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Temporarily not available

Immer wieder neue Premiummöbel-Shops im Netz

29.11.2022 | 13:43

Einen Hunderter sparen bei der Bestellung von vier Nardi-Stühlen, Modell Net? Klar, da wollte die Kundin zugreifen. „Vier bis sechs Wochen Lieferzeit, hieß es schon bei der Bestellung. Anstatt knapp 90 Euro sollte jeder Stuhl 65 Euro kosten. Für diese Ersparnis wollte ich gerne auf meine Gartenmöbel warten“, sagt sie Ende vergangener Woche dem INSIDE. Insgesamt zwei Mal habe sie es danach bei dem Onlineshop probiert. „Es hieß zunächst, es gebe eine kleine Lieferverzögerung“, berichtet die Kundin. Das sei nach etwa zwei weiteren Wochen gewesen. Dann sei sie vom Call-Center des Shops abermals eine Woche lang vertröstet worden. Zum Schluss habe sie ihr Geld über die Rückbuchung bei der Kreditkartenfirma zurückerhalten. Immerhin. Lieber hätte sie die Stühle gehabt.

 

Moblex.de, der Internetshop, um den es geht, sieht auf den ersten Blick unverdächtig aus. Es gibt ein deutsches Impressum, eine Telefonnummer und eine Mailadresse. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte oder Bezahlmethoden wie Giropay, wirbt der Händler, eine Einzelunternehmerin. Im Angebot: Weit über hundert Möbelmarken. Unter den Möbeln findet sich manches Angebot. Mindestens zwei der Möbelhersteller, deren Möbel hier präsentiert werden, gehen gerade juristisch gegen den Händler vor. Ihr Vorwurf: Sie stünden in keiner Lieferantenbeziehung zu dem Onlinehändler und der würde massenhaft und unerlaubt ihr urheberrechtlich geschütztes Werbematerial benutzen. Eine entsprechende Unterlassungserklärung konnte einem Shopbetreiber allerdings nicht zugestellt werden, sagt eine mit dem Fall befasste Anwältin eines betroffenen Herstellers.

 

Dass etwas mit dem Onlineshop vielleicht nicht stimmt, zeigt sich, wenn man sich die Angaben etwas genauer anschaut. Die Frau, die den Shop angeblich als Kauffrau führt, gibt eine Adresse in Wolfsburg an. In der genannten Straße finden sich unter gleicher Hausnummer zahlreiche Firmen: So hat der Volkswagen-Konzern hier ebenso Büros wie Zulieferer, IT-Firmen, ein Rechtsanwalt und eine Detektei. Eine Nachfrage beim Vermieter, der Wolfsburg AG, bringt eine eindeutige Antwort. „Es besteht kein Miet- oder Untermietverhältnis zwischen der Wolfsburg AG als Vermieter und der Firma Moblex bzw. Frau Anita Kowalska an der genannten Adresse Major-Hirst-Str. 11, 38442 Wolfsburg“, teilt uns eine Sprecherin mit. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Anwältin, die schon für ihre beiden Mandanten, zwei Möbelhersteller, versuchte, Anwaltspost zuzustellen. Telefonisch oder per Chat-Fenster ist der Shop ebenfalls nicht immer einfach zu erreichen. Vor allem landet man wohl meist in einer Call-Center-Schleife und kommt schwer voran, wie Betroffene berichten. Auch die Vorwahl des Shops passt nicht zum angeblichen Sitz der Firma – sie gehört zu Münster und nicht zu Wolfsburg.

 

Zum vorgeblichen Wolfsburger Shop Moblex finden sich im Internet schon seit Wochen negative Bewertungen: In einer auf Englisch verfassten Fake-Warnung bei Trustpilot heißt es, der Shop würde die Vorauszahlung kassieren, aber nicht liefern. Bei Google Reviews gibt es mehrere Warnungen. Ein Nutzer hat für den vorgeblichen Sitz der Firma den Status „Ort existiert nicht“ vorgeschlagen. Und ein anderer fragt: „Hat schon jemand seine Bestellung von Moblex erhalten?“ Verschiedene Nutzer beklagen sich per Google-Bewertung über nicht gelieferte Ware. So wie die obige hat auch eine andere Kundin schlechte Erfahrungen gemacht. „Wir haben in dem Shop ein Regal für etwas mehr als 400 Euro bestellt und sind nach ein paar Wochen Wartezeit dann stutzig geworden“, schreibt sie uns. Auf den ersten Blick sah für sie alles in Ordnung aus. Bis auch sie immer wieder vertröstet wird. „Interessant ist hierbei, dass es eine Service-Hotline gibt, die tatsächlich auch besetzt ist und bei der am anderen Ende jemand sitzt, der wirklich alle Bestelldetails einsehen kann“, schreibt sie weiter. So entstehe der Eindruck, alles sei in Ordnung und die Auslieferung verzögere sich nur etwas. „Nach dem dritten Anruf wurde der Herr jedoch sehr ungemütlich und spätestens dann ahnten wir, dass hier jemand sitzt, der sich um den Ruf der Marke beziehungsweise die Kundenzufriedenheit wenig sorgt.“ Auch hier konnte die Kundin rückwirkend ihr Geld wiederbekommen. Ihr Fazit: „Unsere Kreditkartenfirma hat den Schaden erstattet. Wir haben daher keine weiteren rechtlichen Schritte eingeleitet. Die Energie sparen wir uns.“ Sie finde es erstaunlich, „dass da offenbar wirklich jemand Google-Shopping-Anzeigen schaltet um zu betrügen“. Normalerweise sei Google bei sowas sehr streng und deaktiviere Anzeigen und Werbekonten direkt beim kleinsten Betrugsverdacht. Aber, so ihr Fazit: „Es scheint sich ja zu lohnen, zumindest kurzfristig dafür Werbung zu schalten.“

 

In der vorigen Woche hat einer der beiden betroffenen Hersteller eine Testbestellung bei Moblex getätigt. Ziel: Er will herausfinden, ob möglicherweise Produktfälschungen oder nicht korrekt deklarierte Ware angeboten wird. Ob das weitere Erkenntnisse bringen wird? Noch offen.

 

Als wir uns im Laufe der Recherche Lumob.de, einen zweiten, vom Look und vom Angebot her recht ähnlichen Onlineshop für Möbel und Leuchten näher anschauen, findet sich ein ähnliches Muster wieder. Dort soll ein Mann als Einzelunternehmer aktiv sein. Der Shop soll sich in Köln befinden, in einem Wohngebiet. Unter der Hausnummer und in der Nachbarschaft finden sich Reihenhäuschen, keine anonymen großen Mietskasernen. Als Kontaktnummer wird eine Telefonnummer mit Berliner Vorwahl angegeben. Eine Kölner Telefonnummer lässt sich allerdings dem Wohnhaus zuordnen. Als wir dort diesen Montag anrufen, haben wir eine Frau an der Strippe, die von einem Onlineshop an der Adresse nichts weiß und sich gerade offensichtlich um ihre Kinder kümmert. Der Shopbetreiber, der an dieser Adresse seinen Firmensitz haben will – laut Impressum Anton Mishchenko – ist in der Stadt am Rhein jedenfalls nicht gemeldet. Hier finden sich (noch) keine negativen Bewertungen bei Google oder anderswo.

 

Was sagen die Betreiber der Onlineshops Moblex und Lumob zu all dem? Anfang der Woche hat INSIDE beide Shops per Mail kontaktiert und es auch an verschiedenen Tagen telefonisch mehrmals probiert. Auf das Angebot, sich zu unseren Recherchen und den Vorwürfen von Nutzern zu äußern, ging bei Moblex niemand ein. Bei der Festnetznummer des Moblex-Shops kommt keine Verbindung zustande, unabhängig davon, ob man aus dem Mobil- oder einem anderen Netz heraus anruft. Die Festnetznummer des Lumob-Shops gab zunächst lange nur ein Besetztzeichen von sich. Dienstagabend erreichen wir dann einen Mitarbeiter, der auf Nachfrage bestätigt, dass er für einen Call-Center-Dienstleister arbeitet. Wir verweisen auf die tags zuvor versandte Mail und erneuern das Angebot an den Shopbetreiber. Die Mobilnummer, die in der Lumob-Widerrufsbelehrung angegeben wird, war „temporarily not available“.

 

Seit Montagabend dieser Woche ist der erste der zwei Onlineshops nicht mehr über das Web erreichbar. Nicht nur die Shop-Seiten, die gesamte Domain Moblex.de ist nicht aufrufbar und verweist auf die deutsche Website des israelischen Software-Dienstleisters Wix, mit dessen System offenbar Website und Shop aufgebaut worden waren. Ob es sich dabei um technische Probleme handelt oder jemand kalte Füße bekommen hat? Möglich ist vieles. Ausgeschlossen ist jedenfalls, dass der Store wegen der anwaltlichen Schritte der Hersteller vom Netz genommen wurde.

 

 

Einigung mit Vitra

 

Längst nicht alles, was stolze Markenmöbelanbieter nicht mögen, muss illegal sein. Schon seit Jahren sind gerade im Netz Shops unterwegs, die Markenmöbel günstiger anbieten. So wie Midmodern aus Pöcking am Starnberger See (INSIDE 1060), die sich 2019 vor dem Münchner Landgericht II mit Vitra verglichen hatten. Damals ging es darum, inwieweit die Hersteller ihre Vertriebswege kontrollieren können. Auch von möglichen Löschungen bei Ebay und Amazon war ursprünglich die Rede. Wie gesagt, man hat sich verglichen und Stillschweigen vereinbart. Betreiber Jens Semjan (inzwischen mit Ehefrau Julia gemeinsam Geschäftsführer) handelt nach wie vor mit verschiedenen Möbelmarken. Seine Einkaufsquellen aktuell: direkt beim Hersteller (etwa bei Artifort) beziehen oder bei autorisierten Fachhändlern. Auch heute handelt Midmodern recht prominent mit Vitra-Möbeln.

 

Ärger mit Amazon

 

Auch beim Affiliate-Marketing im Netz kommt es immer wieder zu Situationen, in denen sich Hersteller benachteiligt sehen. Im Affiliate-Marketing haben sich verschiedene Vergütungsmodelle etabliert. Allen gemein ist, dass ein kommerzieller Anbieter anderen Websites, die Kunden per Link anwerben, das vergütet. Aktueller Streitfall: Der 2004 gegründete Online-Matratzenhändler Bett1 von Adam Szpyt klagt derzeit vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gegen den Online-Giganten Amazon. Der Vorwurf: Amazon profitiere durch Affiliate-Links vermeintlich seriöser Webseiten, die vorgeben, ein Produkt getestet zu haben. Vor Gericht dient als Beispiel die in den USA beheimatete, deutschsprachige Website Schlafbook. Nun muss das Gericht klären, ob und wie Amazon dafür verantwortlich gemacht werden kann. Am 26. Januar soll der Urteilsspruch fallen.

 

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