Lange nicht mehr nur Sitzsäcke
Fatboys Strategie unter dem Calligaris-Dach
Vor einem Jahr hat die Calligaris Group Fatboy übernommen. An der Strategie hält man unterdessen weiter fest.
Es war durchaus ein ungewöhnlicher Schritt, als vor rund einem Jahr die italienische Calligaris Group (Umsatz 2020: 142 Mio Euro) die Übernahme der holländischen Marke Fatboy bekanntgab. Es ist das erste nicht-italienische Unternehmen, das sich die übernahmehungrige Gruppe einverleibt hat (INSIDE 1119). Zum Verkauf angeboten wurde Fatboy von Eigner Vendis Capital, der seinerseits 2017 Fatboy vom Gründer Alex Bergman gekauft hatte. Über den Tisch gegangen ist Fatboy mutmaßlich für 120 Mio Euro. Nach all dem Hin und Her setzt man jetzt wohl auf Kontinuität. Calligaris-Eigner Alpha Private Equity hat zumindest stets betont, langfristig engagiert zu sein.
Im Ganzen ist Fatboy damit sozusagen ein europäisches Projekt: Entworfen von der Finnin Jukka Setälä, die sich vom britischen Musiker Norman Cook alias Fatboy Slim inspirieren ließ, dann patentrechtlich erstmals vermarktet vom Holländer Alex Bergman, ist der Sitzsack, der mittlerweile zur Lifestyle-Marke wurde, nun in italienischer Hand. Und offenbar läuft es gut. Auf 55 Mio Euro Umsatz kommt das Unternehmen aktuell, das gemeinschaftlich von einem weiblichen Duo geführt wird: von Geschäftsführerin Petra Vos, die ihr Amt 2018 antrat, und Creative Director Pauline Barendregt, die lange Zeit in der Modebranche tätig war und 2019 zu Fatboy kam. „Wir haben in den letzten Jahren ein sehr starkes Wachstum mit Steigerungen von über 20 Prozent pro Jahr erlebt“, sagt Barendregt. „Seit 2019 haben wir unseren Umsatz um über 60 Prozent gesteigert.“
Die 55 Mio Euro werden bei Weitem nicht mehr allein mit dem Sitzsack gemacht. Das ikonische Möbelstück macht nur rund 20 Prozent des Umsatzes aus. Seit 2020 forciert Fatboy seine Strategie mit erhöhtem Tempo, die Produktpalette nach und nach zu erweitern. Ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Aktuell haben die Sitzsack-Strategen – neben dem starken Outdoor-Bereich – den Indoor-Bereich im Visier, vor allem das Wohnzimmer. Im Herbst soll ein neues Wohnzimmer-Sofa vorgestellt werden.
„Wir haben einige Jahre an der Entwicklung dieses Sofas gearbeitet“, sagt Barendregt. Das Besondere an der Fatboy-Kollektion erklärt sie so. „Es gibt Hersteller, die sich zum Beispiel auf Beleuchtung spezialisiert haben und deshalb für ihr Sortiment eine ganze Reihe unterschiedlicher Lampen produzieren. Andere sind auf Wohnmöbel spezialisiert und produzieren immer wieder neue Wohnmöbelvarianten. Wir aber kreieren unsere eigene Welt. Wir stellen also beispielsweise nur eine Outdoor-Couch her – und werden nicht in der nächsten Saison eine andere entwerfen. Uns geht es um künftige Ikonen.“ Barendregt gehe es darum, „nicht nur die Kirschen“, also den Sitzsack, zu verkaufen, „sondern den ganzen Kuchen“.
Ein Jahr nach der Übernahme hat sich an dieser Strategie nichts geändert. „DieÜbernahme fand deshalb statt, weil Calligaris schätzt, was wir tun“, sagt Barendregt und vergleicht es mit einer „glücklichen Ehe, in der jeder vom anderen lernt“. Natürlich nutzt Fatboy das globale Calligaris-Netzwerk von Vertretern und Händlern, um sich international noch besser zu entwickeln. Mit dem Auftritt in Mailand machte Fatboy einen wichtigen Schritt in Richtung Internationalisierung. Trotz allem ist Fatboy heute schon in 65 Ländern auf der Welt aktiv, hat bereits seit 2007 eine eigene Organisation in den USA.
Dass Fatboy allerdings in Calligaris-Shops zu finden sein wird, so weit soll die Ehe nun doch nicht gehen. Bis auf wenige Ausnahmen – wie etwa in München – werden beide Markenwelten strikt voneinander getrennt. „Fatboy hat eine andere Markenidentität und spricht auch eine andere Käufergruppe an als Calligaris“, sagt Barendregt. Fatboy lebt von der engen Partnerschaft mit den Händlern, auch wenn man in Holland bereits mal über einen eigenen Fatboy-Shop nachgedacht hat als eine Art Museum zur Präsentation der gesamten Produktpalette. Für Barendregt ist aber klar: „Die Einzelhandelspartner, mit denen wir zusammenarbeiten, sind sehr wichtig. Sie sind unsere treuen Partner, einige arbeiten bereits seit vielen Jahren mit uns auf dem deutschen Markt zusammen, und sie haben einen großen Anteil an unserem Erfolg! Wir wissen, dass viele Verbraucher den persönlichen und professionellen Service, den unsere Partner ihnen bieten, wenn sie die Geschäfte besuchen, sehr schätzen.“