Mehr als Bienenwiesen
Nachhaltigkeit bei Venjakob
Bis hin zur Rückgewinnung der Bremsenergie in den Kantenbearbeitungsmaschinen – bei Venjakob kaufen sie schon lange nicht mehr nur Klimaschutzzertifikate, um klimaneutral zu sein.
Wer auf den Parkplatz der Firmenzentrale in Gütersloh fährt, dem muss die frisch gepflanzte Wiese auf der gegenüberliegenden Straßenseite auffallen. „Wir haben hier eine Fallobstwiese angelegt und viele Bäume gepflanzt“, sagt Frank Bäumer, Vertriebsleiter bei Venjakob, fast schon blumig zur Begrüßung.
Auf einer Bienenwiese auf dem Firmengelände blühen Lupinen, Klee, Borretsch und Sonnenblumen. Es schaut alles recht grün aus rund um den Standort des Gütersloher Speisezimmer- und Wohnmöbelspezialisten. Bei Venjakob nehmen sie das Thema ernst, sehr ernst. Im letzten Jahr zertifizierte die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM) Venjakob das erste Mal als klimaneutraler Möbelhersteller. Damals hatte das Unternehmen 2.161 Tonnen Kohlendioxid klimaneutral gestellt und dafür 2.161 Klimaschutzzertifikate von globalen Projektbetreibern gekauft. Auch in diesem Jahr darf sich Venjakob wieder klimaneutraler Hersteller nennen.
Der Preis von Klimaschutzzertifikaten hat sich pro Tonne CO2 in nur einem Jahr von rund 25 Euro auf knapp 60 Euro mehr als verdoppelt. Und so werden Venjakob-Geschäftsführer Antonius Rehkemper und sein Team deutlich auf ihrem Weg bestärkt. Es ist nicht genug, sich freizukaufen. Man muss tief rein in die eigenen Prozesse. Bäumer: „Wir haben einen tollen Betriebsleiter im Haus, der ständig auf der Suche nach neuen Lösungen ist, um Energie einzusparen.“ Die Rede ist von Josef Lieks, einer von gut 230 Mitarbeitern im Unternehmen und seit 2009 im Haus Venjakob beschäftigt. Unter Lieks‘ Leitung wurde zum Beispiel angefangen, die Druckluft-Abwärme der Kompressoren zur Heizung zurückzuführen. Die Venjakob-Produktion wird zudem mit Holzspänen beheizt, die bei der Produktion anfallen. Die Gütersloher setzen auch auf die Kraft der Sonne. Momentan sind zwar nur auf den Dächern des Betriebs Solarzellen angebracht. Bei Venjakob ist man aber ständig auf der Standortsuche, weitere Photovoltaikanlagen zu installieren. Die neueste Idee: Die Dächer der Freiluftparkplätze sollen schon bald nicht nur für Schatten sorgen, sondern dazu beitragen, dass in Zukunft noch weitaus mehr als ein Drittel des Stroms selbst erzeugt wird.
Eine weitere Idee von Betriebsleiter Lieks war es, die Bremsenergie der Kantenbearbeitungsmaschinen zu speichern und zu nutzen. Die Energie, die sich während des Bremsvorgangs der Maschinen entwickelt, wird in ein System eingespeist und so die finale Bewegung der Maschine ausgelöst. Ein Drittel der verbrauchten Energie können die Kantenbearbeitungsmaschinen dadurch selbst erzeugen. Bäumer: „Wir wollen es schaffen, nicht nur Ressourcen zu schonen, sondern diese Maßnahmen für Effizienzgewinne zu nutzen.“ Die reichen dann bis zum hauseigenen Fuhrpark: So werden die Fahrer der LKW alle ein, zwei Jahre in sogenannte Eco-Schulungen geschickt. Ziel der Maßnahme: mit so wenig Spritverbrauch wie möglich am Ziel ankommen. Bäumer: „Wie stark ein Fahrer aufs Gaspedal drückt, das macht am Ende einen enormen Unterschied bei der Sprit-Abrechnung.“ Auch der PKW-Fuhrpark soll zeitnah 100 Prozent auf Hybrid umgestellt werden. Alles kein Hexenwerk. Aber umsetzen muss man die Ideen auch erst einmal.