Kein Rezept, aber Maßnahmen
EMV und Garant luden zur Doppelmesse nach Rheda
Nach der Premiere in Leipzig 2021 fand die zweite EMMK-Ordermesse an diesem Wochenende erstmals auf Garant-Heimatboden statt, im A2 Forum in Rheda-Wiedenbrück, bei strahlendem Sonnenschein vor der Türe. Der Verbandsmesse-Reigen wurde an diesem Wochenende also eröffnet, ein intensiver November steht der Industrie bevor. Die EMV- und Garant-Händler können sich am umsatzstärksten Tag in der Woche nun wieder ums Möbel- und Küchen-Verkaufen kümmern.
EMV und Garant, die mittlerweile seit drei Jahren gemeinsam einkaufen, berichteten jeweils von Besucherzahlen etwa auf Vor-Pandemieniveau. Das Stimmungsbild kann man wie schon bei den Branchentreffs der letzten Wochen und Monate fast floskelhaft mit „besser als die Lage“ zusammenfassen. Schlechter reden als sie ist, will man die Lage ohnehin nicht. Aktuell sind es die erfolgsverwöhnten Küchenfachhändler, denen der Auftragseingang einbricht, auch wenn sie in der Auslieferung noch zu tun haben (Garant beispielsweise liegt im Bereich Küche kumuliert noch mit 15 Prozent im Plus). Im Möbelbereich dagegen war der Oktober nach einem fast verzweifelnd tiefen Sommerloch im Schnitt gar nicht mehr ganz so schlimm.
Grund zum Jubeln, das steht fest, hat aber aktuell keiner. Das liegt neben dem Kriegsschock und den inflationsbedingt fehlenden Budgets auch daran, dass der Möbelkonsum wieder stärker mit anderen Ausgaben konkurriert. Bei den Gutverdienern, die auch in der Krise noch Geld ausgeben, fließen sie oft in energetische Maßnahmen. Um bei den notwendigen Preislagen infolge der Inflation nicht komplett die Bodenhaftung zu verlieren, setzen Händler in der Platzierung Produkte mit weniger Funktionen ein. Küchenhändler beschäftigen sich zum Teil auch mit neuen Holz-Lieferanten, wenn ihre Stammlieferanten zu stark nach oben abdriften, haben die Verbandsvertreter beobachtet.
Die Liefer-Problematik bei E-Geräten hat sich erfreulicherweise entspannt, was zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass Händler sich bevorratet haben – und dadurch auch gleich die ein oder andere Teuerungsrunde umgehen konnten. Für die Geräte-Lieferanten wiederum bedeutet dieser Lagereffekt schwierige Aussichten für die Nachfrage in den kommenden Monaten. Mega-Thema nach wie vor: die weiterhin steigenden Energiekosten. Um diese Herausforderung zu stemmen, boten beide Verbände auf der Messe gemeinsam unterschiedliche Beratungsangebote von Energieberatern an.
EMV-Geschäftsführer Felix Doerr fasst die Lage so zusammen: „Die letzten Jahre mussten wir alle auf Sicht fahren. Das ist in Ordnung, aber den Radar sollte man nun auch noch anschalten.“ Und: „Rezepte, um durch die Krise zu kommen, haben wir nicht. Aber Maßnahmen. Das Rezept werden wir vielleicht im nächsten Jahr kennen.“ Aktuell sehen sich die beiden Verbundgruppen zum einen ein wenig als Mutmacher. Zum anderen werden die Mitglieder bzw. Gesellschafter auch ermuntert, wieder stärker in Marketingmaßnahmen und Lead-Generierung zu investieren. Die Zeiten, in denen Aufträge nur eingesammelt werden mussten, sind vorbei.
