Klartext von Formanowicz
Der Forte-Chef zum Markt, zur Beschaffungslage, zur Preissituation
„Die Corona-Krise hat alle Schwächen der polnischen Möbelhersteller aufgedeckt”, sagte Maciej Formanowicz, Großaktionär und CEO des polnischen Kastenmöbelbauers Forte, kürzlich im Gespräch mit Parkiet. Formanowicz bezeichnet die Möbelindustrie seines Heimatlandes, die viele als Exportlokomotive sehen, eher als „Koloss auf tönernen Füßen”. Zwar seien mehr als 40 Mrd Euro Zloty Exportumsatz beeindruckend, es habe aber bislang nur eine kleine Gruppe heimischer Möbelbauer hinbekommen, einen eigenen Marktzugang aufzubauen.
Der Großteil der polnischen Möbelhersteller biete keine eigenen Produkte an, sondern Produktionskapazitäten. Zwischenhändler mit Sitz im Ausland schöpfen den Rahm ab, meint Formanowicz. Sie schlagen Modelle vor, wählen Materialien aus und entscheiden über Kosten und Preise. Der Möbelsektor sei zu fragmentiert, um im Westen notwendige Preiserhöhungen durchzukriegen, zu abhängig von ausländischen Zwischenhändlern, müsse sich die Matarialpreise von Oligopolisten diktieren lassen – von Schaum und Stoffen, über Glas, Verpackung bis hin zu Plattenmaterial und Holz. Und nicht zuletzt fehle die Unterstützung durch die Wirtschaftspolitik des Staates, der eigentlich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie auf den globalen Märkten stärken müsste.
Ob das nicht eine etwas pessimistische Darstellung sei, fragte die Zeitung nach. Schließlich hätten Forte und andere Möbelbauer die pandemiebedingten Stillstände im vergangenen Jahr in beeindruckender Geschwindigkeit wieder wettgemacht. – Ja, Forte sei stabil, sagte Formanowicz. Mit sechs Werken (inklusive dem indischen), 3.500 Mitarbeitern, 85 Prozent Exportanteil habe man keinen Grund zur Sorge. So gehe es aber nicht allen. Formanowicz: „Ich sehe jetzt schon unvorteilhafte Veränderungen im Möbelhandel. Kleinere Läden in Deutschland werden geschlossen und die großen Ketten gewinnen an Stärke. Auch werden kleine und mittelgroße Produzenten in ganz Europa geschwächt. Und in unserem Land sind diese nun mal in der Mehrzahl. Ich glaube, dass viele Hersteller die neuen, viel höheren Preise für ihre Produkte nicht durchsetzen können. Die Produktionskosten sind aber signifikant gestiegen und das ist noch nicht vorbei.”
Er habe den Verdacht, dass einige der stärksten Player – vor allem große internationale Zulieferunternehmen der Möbelindustrie – die hohe Nachfrage nach dem ersten Pandemieschock genutzt hätten, um die Preise leichter anzuheben. In seiner ganzen Möbellaufbahn habe er nie einen so umfassenden und „simultanen” Anstieg der Produktionskosten mitbekommen, wie seit dem Beginn dieses Jahres. Die Preise für wirklich alle Vorprodukte sind signifikant gestiegen. Polnische Möbelbauer müssen nun neue Kontrakte mit ihren internationalen Abnehmern vereinbaren und denen erklären, dass beispielsweise die Kosten für Rohspanplatten sich verdoppelt haben. Laut dem Forte-Boss ein Ergebnis derKonzentration auf Anbieterseite. „Große Konzerne regieren und entscheiden über die Profitabilität Hunderter von Möbelherstellern”, so Formanowicz im Parkiet-Interview. Mit dem Aufbau der eigenen Spanplattenproduktion ist Forte heute zufrieden. Mit der 700-Mio-Zloty-Investition sei man nun unabhängig von großen Konzernen.
Was die Endverbrauchernachfrage angeht, so sieht Formanowicz nach dem Boom im zweiten Halbjahr 2020 und dem dann folgenden Lockdown in den deutschsprachigen Märkten inzwischen auch eine Nachfrageabschwächung. Man könne sehen, dass es den Menschen schlechter gehe. „Unsere potenziellen Kunden haben nach Monaten der Krise, nach Einschnitten in den Unternehmen und bei den Löhnen nicht mehr so einen Enthusiasmus in ihr Zuhause zu investieren. Der Kaufrausch ist auch durch den Anstieg der Möbelpreise abgekühlt. Bislang sind es über 12 Prozent, aber niemand hat Zweifel, dass Möbel infolge der steigenden Produktionskosten noch teurer werden.”