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Ein Jahr nach dem Einstieg

Und jetzt alles

29.06.2026 | 12:22
In der Halle: Benedikt Lohnert, Dirk Schmidtmeier, Tobias Fuhrmann

Die Staud-Investoren Tobias Fuhrmann und Dr. Karl Spielberger sind ein Jahr nach dem Einstieg in Bad Saulgau trotz Dauermöbelbaisse nicht verzagt, eher entschlossener denn je. Gerade haben sie nach der Neugründung der Martin Staud GmbH im vergangenen März die komplette Staud-Produktion und das Grundstück gekauft – und die Geschäftsführung neu geordnet.

Ein Montagvormittag im Juni in Bad Saulgau. Draußen: sengende Hitze. Drinnen: Schrankproduktion. Manchmal glaubt man ja in diesen Tagen, es liefe gar nichts mehr über die Bänder in Möbel-Deutschland. Und wie immer ist die Realität komplizierter als die einfache Annahme. In diesem Fall im positiven Sinn. Die von Lean-Production-König Dirk Schmidtmeier konzipierte Staud-Montage ist gut am Fronten-Schieben und Teile-Zuschneiden an diesem Vormittag. Die eigene Kaschieranlage muss kaschieren. Und hinten kommen Schränke raus, die rein auftragsbezogen produziert worden sind und von Reber Spitzer nun verschickt werden müssen.

Es könnten mehr sein, sagt Schmidtmeier. Der Juni ist schon recht mittel. Aber alles in allem liegt Staud über Vorjahr. Was natürlich – gehört zur ganzen Wahrheit – angesichts der Tatsache, dass Staud Anfang 2025 eigentlich tot war, auch so sein sollte. Schließlich war Staud nach dem Vivonio-Totalcrash von Fuhrmann und Spielberger in einem sehr mutigen Move am offenen Herzen operiert und wiederbelebt worden. Fuhrmann vertraute dabei von der ersten Stunde an auf Schmidtmeier. Und Schmidtmeier auf Fuhrmann. Beide vertrauten auf das erfahrene Team bei Staud, das in der Fertigung auf knapp über 60 Kollegen geschrumpft war. Staud gesamt hat rund 100 Mitarbeiter heute.

Und so kam dann eins zum anderen. Die Investoren kauften im ersten Schritt in einem wohl recht günstigen Asset-Deal Marke und Rechte – und mieteten die Produktion erstmal an. Nun, ein Jahr nach ihrem Einstieg, haben der Bad Tölzer Mittelstandsinvestor Fuhrmann, der im Möbelmarkt auch noch bei Dietsch beteiligt ist, und sein Kompagnon das gesamte Areal gekauft: 90.000 qm Grund, fast 30.000 qm bebaute Hallenfläche. Das muss man in diesen Tagen auch erstmal haben wollen. Fuhrmann lächelt: „Wir haben uns das schon gut überlegt. Natürlich ist die Entscheidung auch ein klares Bekenntnis zu Staud, ein klares Bekenntnis zu unserem Plan hier.“

Staud, der Schwebetürenschrank-Experte im Markt, hätte gefehlt, wenn er nicht weitergelebt hätte. Aber denkt man ja über viele Industriebetriebe, die es trotzdem nicht mehr gibt. Insofern war es auch kein Selbstläufer, dass die Wiederbelebung bislang funktioniert hat. Zwar läuft die Fabrik im Einschichtbetrieb deutlich unter ihrer Leistungsfähigkeit. Aber das Produktions-Set-up ist so erdacht und aufgestellt, dass es auch unter diesen Bedingungen funktioniert. Fuhrmann: „Natürlich könnten wir mehr Futter vertragen. Doch wir haben schon viel geschafft.“ 99 Prozent der Kunden, die Staud vor der Insolvenz hatte, sind wieder am Start, sagen Fuhrmann und Schmidtmeier beim Rundgang durch die Hallen. Der größte Kunde ist nach wie vor Lutz, aber eben doch einer von vielen. 45.000 Kommissionen sind für das laufende Jahr das Ziel. Neben den Schwebern soll weiter das Geschäft mit Drehtürenschränken ausgebaut werden. Für die M.O.W. ist kein Neuheiten-Festival geplant, sondern eine Messe mit Fokus auf Kundenpflege. Mittlerweile ist auch der Außendienst wieder komplett. In Deutschland sind am Start: Andreas Bartl, Jörg Grober, Dirk Zeißig, Jürgen Siegler. In Österreich reist Wolfgang Fröstl und in der Schweiz Niko Ballhaus.

2025 hat die neue Gesellschaft laut Fuhrmann bereits positiv abgeschlossen. Man sei zu 100 Prozent eigenfinanziert und mit allen Vorlieferanten wieder bestens committed. Fokus auf die Kernkompetenz heißt die Losung, also: Schränke. Keine Abenteuer ins Jugendzimmer mehr. Dazu voller Fokus auf Digitalthemen und Datenmanagement im eigenen Haus, auch wenn Schmidtmeier zugesteht, dass hier noch ein Weg zu gehen ist.

Mithelfen soll auf dem Weg von nun an auch verstärkt sein neuer Kollege in der Staud-Geschäftsführung: Benedikt Lohnert. Der 39-Jährige ist seit vier Jahren im Haus und wurde vor ein paar Wochen zum neuen Finanzgeschäftsführer befördert. Für Fuhrmann ist das auch ein langsamer Einstieg in den Generationenwechsel in Oberschwaben. Schmidtmeier ist 62 Jahre alt. Steht aber nicht nur jeden Morgen um 8 Uhr bei der Teambesprechung in der Produktion, sondern auch sonst voll im Saft. Hat also alles noch Zeit. Aber man will halt langfristig planen hier, im neuen Bad Saulgau.

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