Investieren in harten Zeiten
Wer macht jetzt Interlübke?
Die Brüder Frank Dieter und Dr. Ralf Oehmke, Inhaber der Domovari GmbH, haben Interlübke gekauft und planen ein langfristiges Engagement in Rheda-Wiedenbrück, bei der wohl mit bekanntesten Kastenmöbelmarke im Land. Domovari wer? Ein Anruf in Krefeld.
Sie hatten schon mal angeklopft, einst bei Leo Lübke. Später hatte auch Axel Schramm bei den beiden Inhabern der Domovari GmbH, bei Frank Dieter und Dr. Ralf Oehmke in Krefeld, dann nochmal gefragt, ob denn noch Interesse bestehen würde. Gepasst hat es dann lange nicht. Mal war der Zeitpunkt doof, mal der mögliche Kaufpreis ein bisschen aus der Welt für die beiden Unternehmer aus Krefeld, die sich dort mit ihrer Manufaktur als Spezialist für hochwertige Badmöbeleinrichtung bei Architekten, Planern und hochwertigen Installationsbetrieben einen Namen gemacht haben. Aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Und so hat Familie Oehmke nun zugegriffen.
Schon vor mehr als zwei Jahren hatte Schramm- und Interlübke-Geschäftsführer Martin Kaus auf einer Betriebsversammlung in Rheda-Wiedenbrück durchgegeben, dass die Familie Schramm nach einem Käufer für Interlübke suche. Der Markt und auch die Mitarbeiter vor Ort stiegen nicht recht durch, was es mit dieser Ansage dann zwei Jahre lang auf sich haben sollte, in denen sich im Verkaufsregal nichts tat. Schob man dann auf den bekannten Zwist in der Gesellschafterfamilie Schramm. Doch die Verunsicherung in der Belegschaft war groß. Die Geschäfte liefen dennoch gut weiter bei Interlübke, zuletzt offenbar sogar recht gut. Und so war es irgendwie dann auch wieder eine Überraschung, als sich im Juli andeutete, dass es nun doch plötzlich so weit sei. Zwischenzeitlich war in der Gerüchteküche sogar davon die Rede, die gesamte Schramm-Holding könnte den Besitzer wechseln. Dem war dann nicht so. Schramm gehört weiterhin den Geschwistern Schramm. Und die Geschwister Oehmke haben am 12. August den Interlübke-Kaufvertrag unterschrieben. Zu sehr fairen Konditionen, wie man hört.
Mitte August war abzusehen, dass die Welt, das Land und der Möbelmarkt in harte Zeiten steuern würden. Die ganze Dramatik aber wohl nicht. Dr. Ralf Oehmke hätte es dennoch gemacht, sagt er. Man trifft sich auf Teams. Oehmke, an der RWTH in Aachen ausgebildeter Maschinenbau-Ingenieur, weiß, dass Domovari im Möbelmarkt und vor allem er und sein Bruder noch kaum einen Namen haben. Doch sie haben mit Interlübke was vor. Und um das auch langfristig machen zu können, brauchen sie den Markt. Ein INSIDE-Anruf zur rechten Zeit, so scheint’s. Oehmke sagt: „Wir glauben fest an die Idee. Wir werden in die Produktion investieren, wir werden viele Felder finden, auf denen Domovari und Interlübke gut zusammenarbeiten können, wo sie sich ergänzen und befruchten.“ Man denke eher an Jahrzehnte als Jahre.
Domovari sitzt direkt am Autobahnkreuz in Krefeld, auf rund 26.000 qm. Genutzt werden für die eigene Badmöbel-Manufaktur deutlich weniger. Rund 5,5 Mio Euro Umsatz hat Domovari im vergangenen Jahr gemacht. Der Anbieter hat eine bunte Reise hinter sich seit der Gründung Ende der 80er Jahre. Denn gegründet wurde Domovari einst vom Stuttgarter Küchenhändler Rolf Obert, der mit dem Küchenarbeitsplattenmaterial Corian damals seinen Markt suchte. Es ging nach Thüringen nach der Wende, es wurde aber kompliziert. Oehmkes stiegen ein. Und bauten nach und nach Domovari als Badmöbelspezialisten, der möglichst viele Materialien beherrscht, in Westfalen wieder auf.
Die beiden Domovari-Inhaber sind um die 60, haben beide sechs Kinder – und sind alles andere als Hasardeure. Oder Investoren im klassischen Sinn. Sie sind mittelständische Unternehmer, die Bock haben, die Dinge zu entwickeln. Sie haben durchaus wahrgenommen, dass Wohnräume verschmelzen, dass Material und Qualität eine immer größere Rolle spielen. In Krefeld arbeiten 45 Mitarbeiter, gefertigt wird nach Maß, Losgröße 1, nahezu alle Materialien können sie in Fronten und Schränke stecken. Und genau dieses Know-how soll auch für Interlübke geöffnet werden.
In Rheda-Wiedenbrück geht keiner der Oehmkes in die Geschäftsführung. Der vor einem Jahr eingestiegene Interlübke-Geschäftsführer Sebastian Freund genießt das Vertrauen. Vertriebsleiter Martin Brömse bleibt ebenfalls an Bord. Im Marketing wird aufgestockt. Rund 20 Mio Euro hat Interlübke im vergangenen Jahr Umsatz gemacht – mit rund 155 Mitarbeitern. Aufgestockt wird personell sicher nicht, eher natürliche Fluktuation genutzt. Man wolle in Rheda-Wiedenbrück aber „mitnichten sparen“, sagt Oehmke. Den Domovari-Eignern ist klar: Die Fertigung braucht eher frische Maschinen.
3 Mio Euro, das sei fest eingeplant, sollen in die Interlübke-Produktion in den kommenden zwei Jahren investiert werden. Termine mit Maschinenbauern seien gemacht. Themen wie Zuschnitt, Kante und Oberfläche stehen nach und nach auf der Agenda. Als OEM-Produzent soll die Fertigung erstmal nicht mehr angelegt sein. Man wolle sich voll und ganz auf das Interlübke- Sortiment konzentrieren, sagt Oehmke. Collection-C-Macher Ralf Hentschel hat längst ausgecheckt in Rheda-Wiedenbrück und ist mit Femira/Loddenkemper als weiterem Partner angetreten.
Produktentwicklung und Marketing wolle man zukünftig gemeinsam angehen, sagt Oehmke. Ein IMM-Aufschlag im nächsten Juni ist nicht geplant. Showroom-Tage im Frühjahr dafür aber. Ein neues Schranksystem ist in der Pipeline. Schon länger. Aber jetzt soll es was werden. Familie Oehmke ist klar: Interlübke braucht mehr als den Namen. Man will auch wieder für kreativen Gesprächsstoff sorgen – mit Ideen im Produkt.