Duffner und Maria Porro vom italienischen Assarredo. Auch Blum-Boss Andre Dorner und Swiss-Krono-CEO waren nach Brüssel gekommen.

 

An diesem Donnerstag waren Nachhaltigkeit, der Green Deal der EU und der Weg dahin die Themen. Bei dem hybriden Event, das in Brüssel und virtuell stattfand, zeigte sich, dass es noch einige Aufgaben gibt, die Politik und Wirtschaft lösen müssen. Benötigt würden einheitliche Regeln, die in allen Staaten angewendet werden können und ein digitaler Produktdaten-Pass, merkten mehrere Diskussionsteilnehmer an.

 

Bei dem hybriden Event, das in Brüssel und virtuell stattfand, zeigte sich, dass es noch einige Aufgaben gibt, die Politik und Wirtschaft lösen müssen. Da Europa gerne Politik nach Quote macht, warnten mehrere Diskussionsteilnehmer davor, dass Vorgaben zum Mindestanteil recycelter Materialien auch ungewünschte Effekte haben können. Denn bestimmte Materialien sind klimaneutral – aber nicht recycelt. 

 

Dass Kreislaufwirtschaft ein extrem wichtiges Thema ist, brachte Kees Hoogendijk, Chef der niederländischen Branchevereniging voor Interieurbouw & Meubelindustrie (CBM), so auf den Punkt: „Wenn Sie nicht kreislaufmäßig handeln, ist Ihre Firma in Gefahr.“ Die Holländer arbeiten als Verband an verschiedenen Nachhaltigkeitsprojekten, haben mit Matras Recycling Nederland und Wood Loop je ein Programm für MDF- und Spanplattenrecycling – und sind dabei auf einige Widerstände gestoßen. Es klingt absurd, aber der Verband mussten mit Politikern und Recyclingindustrie erst einmal darüber streiten, ob sie die bei der eigenen Herstellung anfallenden Stoffe wiederverwenden können. Hoogendijk: „Man hat uns ‚Müll-Transporte‘ untersagt. Dabei geht es um zirkuläre Rohstoffe.“ Inzwischen fahren die Niederländer nun Span- oder MDF-Platten in genormten Behältnissen zur gemeinsamen Wiederverwendung der Materialien im Wood-Loop-Projekt. Die Betriebe sammeln so lange MDF oder Spanplatten, bis ihre Box (1 qm Fassungsvermögen, Europaletten-Maß) gefüllt ist. Dann informieren sie den Verwerter durch bloßes Scannen eines QR Codes – ab geht es in die Wiederverwertung. Die Lösung sei einfach und auch für sehr kleine Betriebe gut umsetzbar. Seit Anfang des Jahres müssen Hersteller und Importeure von Matratzen in den Niederlanden einen Abfallwirtschaftsbeitrag zahlen, ein landesweites Recycling für Matratzen entsteht gerade. Generell gelte: „Think big, act small“, so der Niederländer. 

 

Auch die Kollegen aus Frankreich merkten an, dass alleine das Sammeln von Materialien für eine Wiederverwendung nicht umsonst zu haben ist. Etwa 200 bis 250 Mio Euro jährliche Kosten kämen auf die Industrie zu, sagte Cathy Dufour, Geschäftsführerin von l'Ameublement Français, bei denen 400 Branchenfirmen organisiert sind. Dufour schlug vor, dass die Verwendung von Spanplatten durch eine Art Rückvergütung für die Hersteller belohnt werden könnte. Sie betonte aber auch, dass dies administrativ nicht einfach, sondern „eine bürokratische Last“. Deshalb müsse eine gut durchdachte digitale Lösung für einen Produktpass her. Da in Frankreich bereits neue Vorschriften in Kraft träten, bestehe die Gefahr, dass die französische Möbelindustrie in zwei bis drei Jahren sich dann auf neue, eben EU-weite, Regeln einstellen müssten.

 

Robin Ljungar, Environmental Manager beim schwedischen Verband Trä- och Möbelföretagen (TMF), wies darauf hin, dass besonders die kleinen und mittelständischen Betriebe unterstützt werden müsse: „Ein digitaler Produkt-Pass ist für KMUs unmöglich umzusetzen – und für die meisten Konzerne nahezu unmöglich.“ Klingt zugespitzt. Aber wenn man sich daran erinnert, dass Ikea seinen Circular Product Design Guide 2019 veröffentlichte, und nach eigenen Angaben bis 2030 Zeit benötigt, um die Produkte im eigenen Sortiment kreislaufwirtschaftsfähig zu machen, ahnt man die Größe der Aufgabe. Und auch Ikea selbst betonte nach dem Test von 9.500 Produkten auf der EFIC-Website für Best Practices: „Es gibt kein Patentrezept für die zirkuläre Produktentwicklung. Viele schwer trennbare Materialien behindern Kreisläufe. Eine standardisierte Ausstattung und Ersatzteilverfügbarkeit ist erforderlich. Die Lebensdauer muss von Beginn des Designprozesses an bestimmt werden.“ An die Gesetzgeber gewandt, sagte Ljungar, man solle vermeiden, der Industrie vorzuschreiben, was sie einsetze. „Wir brauchen eine Technologie-Neutralität.“ Nur so könne auch gewährleistet sein, dass eine wirklich gute Lösung gefunden und implementiert werden könnte.

 

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