Zum Hauptinhalt springen

 

 

 

Noch mehr Häuser, noch mehr Länder

Ikeas Expansionspläne

28.02.2022 | 11:42

Von der Schweiz bis Südamerika: Ikea will in den nächsten zehn Jahren stark expandieren.

 

Man sei gerade in der Investitionsphase, probiere neue Formate aus und investiere vor allem in die bestehenden Einrichtungshäuser, sagte Ikea-CEO Jesper Brodin kürzlich dem NZZ Magazin. Das ist ein wenig Understatement für die Betongold-Handels-Strategie: Allein in der Schweiz sollen schon bald zwei neue Filialen das Netz erweitern: ein 23.000 qm großes Einrichtungshaus in Riddes im Kanton Wallis, das im Herbst 2023 eröffnen soll, und in diesem Herbst ein kleineres Planungsstudio in Chur.

 

 

Mit dem Großvorhaben in Riddes wird dann der zehnte große Ikea der Schweiz eröffnet, während auch die kleineren Formate weiter ausgebaut werden. So viel Ausbau in der kleinen Schweiz  – eine Reaktion auf XXXLutz, die in diesem Jahr mit dem Lipo-Kauf ihre Expansion bei den Eidgenossen weiter vorangetrieben haben? Das wollten die Schweizer Journalisten vom skibegeisterten Schweden wissen. Auch da gibt sich Brodin gelassen. Die Konkurrenz sei zwar sehr stark, aber Ikeas Pläne seien keine Reaktion darauf. „Wie auf der ganzen Welt suchen wir auch hier nach Orten, an denen es für die Leute bisher schwierig war, ein Ikea-Geschäft zu erreichen“, so Brodin. Neben Bergregionen wie dem Wallis – wo man durch eine solche Eröffnung, so Brodin, vor allem auch die Bedürfnisse der Besitzer von Ferienwohnungen besser kennenlernen könne – machen sich die Schweden auch in Südamerika auf die Suche nach entsprechenden Gelegenheiten.

 

 

In der zweiten Jahreshälfte werden die beiden ersten Ikea-Häuserin Chile eröffnen, im ersten Halbjahr 2023 folgt dann der erste Ikea im kolumbianischen Calima. Innerhalb von zehn Jahren sollen in Südamerika insgesamt neun Ikeas entstehen, in Chile, Kolumbien sowie in Peru. Dazu hat man einen Franchisepartner mit großer Erfahrung im Einzelhandel auf dem Subkontinent ausgewählt, die Falabella-Gruppe. Etwa 600 Mio US-Dollar sollen insgesamt in dieses Projekt investiert werden, inklusive eines Onlineangebots für die drei Länder, hieß es bereits 2018.

 

 

Falabella hatte bis 2020 auch eigene Möbelgeschäfte seiner Marke Homy betrieben, diese aber wohl aufgrund des Deals geschlossen. Umsätze und Gewinne weist Falabella in Chilenischen Pesos aus, was manchmal die Vergleichbarkeit mit anderen Handelskonzernen etwas erschwert. Beispielhaft fürs Jahr 2018 ein Vergleich der 100 größten Einzelhandelsunternehmen weltweit: Auf US-Dollar-Basis lag Otto mit 12,03 Mrd Umsatz und 206 Mio Nachsteuergewinn auf Platz 85, Falabella mit rund 11,55 Mrd Umsatz und einem Nachsteuergewinn von 846 Mio auf Platz 91. Im gleichen Betrachtungszeitraum erreichte Ikea in dem Ranking Platz 25, bei Umsätzen von 41,47 Mrd Dollar und einem Nachsteuergewinn von mehr als 1,76 Mrd Dollar. Im ersten Quartal 2021 erlöste Falabella bei Umsätzen von 2,48 Mrd US-Dollar Gewinne von 137,3 Mio Dollar – gegenüber dem ersten Pandemie-Quartal 2020 schnellten die Gewinne um mehr als 713 Prozent in die Höhe.

 

Handel können sie bei Falabella offenbar ganz gut: Erst im Dezember hatte der chilenische Handelsgigant in der  Hauptstadt Santiago de Chile das topmoderne Einkaufszentrum Falabella Parque Arauco eröffnet. In der 25.000 qm großen Shopping Mall sind zahlreiche digitale Touchpoints installiert. Damit hat Ikea, das bekanntlich digitaler werden will, in Südamerika einen Partner, der auch in dieser Hinsicht erfahren ist. Ursprünglich sollten die ersten Ikeas in Chile bereits 2021 ans Netz gehen – die Pandemie hat den Plan ein wenig nach hinten verschoben. Als erste zwei Standorte hatten die beiden Partner im Jahr 2019 die 2015 in Santiagos Stadtteil Las Condes eröffnete und mit 80 Prozent der vorgesehenen Händler (unter anderem auch H&M) belegte Open Plaza Kennedy und die Mallplaza Oeste, ebenfalls in Santiago, benannt. Für 2022 stehen bei Falabella 135 Mio US-Dollar im Investmentplan, die für verschiedene Einkaufszentren in südamerikanischen Ländern vorgesehen sind. In dieser Teilsumme aller Investitionen sind auch die genannten Ikeas mit enthalten. Falabella nennt in Bezug auf seine Ikea-Investments in den jeweiligen Investorenmitteilungen keine konkreten Einzelsummen. Auch die Digitalplattform Ikea.cl wird Falabella verantworten. In den letzten Jahren hat der Konzern aus Südamerika stets hohe Summen in alle Unternehmensbereiche investiert: Stationär-Geschäft, Online, Logistik, Zukauf oder Abstoßen von Handelsunternehmungen, Kooperationen, Auf- und Ausbau von eigenen Kundenbindungssystemen und Bank- und Kreditkartengeschäft.

 

Auch wenn Ikea jede Menge Spielgeld zur Verfügung hat: Brodin will genau schauen, wo er investiert. „Jedes unserer Formate – ob Laden, App oder Abholstation – ist eine singuläre Einheit. Sind sie nicht profitabel, investieren wir nicht“, sagte er dem NZZ Magazin. Selbstredend wird nur eigenes Kapital investiert. Und bei der Wahl der Partner hat man sich in Bezug auf Südamerika offenbar auch genau angeschaut, mit wem man da langfristig zusammengeht.

 

Login

Hier zum Newsletter anmelden: