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Standortanalyse

Weniger Boss, mehr kleinere Portas

15.11.2022 | 9:01

Rund 150-mal ist die Porta-Gruppe mit ihren Möbelhäusern, Boss-Discountern und den osteuropäischen Asko-Standorten in drei Ländern vertreten. Die Expansion läuft moderat weiter. Zuletzt wurden aber auch einige Filialen geschlossen.

 

„Die Porta-Gruppe verfügt über eine starke Substanz und trifft Entscheidungen entsprechend einer klaren Strategie, wenn es um die Eröffnung oder die Schließung von Standorten geht.“ „Kontinuierlich“ und „seit der Gründung im Jahr 1965“ analysiere das Unternehmen seine Standorte nach Faktoren wie Kunden- und Umsatzpotenzial, Kaufkraft, Kaufverhalten und Lage. Diese Sprachregelung bekam man in den letzten Monaten immer mal wieder zu hören, wenn man in Porta Westfalica nachfragte.

 

Nachfragen von Lokal- und Branchenjournalisten gab es einige, denn inzwischen wurden nicht weniger als zehn Boss-Märkte geschlossen. Mindestens ein weiterer wird in Kürze folgen. Zum 30.11. soll nun auch die mit fünf Mitarbeitern betriebene Porta-Küchenwelt in Essen ihre Pforten schließen, wo ein Boss-Standort ebenfalls schon durchs Raster gefallen war. Den Standort in Essen am Wolfsbankring hatte das Begros-Mitglied 2018 von Küchen Bücking übernommen. Ein generelles Aus für das Küchenwelten-Konzept kann man aus der Schließung in Essen nicht ableiten. Nach wie vor sind Küchenmärkte in Berlin-Mahlsdorf und Leipzig am Netz. In Essen reicht die Kaufkraft in der Umgebung allerdings nicht mehr aus, um das Küchenhaus rentabel zu führen.

 

Eine Entscheidung über die künftige Nutzung der Immobilie wurde noch nicht getroffen. Bevor die Entscheidung für eine Schließung fällt, geht man in Porta Westfalica wie folgt vor: Das Sortiment wird mehrere Male verändert und angepasst, das Marketing auf einen größeren Radius ausgeweitet und geprüft, ob mit einer Flächenerweiterung die Möglichkeit besteht, die Wettbewerbssituation deutlich zu verbessern. Speziell im Ruhrgebiet haben diese Maßnahmen an verschiedenen Standorten wohl nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

 

Die Porta-Neueröffnung in Neu Wulmstorf auf der anderen Seite ist ein Beispiel dafür, dass nach Kaufkraftanalyse an einzelnen Standorten auch auf ein höherwertiges Segment gesetzt werden kann. Hier hatte die Gruppe kürzlich einen Boss-Markt zu einem „kleinen Porta“ umgewandelt. Man kann folgende Äußerung aus der Unternehmenszentrale so auslegen, dass dies kein Einzelfall bleiben wird: „Das Ziel der Porta-Gruppe ist es, zukünftig durch die Ergänzung unserer Einrichtungshäuser durch kleinere Möbelhäuser auch in Mittelzentren und im ländlichen Umfeld zu expandieren. Damit tragen wir dem sich verändernden Kaufverhalten Rechnung, dass sich Kunden zunehmend im Internet informieren und sich in den Möbelhäusern dann von dem gewonnenen Eindruck überzeugen wollen. Die Entscheidung, in Neu Wulmstorf ein neues Konzept zu etablieren – die ganze Porta Welt und die Highlights aus dem Boss-Sortiment auf 6.000 qm – erfolgte nach einer Langzeitmarktbeobachtung auf Grund sich ändernder Umfeldbedingungen. So haben wir insbesondere an unserem Standort in Neu Wulmstorf eine verstärkte Landflucht von Hamburger Haushalten ins Dreieck ‚Altes Land – Harburger Berge – Niedersächsische Elbmarschen‘ festgestellt. Damit verbunden ist die stark gestiegene Nachfrage nach Hochwert- und Echtholzmöbeln sowie das Bedürfnis nach digitaler Information im hochwertigen Segment. Die Porta-Gruppe hat sich nach der entsprechenden Analyse dann dazu entschlossen, den bis dato im internen Ranking erfolgreich betriebenen Boss- Markt Neu Wulmstorf in ein Porta-Haus umzuwandeln, in dem die Highlights beider Marken gezeigt werden.“

 

Trotz der Discount-Krise, die den Möbelmarkt in diesem Jahr heftig erfasst hat, setzt Porta bei seiner Neustrukturierung nicht nur auf eine Ausdünnung des Standortnetzes, sondern punktuell auch auf Neueröffnungen. 2021 wurden die Boss-Filialen in Halle-Peißen und Tangermünde generalsaniert und in Weißenfels und Fürstenwalde zwei Standorte neu eröffnet. In diesem Jahr soll nach Eisenach im Winter noch eine Neueröffnung in Wismar folgen, wo Porta außerdem ein Fachmarktzentrum mit Lebensmitteldiscounter, Gartencenter, einem Bäcker und einer Elektrotankstelle gebaut hat.

 

Den Status quo gibt Porta so an: Die Unternehmensgruppe betreibt derzeit circa 150 Einrichtungshäuser und Möbeldiscount- Märkte in drei Ländern, darunter aktuell 28 Porta-Einrichtungshäuser und mehr als 90 Märkte von SB-Möbel Boss. Auch Asko in der Slowakei und Tschechien ist bekanntlich Teil der Gruppe. Die letzte im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz der Porta Holding für das von vier Monaten Lockdown beeinflusste Jahr 2021 weist Umsatzerlöse von 953,4 Mio (2020: 1,126 Mrd) Euro aus.

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