Erneut Probleme
Toluoldiisocyanat (TDI) wieder Mangelware (Update)
Der Fachverband Matratzenindustrie schlägt Alarm: Wie schon 2020 ist der zur Herstellung von Matratzenschaum notwendige Grundstoff Toluoldiisocyanat (TDI) schwer zu bekommen. TDI wird nur von wenigen Herstellern in Europa überhaupt geliefert, etwa von BASF und Covestro. Bei den Produzenten war es im September 2020 und im darauffolgenden Monat zu Produktionsausfällen gekommen, schon damals eine extrem ungünstige Situation. Jetzt herrsche erneut eine Materialverknappung bei dem Rohstoff. Zuletzt hätten demnach im August bei Covestro die Produktionsanlagen stillgestanden. Force Majeure, lautete demnach die Begründung. Da laut Matratzenverband nur drei Hersteller in Europa überhaupt als Lieferanten infrage kommen, sind solche Ausfälle natürlich bedeutend. Zu kämpfen haben mit der Verknappung alle Schäumer und Hersteller, die Schaum brauchen – von der Matratze bis zu den Polstern. „Es ist wirklich unglaublich, es hört nicht auf“, sagt ein großer Polster dazu am Dienstagnachmittag.
Vor etwa zwei Jahren waren Ausfälle von Anlagen oder deren Reparatur wohl das Hauptproblem. Aktuell gibt der Matratzen-Verband in deutlichen Worten diesen Hinweis: „Unter Branchenkennern verfestigt sich der Verdacht, dass hinter diesen Störungen ein System steckt.“ Zudem geben die Wuppertaler durch, dass sich die Situation für die Matratzenhersteller in Deutschland dramatisch darstelle. Ohnehin litten die Produzenten schon unter den Preissteigerungen im Materialbereich und bei den Gas- und Strompreisen.
Zu den Gründen und der Häufigkeit des aktuellen TDI-Mangels haben wir bei Covestro und BASF angefragt. Sobald eine Antwort eintrudelt, geben wir natürlich ein Update.
Update: Der Chemie-Riese BASF hat inzwischen reagiert. „Gegenwärtig beliefern wir unsere europäischen Kunden aus unserem globalen Produktionsnetzwerk“, heißt es. Das umfasst nicht nur Europa. „Wir betreiben TDI-Anlagen in Ludwigshafen (Deutschland), Yeosu (Südkorea), Caojing (China) und Geismar (Louisiana, USA) mit einer Gesamtkapazität von rund 780.000 Tonnen.“ Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen mache man keine Angaben zum Produktionsvolumen einzelner Anlagen.
Ob importiertes TDI, oder in der EU hergestelltes: Die Ludwigshafener verweisen auf ein hohes Preisniveau. Erdgas sei „eine Schlüsselkomponente für die Produktion von TDI und das Marktumfeld in Europa bleibt aufgrund hoher Rohstoffpreise herausfordernd.“ BASF beobachte die Situation genau und passe die Betriebsraten kontinuierlich auf der Grundlage von Marktanforderungen und Kosten an, „um eine nahtlose Versorgung unserer Kunden zu gewährleisten“, schreibt eine Sprecherin des Unternehmens.