Mit allen Schikanen 1
Ein neuer Flagship in bester Lage, weltweit der vierte, und der erste in Deutschland: Im September hat Calligaris in München eröffnet. Nach London, Paris und Los Angeles der vierte große Flagshipstore, des vom Milliarden-Euro-schweren Fonds Alpha mehrheitlich kontrollierten Herstellers. Am Lenbachplatz zeigen die Italiener auf drei Etagen und 605 qm Verkaufsfläche Möbel, Accessoires und Beleuchtungslösungen von Calligaris und dessen Schwesterunternehmen und -marken Connubia, Ditre Italia und Luceplan. Aufgrund der Pandemielage gab es keine große Fete zur Einweihung. Soft Opening sagt man dazu wohl.
In dieser Woche startete die Gruppe ihre Kommunikationsoffensive: Pressetermine – auch mit CEO Stefano Rosa Uliana und Deutschland-Geschäftsführer Oliver Cieszkowski – an mehreren Tagen machen den Anfang. In den kommenden Wochen werden die Händler sowie auch Architekten bei weiteren Veranstaltungen auf dem Laufenden gehalten.
Schließlich soll auch der deutsche Markt wachsen. So wie die Gruppe weltweit insgesamt. Für 2021 ist man da sicher, wie die letzten verfügbaren Zahlen zeigen (mehr dazu im kommenden INSIDE). „Während der Pandemie haben wir uns auf die strategisch wichtigen Ziele in der Gruppe konzentriert“, sagt Rosa Uliana. Dazu gehören neben Digitalprojekten auch die Nachhaltigkeitsinitiativen des 1923 gegründeten Herstellers – die sich übrigens nicht nur auf ökologische Aspekte beziehen. Grüner werden, digitaler – und in Deutschland auch bekannter. Während die 2018 gekaufte und 1978 gegründete Luceplan hierzulande bekannter ist, kann an der aktiven Fanbase von Calligaris noch gearbeitet werden. Auch die junge Marke Connubia will weiter bekanntgemacht werden (diese ist aktuell nicht im Münchner Flagship präsent). Dass das geht, hat Calligaris auch in anderen Auslandsmärkten bewiesen: In Japan sei man deutlich bekannter, als hierzulande, so Rosa Uliana. Vom italophilen Monaco di Bavaria aus sollen die Deutschen noch mehr mit der Design- (und: Material-) Welt der Italiener kommen. Dass diese umgekehrt einen Crush für Germania haben – nicht nur, weil wir gerade mit einem „It’s coming Rome“ artig zum Sieg des EM-Titels gratulieren – zeigt allein die Tatsache, dass Calligaris seinen ersten deutschen Flagship vor dem in Italien eröffnet. Zum Salone in diesem Jahr wird dann Flagship Nummer 5 ans Netz gehen, in Mailand.
Bedeutet übrigens nicht, dass man sich scheut, auch die Preise anzuheben. Auch die Italiener haben mit höheren Rohstoffpreisen zu kämpfen. Zuletzt gab es Anpassungen nach oben zu Anfang Juli. „Das machen wie aber nur bei den Produkten, bei denen es notwendig ist. Das außerdem immer nur moderate Preiserhöhungen“, sagt Cieszkowski.
Mit der Kombination aus Calligaris, Ditre und Luceplan kann Calligaris den Kunden drei zueinander passende Marken und deren Produkte präsentieren. „Jede unserer Marken bleibt eigenständig“, bekräftigt Rosa Uliana, der gerade wieder sichtet, welche mögliche weitere Schwester gut ins Profil passen könnte. Durch die gemeinsame Präsentation profitieren die Brands voneinander. Und, na klar, auch bei den Umsätzen macht sich das bemerkbar. Wer ein paar Tausend Euro für eine neue Sofaecke investieren möchte, wird offen sein, sich passende Teppiche, Lampen oder Accessoires zuzulegen. „Es kommt oft vor, dass die Kunden nicht von selbst bemerken, dass dieser eine Sessel nicht von Calligaris, sondern von Diltre stammt“, hat Deutschland- (und: Österreich-, Schweiz- sowie Niederlande-) Chef Cieszkowski beobachtet. Auch der Handel freut sich offenbar über die Präsenz. Kommen doch immer wieder Händler mit ihren Kunden vorbei, um Teile des Portfolios zu zeigen, die sie selbst nicht auf Lager haben. So wird aus dem Flagshipstore auch ein Showroom. Das soll er auch sein – schließlich will man im Projektgeschäft ebenfalls weitere Teile vom Kuchen haben. Da braucht es eine physische Präsenz mit allen Schi(c)kanen.