Zufall oder nicht, es ist schon irgendwie auffallend. Hochwert-Küchen-Hersteller sind präsenter in den großen Zeitungsblättern dieses Landes, als man es sonst gewohnt ist. Gerade kam Leicht-Küchen-Boss Stefan Waldenmaier in der FAZ zu Wort – im Rahmen eines Unternehmensporträts im Wirtschaftsteil. Jetzt hat auch Bulthaup einen großen Auftritt. Die Süddeutsche Zeitung druckte an diesem Donnerstag ein Interview mit Firmenboss Marc Eckert ab. Überschrift: „Luxus wird gerade ersetzt durch ein neues Ideal“. Die Frage, was denn dieses neue Ideal ausmacht, wird so beantwortet: „Es geht um die Qualität des Zusammenlebens“, so Eckert.
Ansonsten ist viel davon die Rede, dass die Küche als „sicherer Rückzugsort“ erlebt wird, sozusagen als Kontrapunkt zum Gefühl der Unsicherheit, das die Pandemie bei vielen Menschen derzeit auslöst. Keine neue These, sicher, aber eine, die gut auf den Luxusküchenbauer passt. Um Küchen ab 35.000 Euro aufwärts zu verkaufen, braucht es eben mehr, als nur die technischen Vorzüge eines Produkts darzustellen, es braucht eine Philosophie. Und die liefert Eckert: „Die Küche ist heute viel mehr als ein Produkt, das Qualität und Ästhetik auszeichnet. Es geht um das emotionale Erleben. In Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung kann der Mensch mit allen fünf Sinnen an diesem Ort Ruhe finden und spüren. Im digitalen Zeitalter sehnen sich die Menschen nach Analogem, Kochen ist sehr analog. Kochen ist Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes.“
Ob dieses Glücksgefühl nicht auch in einer Küche von 5.000 Euro entstehen könne, fragt der Interviewer. „Eine gemeine Frage“, sagt Eckert, beantwortet sie aber so: „Wir setzen auf Qualität“. Man opfere die Qualität nicht auf dem Altar des Umsatzes, der zuletzt bei Bulthaup etwas zurückging (INSIDE Spezial Küche Nr. 6). Keine der jährlich 7.000 produzierten Küchen sei wie die andere. In denen stecke die Seele der Mitarbeiter, Handarbeit, Werkstolz. Dass rund die Hälfte des Geldes, das für Küchen ausgegeben wird, der Geräteindustrie zugutekommt, scheint Eckert zu irritieren. Die Wasserstelle, das habe ihm schon der Spitzenkoch Tohru Nakamura klargemacht, sei viel wichtiger. „Spitzenköche können Stunden ohne Herd auskommen“, sagt Eckert, „das Steak ist ja in zehn Minuten gebraten, aber sie kommen keine zehn Minuten ohne Wasser aus.“