INSIDER der Woche
Hannes Zwetschke über gutes Digitalmarketing
Hannes Zwetschke, 40, hat in Augsburg eine Agentur am Start, die es nicht zwei Mal gibt hierzulande. Der Augsburger Werber und Social-Media-Experte ist einer der unkonventionellsten Digi-Marketing-Köpfe im Land – und einer der
Impulsgeber und Sparringspartner an Tag 2 auf dem Gipfel.
Am 13. Mai ist Hannes live auf der Bühne auf dem neu entwickelten Digital Marketing Day. Sein Thema: Über das Social-Media-Game zu Umsatz! Hier gehts zum DMD.
Tag 2 auf dem 8. INSIDE Branchen-Gipfel ist auch solo buchbar, zum, wie sagt man im Möbelhandel, absoluten Vorteilspreis von 500 Euro gradraus. Tag 2 richtet sich an alle Unternehmerinnen und Unternehmer im Markt, die sich auf dem weiten Feld des Digitalmarketings auf Stand bringen wollen, und an alle Marketeers und Social-Media-Expertinnen und Experten im Markt, die klar im Blick haben, dass es am Ende um Wirkung, Sichtbarkeit und Umsatz geht.
INSIDE: Wie schwer ist es, mit Digitalmarketing wirklich vorwärts und zu messbaren Erfolgen zu kommen, wenn die Menschen in der Flut von Werbebotschaften eher untergehen?
Hannes Zwetschke: Eigentlich war es noch nie so einfach. Wir erleben gerade die große Marktbereinigung. Wer heute noch mit lieblosem Mittelmaß um die Ecke kommt, sitzt auf der falschen Seite der Schere und wird einfach weggeschnitten. Um Digitalmarketing auf eine neue Ebene zu heben, muss man kreativ und authentisch kommunizieren. Mit herausragenden Kreationen kann man heute sehr schnell zum Erfolg kommen.
Im Kreativ- und Agenturkosmos folgen dir viele Leute auf TikTok, Instagram und allen anderen Kanälen. Du machst Podcasts und baust aus ihnen ganze Social-Media-Kampagnen. Sich selbst als Brand im Agenturkosmos aufzubauen, war bewusste Strategie?
Ganz ehrlich: Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich mal TikToks mache, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Ich denke, wer offen ist und – wie ich von mir selbst sage – dem Leben sehr zugeneigt bleibt, für den wird es bis zum letzten Tag noch sehr viel zu erleben geben.
Du sprichst direkt, ohne gestelzte Sätze, auf den Punkt: Ist das auch der Weg im Digitalmarketing der Zukunft, um sich von KI-Bots und Avataren abzusetzen?
Absolut. Nahbarkeit ist der Endgegner der KI. Jeder, der ein LLM oder eine KI bedienen kann, glaubt heute, er könne herausragende Ergebnisse liefern. Aber was wirklich zählt, sind echte Menschen, echte Empathie und echte Emotionen – all das, was eine KI auch in 100 Jahren nicht können wird. Die Sehnsucht der Menschen nach dem Echten wird in einer Welt voller Avatare immer größer werden.
Kreativ-Lager oder Technik-Lager? Wo stehst du?
Zu 100 Prozent im Lager der Kreativität. Wir sehen doch jetzt schon, dass das ganze technische Targeting immer irrelevanter wird. Wenn man heute ordentlich Budget auf eine einfach eingestellte Zielgruppe wirft, regelt der Algorithmus den Rest von allein. Man darf ja nicht vergessen: Meta und Co. wissen ganz genau, wer das Produkt kaufen will – aber sie sind nicht dumm. Sie haben ein Interesse daran, dass Budget fließt. Am Ende bleibt die Kreativität der einzige Hebel, den wir wirklich in der Hand haben. Sie hält den Qualitätsfaktor hoch und berührt die Menschen auch organisch. Nur so baust du heute Erfolg und eine echte Love Brand auf.
Wo ist die besondere Herausforderung im Handel?
Der Handel muss endlich aus dem Quark kommen. Wenn man sich heute die verlassenen 1A-Lagen in unseren Innenstädten anschaut, sieht man das Ergebnis von Jahrzehnten, in denen die kreativsten Einfälle Winterschlussverkauf und Sommerschlussverkauf waren. Ich leite meine Agentur seit 20 Jahren und lerne jährlich eine Vielzahl von Kunden aus verschiedensten Branchen kennen – von der Deutschen Rentenversicherung über Rapunzel Naturkost bis hin zur Hofmetzgerei Franz Ottillinger. Dabei zeigt sich ein glasklares Bild: Diejenigen, die vorne dran sind, die extra Meile gehen und Gas geben, sind ungeschlagen erfolgreich. Das Problem im Handel ist das Stehenbleiben. Wer bereit ist, kreativ zu sein, wird auch in Zukunft absolut kein Problem haben. Qualität wird belohnt, Trägheit wird bestraft.
Wer beeindruckt dich? Und wer lässt dich verzweifeln?
Mich beeindrucken die Läden, die den Kunden nicht auf der Kurzstrecke das Geld aus der Tasche ziehen wollen, sondern eine langfristige Beziehung aufbauen. Wer einen herausragenden Job macht, kann einen Kunden ein Leben lang begleiten. Verzweifeln lassen mich die, die über Personalmangel jammern. Wer kein gutes Personal findet, hat meistens kein Marktproblem, sondern ein Kulturthema. Im Möbelhandel sind Gehälter und Provisionsvereinbarungen oft so grenzwertig, dass der Verkäufer gar nicht mehr wertschätzend auftreten kann. Wenn die Kultur nicht stimmt, hilft auch die teuerste Kampagne nichts.
Was rätst du Kunden, die fürchten, ihre Webseite bald einstellen zu können, weil alle über KI suchen?
Man sollte sich klarmachen, woher KI-Suchmaschinen ihre Informationen beziehen. Je mehr KI zum Einsatz kommt, desto wichtiger wird „Owned Media“ – also die Kanäle, die mir gehören. In der Gastronomie mag ein top-gepflegtes Google-Unternehmensprofil manchmal reichen, aber im Handel ist noch immer die Webseite entscheidend. Der Kunde hat bei seiner Recherche nicht eine Seite offen, sondern fünf. Genau da muss ich den Unterschied machen. Wer hier nur Einheitsbrei bietet, verliert.
Was haben wir zusammen vor auf dem Digital Marketing Day am 13. Mai?