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„Transformation“

Antrag auf Eigenverwaltung für Hülsta und Dihug

18.10.2022 | 14:28

In drei aufeinanderfolgenden Terminen wurden heute ab 11:45 Uhr die Beschäftigten der Hülsta-Standorte Stadtlohn und Ottenstein über die Anträge auf Insolvenzeröffnung in Eigenverwaltung informiert, die ihr Chef Dr. Thomas Knecht „aufgrund der besonderen Marktbedingungen“ beim Amtsgericht in Münster für zwei Gesellschaften gestellt hat. 

 

Konkret geht’s um die Hauptgesellschaft Hülsta-Werke und die zentrale Dienstleistungsgesellschaft Dihug, die nach dem Insolvenzantrag operativ weiter machen. Nicht direkt betroffen sind beispielsweise der Zulieferer Hobb und das Logistikunternehmen SLC.

 

Dr. Thomas Knecht, Alleingesellschafter der Hülsta AG & Co. KG, kommuniziert den Liquiditätsengpass in Stadtlohn mit blumigen Worten: „Gerade in diesen unsicheren Zeiten aktualisieren wir nicht nur unser Sortiment, sondern müssen auch an der Aufstellung der Gesellschaften in der Hülsta-Gruppe arbeiten. Die Flexibilisierung der Organisation und die schlanke, effiziente Ausrichtung sind wichtig, um die Unternehmen in diesen herausfordernden Zeiten auf die Zukunft auszurichten.“ Und zur Erklärung: „Die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend geändert: Die staatlich angeordneten Maßnahmen des Lockdowns im Zuge der Pandemie haben uns in unserem anhaltenden Restrukturierungsprozess erheblich ausgebremst. Hinzu kommen jetzt beispielsweise horrende Energiekosten für die etwa 100.000 Quadratmeter Produktionsfläche der Hülsta-Werke und massive Preissteigerungen bei Rohstoffen und in der Zulieferung sowie eine allgemeine Kaufzurückhaltung, die im Gesamtmarkt deutlich wird.“ Man arbeite „an der Aufstellung und Effizienz der knapp 50 Gesellschaften“ der Hülsta AG & Co. KG, so Knecht.

 

Zweifelsohne hat die Gruppe schwere Zeiten hinter sich und steht bekanntlich unter Dauer-Restrukturierung, so dass der nun notwendig gewordene Schritt kaum auf den Markt allein zurückgeführt werden kann. Entsprechend wenig überrascht reagierte dann auch der ein oder andere im Markt, zu dem sich der Insolvenzantrag im Laufe des Vormittags schon herumgesprochen hatte. Auch die Handelspartner sind mittags in einem zweiseitigen Schreiben informiert worden.

 

Auf dem Umsatz-Höhepunkt vor gut einem Jahrzehnt standen rund 800 Mio Euro in den Büchern der Hüls-Gruppe. Verschiedene Restrukturierer und Sanierer waren an Bord, Teile der Gruppe wie Parador, Rolf Benz, Ruf und Loddenkemper wurden verkauft, andere wie Arte M beerdigt. Was blieb, ist der Kern, der laut der letzten veröffentlichten Bilanz noch gut 140 Mio Euro auf die Umsatzwaage brachte. 

 

Knecht pushte nach seinem Einstieg, zunächst als „größter Einzelgesellschafter“, seit diesem Frühjahr dann als Alleingesellschafter, die Hauptmarke Hülsta, für die zuletzt sogar ein Küchenlieferant gesucht worden sein soll – ein alter, immer wieder rausgekramter Hut eigentlich seit Jahrzehnten. Auch der Hülsta-Individual-Showroom am Maximiliansplatz in München, offiziell eröffnet vor einem Jahr, ist im Markt immer wieder Thema.

 

Fürs Protokoll: Aktuell hat die Hülsta-Gruppe noch zwei Gesellschafter, nämlich die Dr. Knecht No. 1 GmbH mit 40 Prozent der Anteile und seit Kurzem dann auch die Dr. Knecht No. 2 GmbH, die die übrigen 60 Prozent von der Familie Hüls erworben hatte. Finanzielles Back-up soll Knecht von einem Family-Office namens Drengenberg erhalten haben.

 

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