Neue Ära in Dogern
Sedus blickt nach vorn
Der Büromöbelhersteller Sedus Stoll hat ein hartes Jahr hinter sich. Nun stellt man in Dogern die Weichen für die Zukunft.
„Sedus is a complete supplier.“ Auf Deutsch: Sedus ist ein Komplett-Lieferant. Dieser Schriftzug ist das erste Bild, das der Zuseher des Online-Events „New Horizons“ zu sehen bekam. Mit der Kamera scharf eingefangen im Hintergrund des Schlagzeugers, der den Kollegen den Takt mit seinen Sticks angab. Saxophonist, Bassist, Gitarrist, Keyboarder und eben der Schlagzeuger bildeten einen gelungenen Side-Kick für die Sedus-Event-Moderatoren.
New Horizons bei Sedus. Auf der einen Seite feierte die AG aus Waldshut-Tiengen mit dem Online-Event Ende Juni 150 Jahre Firmengeschichte. Auf der anderen Seite endete die vergangene Ära tragisch mit dem plötzlichen Tod des Vorstandssprechers Holger Jahnke im vergangenen November (INSIDE 1101). Die Branche trauerte.
Nun will man in Dogern die Ärmel hochkrempeln und den Neustart einläuten. Die Sedus-Strategen haben sich für das Event ins Zeug gelegt: Zuseher konnten live an Umfragen teilnehmen, Keynote-Speaker Dr. Arndt Pechstein, der schon mit Audi und Otto arbeitete, sprach live über „Hybrid Thinking“, viele weitere Gäste kamen zu Wort. Die übergeordnete Frage des Events lautet: „Wie werden wir morgen arbeiten?“ Die Antwort nach einer Stunde vor dem Bildschirm: Ja, genau, hybrid. Aus Dogern, hier steht das so genannte Sedus Smart Office, meldeten sich per Live-Schalte Finanzvorstand Cornel Spohn und Vorstand Technik Daniel Kittner. „Tradition und Werte auf der einen Seite, Digitalisierung und Zukunft auf der anderen Seite. Das ist unser Erfolgsrezept“, sagte Spohn in die Kamera.
Kittner: „Wir wollen bis 2025 an allen unseren Standorten klimaneutral werden.“ Klimawandel und Digitalisierung seien mittelfristig für Sedus die großen Herausforderungen. Auch das Jahr 2020 war, wie für alle, hart. Die Corona-Krise setzte den Office-Markt mächtig unter Druck. Erwischt hatte es auch Sedus – wie die Gesamtbranche, die laut Industrieverband IBA einen Rückgang von 11,8 Prozent auf 2,2 Mrd Euro hinnehmen musste. Der Sedus-Umsatz sank im vergangenen Jahr um 12,4 Prozent auf 184 Mio Euro. Stärker als im Inland, wo der Umsatzrückgang sich mit 6 Prozent auf 109,3 Mio Euro in Grenzen hielt, brach das Geschäft im Export ein: um 20,4 Prozent auf 74,7 Mio Euro. Das Jahr konnte immerhin noch mit einem Gewinn von 2,5 Mio Euro abgeschlossen werden. Im Vorjahr waren 7,8 Mio Überschuss gemeldet worden. Ernst Holzapfel, Marketing-Chef in Dogern, sieht die Zukunft nun, wie viele der Strategen und Marktbegleiter, in Co-Working-Spaces und Homeoffice-Lösungen: „Ich spreche nicht mehr von Arbeitswelten, sondern von Lebenswelten.“
Eine der Live-Umfragen während des Events bestätigte, dass 78 Prozent der Zuseher einen hybriden Arbeitsplatz bevorzugen. Zurück in einen klassischen Büro-Job ohne Homeoffice-Möglichkeiten wollte dagegen: niemand. 0 Prozent zeigt hier die Grafik. Die Keynote des Abends hielt übrigens Neurowissenschaftler Dr. Arndt Pechstein. Pechstein sprach über „die exponentielle Entwicklung des Menschen“. Seine Botschaft: Veränderung ist unbequem. Doch nur so entwickeln wir uns weiter. Gilt ja auch für Unternehmen.