Das Geschäftsführer-Quartett Doerr, Torsten Goldbecker, Jens Hölper und Ulf Rebenschütz hob bei dem kleinen, lockeren, ganz ohne Agenda geführten Pressegespräch am Samstagvormittag auch nochmal hervor, dass auch für die Industrie Synergien entstehen, beispielsweise durch nur einen Messeauftritt statt wie früher zwei. Mit einem gebündelten Einkaufsvolumen von gerundet 2,5 Mrd Euro, davon je zur Hälfte Möbel und Küche, ist der EMMK ja auch ein beachtlicher Partner. Mit dem Vorteil der Risikostreuung. Dass XXXLutz auf einen Schlag Hunderte von Mittelständlern übernimmt, ist schließlich eher unwahrscheinlich, während die Übernahmen der Österreicher allein in diesem Jahr zeigen, dass ansonsten so gut wie nichts mehr sicher ist. Der XXXLutz-Einstieg bei moebel.de war es dann auch, der den EMV dazu veranlasst hat, sein Küchenportal nun beim zentralen Onlineshop homepoet.de zu integrieren.
Auf den insgesamt rund 10.000 qm Messefläche zeigten am Wochenende insgesamt 76 Lieferanten das gemeinsam verhandelte EMMK-Leistungssortiment plus ausgewählte Kollektionen und Konzepte von EMV und Garant. Weitere rund 20 Aussteller waren auf dem erstmalig im Rahmen der EMMK-Messe organisierten Premiumformat Interior Insights in der Halle 2 vertreten, das künftig im Zweijahresrhythmus an die Ordermesse angedockt werden soll. Dabei waren u.a. Leolux, Violetta, Mobitec, Tonon, Tommy M, Sleepeeze, Möller Design, Lambert, Treca, Strässle, Bacher, Erpo, Signet und Raumplus. In der Premium-Halle war dann auch die Garant-Marke Aera zu finden, die Nolte Polstermöbel als neuen Lieferanten aufgenommen hat. Neu bei Aera ist auch ein planungsintensives Schlafen-Programm von Sudbrock namens Sutera S und ein exklusives Tisch-System von Ronald Schmitt. 51 Leistungslieferanten hielten in Rheda die Stellung, zwei davon wurden neu aufgenommen: Knudsen für Stühle und Stralsunder Möbelwerke im Bereich Wohnen. Im Schlafen war Loddenkemper mit dem neuen Systemprogramm Maxx am Start, Hukla erstmals auch als Betten-Lieferant dabei. Darüber hinaus wurde ein neues Wohnen-Studio-Konzept mit einem Naturholz-Programm von Hartmann vorgestellt.
Garant zeigte seinen Mitgliedern u.a. ein Liva-Store-Konzept mit Schwerpunkt auf Polster. Dazu gehören ein neues Sesselsystem von DFM für kleine Flächen, Neuheiten von Himolla und dem stärksten Liva-Lieferanten Polsteria und u.a. auch erstmals die Dining-Bänke von Ponsel.
Beim EMV hatte das Küchen- und Bad-Vermarktungskonzept der Europa Möbel Collection (Lieferant: Nobilia) Premiere. Als Ziel haben sich EMC-Vertriebsleiter Oliver Hemmerich und Küchen-Einkaufschef Roland Brandl fürs erste Halbjahr 75 Lizenznehmer gesetzt. 25 davon hatten bereits am Samstagmittag unterzeichnet. Die Zahl der EMC-Lizenznehmer insgesamt war im vergangenen Jahr verbunden mit dem Relaunch von rund 300 auf 150 zurückgefahren worden. Nur diejenigen blieben an Bord, „die es auch leben“, so Hemmerich. Ein Pilot-Store wurde bei Multimöbel in Kirchhasel eingerichtet, wo andere Händler schauen können, wie die Kollektion im Optimalfall präsentiert werden soll.
Die EMV-Importkollektion bringt in ihrem siebten Jahr ein TV-Sessel-Sortiment aus jetzt 16 Modellen sowie Keramik-Esstische mit Funktion. 360-Grad-Aufnahmen für die Online-Vermarktung sind ebenfalls zu haben. Inverkehrbringer der Importware ist der Gesellschafter Maco aus Oldenburg.
Noch eine Bemerkung am Rand: Die Garant-Zahlen zu Mitgliedern und Umsatzentwicklung der einzelnen Module gibt es erst Ende März, wenn die Jahreszahlen bekannt sind. Dass in der Vergangenheit gewohnheitsmäßig im November ein „krummes“ Zahlenwerk veröffentlicht wurde, hing in erster Linie mit dem Messetermin zusammen.