Von Rolltreppe aus bis Montag zu
Wie der Möbelhandel auf die Energiepreise reagiert

Angesichts der Energiekrise müssen viele Einzelhändler jetzt schnelle Entscheidungen treffen, um die explodierenden Kosten in den Griff zu bekommen. Die Türen im Winter nicht mehr dauerhaft auf Durchzug zu lassen und nachts die Außenbeleuchtung abzuschalten gehört schon zum Standard und ist mittlerweile auch politisch geregelt.
Galeria Kaufhof oder Saturn schalten laut Bild-Zeitung bereits Rolltreppen aus, auch bei Ikea wird das laut einem Medienbericht überlegt. Polsterfilialist Kabs hat schon Nägel mit Köpfen gemacht. Andreas Bartmann, Geschäftsführer des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter, gleichzeitig Präsident vom Handelsverband Nord äußerte sich so: „Es zeichnet sich eine breite Entwicklung ab, die Öffnungszeiten nachhaltig zu reduzieren.“ Und Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des DIY-Branchenverbands BHB erzählte kürzlich der Lebensmittel-Zeitung, dass manche Gartencenter sogar in Betracht zögen, während der schwachen Saison im Januar oder Februar komplett zu schließen. Baumärkte prüften eine Reduzierung der täglichen Öffnungszeiten.
Ähnlich große Hallen wie Bau- und Gartenmärkte haben bekanntlich viele im Möbelhandel zu bewirtschaften. Einige haben es schon beschlossen, andere überlegen zumindest: Die Fünf-Tage-Woche wird im Möbelhandel künftig keine Ausnahme mehr sein. Da ständiges An- und Abdrehen der Heizung wenig sinnvoll ist, geht es dabei wohl hauptsächlich um die Strom- und Fahrtkosten.
Fix kommt die Fünf-Tage-Woche vom 1.10. bis 31.3. beispielsweise beim VME-Händler Möbel Schaumann mit Einrichtungshäusern in Kassel und Korbach, und auch ein größeres Küchenhandelsunternehmen hat die Entscheidung getroffen. Schaumann bezieht Energie momentan am Spotmarkt. Die Preisschwankungen von Tag zu Tag haben es in sich. Also habe man sich dazu entschlossen, die Häuser ab dem Herbst montags geschlossen zu lassen, berichtet CEO Lena Schaumann. Zwar sei der Montag ein bisschen stärker als der Dienstag oder Mittwoch. „Doch wir reden hier nur von 2 Prozent“, sagt Schaumann. Alle Mitarbeiter wurden ins Boot genommen. Es wurde viel diskutiert. Weiterer positiver Effekt: Durch den Montag bekommen die Mitarbeiter an zwei aufeinanderfolgenden Tagen frei. In Holland ist es seit Langem Usus, dass Möbelhäuser montags zu sind wie bei uns der Friseursalon. Auch Marquardt Küchen handhabt das schon ewig so.
Auch das Essener EMV-Mitglied Möbel Hensel wird ziemlich sicher die Öffnungszeiten reduzieren, voraussichtlich morgens etwas später öffnen und abends früher schließen. Um Strom zu sparen. „Momentan ist das wichtigste Thema überhaupt, die Kosten in den Griff zu bekommen“, so die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hamann-Hensel. In Essen arbeiten sie wegen der explodierenden Energiekosten mit einer Energieberatung zusammen. Da geht es auch um recht pragmatische Dinge wie Strahler rauszuschrauben. Davor den Montag ganztägig zu schließen, scheut sich das mittelständische Handelsunternehmen allerdings. Hamann-Hensel: „Der Montag ist kein schlechter Tag und wir stehen hier im Umfeld in starkem Wettbewerb mit der Großfläche.“
Ähnlich soll man sich auch beim Verbandskollegen Segmüller positioniert haben. Hier geht die Tendenz auch eher in Richtung früherer Schließung am Abend, um Stromkosten zu sparen. Für Robert Kabs kommt ein kompletter Schließtag pro Woche aktuell ebenfalls nicht in Frage. Er wäre lieber an sieben Tagen pro Woche für die Kunden da, meint er. Auch um gegenüber dem Onlinehandel bestehen zu können.
Bei Möbel Frey in Cham denkt Geschäftsleiter Helmut Hagner ziemlich intensiv über einen geschlossenen Montag nach. „Wir hoffen aber, dass es eine Branchenlösung gibt“, sagt er. „Ein Flickenwerk darf es nicht geben.“ Das wäre klarer für die Kunden. Hagner geht es auch nicht nur um Energiesparmaßnahmen. Er hofft, dass der Möbelhandel als Arbeitgeber für potenzielle Mitarbeiter interessanter würde, wenn sie zwei freie Tage am Stück bekämen.
Eine etwas skurril anmutende Energiesparmaßnahme aus dem Möbelhandel sorgte übrigens kürzlich für einen Shitstorm auf Twitter, innerhalb einer anderen Bubble aber auch für mindestens so viel Applaus: Die Ikea-Restaurants in Würzburg und Bremerhaven hatten aus Klimaschutzgründen Pommes Frites aus dem Angebot genommen. Der Hinweis aus Würzburg: „Kleine Idee, große Wirkung: Eine Portion Pommes Frites verursacht in der Verarbeitung und Zubereitung über viermal so viel CO2 wie eine Portion Salzkartoffeln.“ Man hat ohne Ikea-Pommes auch nicht viel verpasst, sollte man meinen.