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Neue Geschäftsmodelle im Anflug

Was die Elektrogeräteindustrie auf der IFA zeigen wird

02.09.2022 | 9:42

Endlich wieder „echte“ IFA – mit Publikum und allem Drum und Dran. Die heute startende IFA in Berlin unterscheidet sich von den bisherigen in einigen Punkten. Nach der Pandemie-Pause, den Querelen um die Messe als solche und von manchem schon prognostiziertem geringerem Publikumsandrang dürfte die neue IFA als eine bescheidene IFA in die Messe-Geschichte eingehen.

 
Natürlich gibt es große Stände von mehreren Tausend Quadratmetern, natürlich werden die üblichen Rekorde aufgestellt (mehr Pixel, mehr Brillanz, noch kleiner, noch dünner). Aber die Hersteller sind unisono um einiges dezenter unterwegs als bei vielen der vergangenen IFAs. Die Zeiten sind kompliziert.
 
Was will die Elektrogeräteindustrie in den kommenden Monaten absetzen? Fast alle Firmen betonen, wie nachhaltig ihre Produkte sind. Der große Wettbewerb aktuell: besser als die beste Effizienzklasse sein und noch weniger Stromverbrauch bieten. Unter denen, die hier besondere Klasse für sich reklamieren sind natürlich die üblichen Verdächtigen: Miele, Samsung und LG aber auch Bosch und Siemens, die bei einzelnen Geräten bis zu 10 Prozent mehr Energieeffizienz als in der derzeit schärfsten Norm versprechen.
 
Auch Electrolux und AEG haben energiesparende Modelle angekündigt. Beim Thema „besser als die beste Norm“ kündigt Samsung sogar ab 2023 „für alle seine Haushaltsgeräte eine zusätzliche Energieeinsparung von 10 Prozent über den höchsten Energiesparstandard hinaus“ an. Samsung ist inzwischen – wie Vorbild Miele – auch dazu übergegangen, für Geräte mit 20 Jahren Lebensdauer zu werben (Details finden Sie hier und hier bei INSIDE Küche). Mancher Hersteller bewirbt auch den verstärkten Einsatz von recycelten Materialien in seinen Produkten, etwa Electrolux. In allen Konzernen haben die Ingenieure also ihren Job gemacht.
 
Doch auch die Softwarespezialisten waren nicht untätig: Alle Firmen und Marken bauen ihre Apps und Ökosysteme weiter aus. Das ermöglicht zum einen die Verbesserung auch der Leistungen der Geräte, bietet aber auch viele Möglichkeiten für Kooperationen und neue Geschäftsmodelle. Neue Geräte kommen mit immer mehr Möglichkeiten der Vernetzung daher. Das Internet oft Things (IoT) entwickelt sich im Bereich der Haushaltsgeräte also weiter. Und auch einige der Ökosysteme der Elektroindustrie eignen sich für die Komplett-Vernetzung im Haus, zumindest theoretisch.
 
Vom neuen IoT-Standard Matter hat man in den Ankündigungen noch nichts gelesen. Dessen Marktstart hatte sich etwas verzögert. Matter soll dafür sorgen, dass die bislang existierenden „Technologie-Inseln“ auch gut miteinander verbunden werden können, auch praktisch. In den Vorankündigungen taucht das Thema nicht auf. Wie kürzlich berichtet, wird Ikea in wenigen Wochen seinen ersten Matter-Hub auf den Markt bringen.
 
IoT ermöglicht auch neue Geschäfte. Hier greift die zu Haier gehörende Marke Candy eine Idee von Amazon auf, die als erste versuchten, automatisierte Bestellungen an Waschmaschinen und anderen Geräten zu ermöglichen, Amazon Dash hieß der inzwischen eingestellte Service, für den noch kleine IoT-„Dash Buttons“ an die Maschine geklebt werden mussten. Candy ist da natürlich weiter und wird erstmals ihren bereits in anderen Märkten eingeführten Dienst „WashPass“ vorstellen, ein Abo-Modell, das anstelle des Kaufs einer Waschmaschine tritt. Funktioniert so: Gezahlt wird pro Waschladung, die Waschmaschine kommuniziert mit dem Smartphone des Nutzers. Waschmittel werden automatisch dosiert. In den Maschinen wird ein spezielles eigenes Waschmittel verwendet. „Damit soll der Waschvorgang über 70 Prozent effizienter und umweltverträglicher sein“, heißt es. In Großbritannien liegt das Pricing des dort bereits 2020 eingeführten Pay-per-Use-Modells bei einer Vorauszahlung von 69 Pfund, einer fixen Monatsgebühr von 6,90 Pfund pro Monat plus 80 Pence pro Waschgang. Kunden erhalten dafür eine Waschmaschine mit 9-kg-Trommel mit WLAN-Verbindung (Normalpreis: über 500 Pfund). Die Wartung sowie das Waschmittel sind inbegriffen. Es wird spannend sein, zu sehen, ob und wie sich dieses Modell in Deutschland durchsetzen kann.
 

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