Unser Gründer ist gestorben
Abschied von Peter Wulff
Einen wie Peter Wulff konnte es nur einmal geben. Ein Typ wie aus einer Literaturverfilmung von Volker Schlöndorff. Peter liebte die Provokation, die kunstvolle Suche nach dem Kern der Dinge. Peter brachte die Dinge auf den Punkt, beherrschte die Kunst der Pointe wie wenige andere. Sie war sein Ding, sein Leben lang.
Peter hat den Fachjournalismus der Branche verändert, als er 1974 mit INSIDE, dem INSIDE Wohn-Markt-Magazin, wie er seine Idee nannte, an den Start gegangen ist. Die Idee war eigentlich einfach: Journalismus, keine PR. Titelheld der ersten Ausgabe: Rolf Benz. Später folge die Gründung von INSIDE Getränke. Beide Verlage stehen auch im Jahr 2026 vital mitten in ihren Branchen, als kleine Schnellbote ohne viel Ballast, aber mit großer Lust auf Zukunft. Das haben sie ihrem Gründer zu verdanken, der immer mutig und visionär seinen Weg gegangen ist.
Geboren in Posen, familiäre Wurzeln im Baltikum: Peters Leben war geprägt vom frühen Verlust seiner Eltern. Er wuchs bei seiner älteren Schwester auf, kam als Kind nach Gütersloh, ging dort aufs Internat, machte sein Abitur in Wiehl bei Köln, studierte in Berlin Geschichte und Theaterwissenschaft. Sein Weg in den Fachjournalismus war nicht wirklich gerade und vorgezeichnet. Peter arbeitete nach dem Studium in Wien und München als Theaterkritiker, kam über eine Fachzeitschrift für die Textilwirtschaft, deren Chefredakteur er schnell wurde, zum Wirtschaftsjournalismus. Mit INSIDE machte Peter von Anfang an Rabatz im oft selbstverliebten und wohl leider zu oft veränderungsresistenten Möbelmarkt. Peter hielt der Branche den Spiegel vor.
Peter hat sich immer an die Großen rangewagt. Doch die Könige der Branche waren ihm nie wichtiger als die Exportleiterin oder der Handelsagent. Er hatte keine Angst, hat sich von Gegenwind und so mancher juristischen Drohung („Wenn Sie das schreiben, dann … “) nicht einschüchtern lassen. Peter hat nie klein gedacht. Und so hat sich INSIDE über Jahrzehnte entwickelt, sich mehrfach gehäutet, sich neu erfunden. Den Nährboden dafür hat Peter bereitet. Der Nährboden wirkt bis heute, auch viele Jahre, nachdem Peter sich seit 2012 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat.
Ein bisschen sah Peter, Vater von vier Kindern, auch so aus wie ein Typ aus dem deutschen Film der 70er Jahre. Hager, kein Gramm Fett am Leib, sportlich, federnder Schritt, weißes Resthaar, weißer Schnäuzer. Peter war fast immer positiv und optimistisch. Und er zog durch, auch auf dem Tennisplatz – mit einer Rückhand auf dem Sandplatz wie John McEnroe.
Mit 86 Jahren ist Peter Mittwochnacht nach langer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Er hat es geschafft. Die Reise geht weiter.
Wir verneigen uns vor dir, lieber Peter. Danke für alles.