Stress mit dem Standard
Kika/Leiner in rauen Benko-Zeiten
Es vergeht derzeit kein Tag ohne Benko-Schlagzeile. René Benko hat sich sicher schon mehr mehr gefreut über die Aufmerksamkeit, in Zeiten des scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs etwa. Gerade geht es eher andersherum: Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt, die deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist erneut beim Amtsgericht. In den Zeitungen stehen jetzt viele Porträts mit unschönen Überschriften wie gerade in der Zeit: „Ein Mann wollte nach oben.“
Unten ist Benko deshalb noch lange nicht. Doch es gibt viel Unruhe. Und in solchen Zeiten werden dann naheliegenderweise auch andere Benko-Investments genauer beleuchtet, Kika/Leiner zum Beispiel. Über die einstige Nummer 1 auf dem österreichischen Möbelmarkt (lange her) wurde schon auf den Herbstmessen getuschelt. Benko schieße da nun kein Geld mehr rein, hörte man, als es auf den Abschluss des nun dritten Geschäftsjahres unter Signa-Flagge hinauslief. Das Kika/Leiner-Geschäftsjahr endet Ende Oktober. An diesem Wochenende holte der österreichische Standard dann groß aus: „Sperrige Investition: René Benko trennt sich von Kika/Leiner-Filialen“ Unterzeile: „Der Einzelhandel wird für Immobilieninvestor René Benko zusehends zum harten Pflaster. Sein Konzern Kika/Leiner will in Österreich einzelne Möbelhäuser aufgeben.“
In dem Artikel wird dann kurz die allgemein harte Landung des Möbelhandels thematisiert, die unguten Prognosen und die Kaufzurückhaltung, mit der die Branche zu kämpfen habe. Viel Platz bekommt aber dann ein Gerücht: „Wie Der Standard erfuhr, stehen etliche Möbelhäuser der Gruppe zum Verkauf. In der Branche ist von vier bis 15 Standorten die Rede, die in Österreich derzeit auf dem Markt angeboten werden.“
42 Häuser betreibt die Gruppe derzeit. Von den hohen Verlusten in der 2021-Bilanz ist zudem die Rede. Die aktuelle Bilanz ist noch nicht einzusehen. Neben der vagen und doch recht flüchtigen Zahl der vier bis 15 Häuser, die angeblich zur Disposition stünden, stand in dem Standard-Text noch, dass die neue Küchenschiene Eskole nicht laufe und das Eskole-Studio in Linz wieder geschlossen werde.
Anruf bei Reinhold Gütebier am Sonntagmittag. Die Pressemitteilung, die mittlerweile in den österreichischen Medien bis zum ORF als Reaktion auf den Standard-Artikel die Runde macht, war da noch in Arbeit. Am Abend zuvor hatte sich Gütebier mit Benko am Telefon abgestimmt, um zu klären, wie man mit dem Standard-Artikel nun umgehen sollte. Man einigte sich auf eine Gegenoffensive, erst per Pressemitteilung am Sonntag, dann mit Anzeigen zum Start in die Woche. Botschaft: Nix werde geschlossen bei Kika/Leiner.
Gütebier, im August 70 geworden und seitdem mit neuem Kika/Leiner-Vertrag bis Ende 2024 ausgestattet, hat die erneute Zusicherung aus dem Gespräch mit Benko mitgenommen, dass es keine Planänderung gebe. Sie mündete dann in dem prägnanten Satz: „Es wird keine Schließungen geben.“ Der Satz gilt für das laufende neue Geschäftsjahr, kam dann am Nachmittag auch dick per OTS durch den Äther. Der Standort Linz muss hiervon ausgenommen werden, aber dazu ein andermal.
Gütebier am Sonntag: „Wir liegen in unserem Sanierungsplan genau da, wo wir sein wollten nach drei Jahren. Dass die Krise uns jetzt zusetzen wird, ist doch klar. Aber wir setzen alles daran, das Unternehmen weiterhin auf stabile Beine zu stellen.“ Zur Frage, ob René Benko weiter Geld in Kika/Leiner stecken wird, lässt sich Gütebier keine Antwort entlocken. Im Statement an den großen Verteiler geht’s nochmal offensiver nach vorne: „Trotz aktueller Herausforderungen, die die gesamte Branche treffen, wird Leiner/Kika seinen eingeschlagenen Kurs konsequent fortführen. Alle Einrichtungshäuser bleiben erhalten, insbesondere in IT und Online wird investiert und auch die Marke Eskole soll mittelfristig in weitere Städte expandieren."
Angefragt hatte Der Standard bei Gütebier im Vorfeld übrigens mit einem Fragenkatalog für einen Text, in dem angeblich der österreichische Möbelmarkt beleuchtet werden solle. Am Ende ging es wohl aber eher um eine Verpackung für eine Anfrage zu den angeblichen Schließungen. Auch nicht ganz sauber.