„Shop & Go“
Neue Bezahlfunktion für die Ikea-Häuser
In den letzten anderthalb Jahren hat der schwedische Riese bemerkt, dass er sein Onlinegeschäft und die stationären Angebote verändern muss. Der Druck wird durch den Erfolg in den digitalen Kanälen sogar größer – zuletzt hatte Ikea im wichtigen deutschen Markt seine Onlineverkäufe um mehr als 100 Prozent auf 1,747 Mrd Euro vervielfacht. Die bessere Verbindung der bislang getrennten Absatzkanäle soll sich in der Customer Journey niederschlagen. Jetzt führt Ikea „Shop & Go“ ein. Man schaffe so „ein nahtloses On- und Offline-Einkaufserlebnis“, funkt die Deutschland-Zentrale durch. Stimmt in weiten Teilen – die letzte Meile ist aber noch nicht zurückgelegt.
Der Plan: Kunden sollen bald in den Einrichtungshäusern wählen können, ob sie an einer herkömmlichen Kasse, an einer Expresskasse (Scan & Go bzw. Self-Service-Kasse) oder mittels der neuen Funktion in der App zahlen möchten. Zunächst ist diese Möglichkeit an den fünf Standorten Berlin-Tempelhof, Dresden, Frankfurt Nieder-Eschbach, Hamburg-Moorfleet und Karlsruhe umgesetzt worden. Im Laufe des Jahres 2022 sollen alle restlichen deutschen Einrichtungshäuser folgen. Im Sommer sollen alle angebunden sein.
Kunden können „Shop & Go“ im Ladengeschäft in vier Schritten nutzen: Einmaliger Scan eines QR-Codes im Einrichtungshaus, der die Einkaufsfunktion aktiviert, Scannen der Wunschartikel (die wie gewohnt in den Einkaufswagen wandern), Erzeugen eines QR-Codes zum Schluss, Einscannen dieses Codes an einer Expresskasse.
Bedeutet: Den letzten Schritt, nämlich während des Einkaufs im stationären Laden innerhalb der App digital zu zahlen, ist Ikea bei diesem Roll-out noch nicht gegangen. Damit fehlt der Software (noch) eine Funktion, die beim reinen Onlinekauf vorhanden ist. Diese kann natürlich zu einem späteren Zeitpunkt auch für den Einkauf im Geschäft scharf gestellt werden. Ob allerdings der bislang implementierte Weg besonders viele Menschen überzeugen wird? Letztlich entfällt dadurch kein einziger Scan-Vorgang. Beziehungsweise ist ein einmaliges Hintereinanderweg-Scannen an einer Expresskasse möglicherweise komfortabler – denn beim Bezahlen landet man nach den bisherigen Plänen erst einmal genau vor dieser Expresskasse. Real muss sogar ein Code mehr eingelesen werden; nämlich der in Schritt drei erzeugte QR-Code.
Auch bei digitalisierten Klein-Filialen geht Ikea im deutschsprachigen Raum weiter: In Österreich hat Ikea jetzt auch seine ersten beiden „Planungsstationen“ ans Netz gebracht (Wiener Neustadt und Villach), etwa 80 qm große Läden, die ohne physisch verfügbare Ware auskommen. In dieser Mini-Ausgabe der Planungsstudios kann und soll alles bestellt und geplant werden können. Diese „maximale digitale Inspiration und Services auf minimalem Raum“ werden in Deutschland als Pop-ups in Ravensburg und Wolfsburg getestet. In der wesentlich kleineren Schweiz wurde „Shop & Go“ bereits vor einigen Monaten eingeführt. Am Bahnhof in Zürich wird ebenfalls wieder mit einem Pop-up pilotiert.
Auch in der Schweiz zeigen die Zahlen, dass die Multichannel-Strategie notwendig ist: Innerhalb von nur zwei Geschäftsjahren stieg der Online-Anteil am Gesamtumsatz von 9,1 Prozent auf zuletzt 23,3 Prozent an. Dadurch konnte der Gesamtumsatz um 7 Prozent auf rund 1,23 Mrd Franken gesteigert werden.