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Garbes Sprung

Stilwerks große Pläne

29.07.2022 | 10:58

April 2021: Schluss war‘s fürs Stilwerk in der Berliner Kantstraße. Die Lizenzvereinbarung zwischen dem Stilwerk-Macher Alexander Garbe und der CBRE Global Investors Germany GmbH lief aus (INSIDE 1111). Nach erfolgreichen Jahren im Westen der Hauptstadt musste Garbe also die Koffer packen. Die Fläche im neuen Living Berlin wurde reduziert, das oberste Stockwerk nun endlich eliminiert und zu Büroflächen umgebaut. Etwas unpassend, so finden das stolze Stilwerker, jetzt Living-Berlin-Mieter. Das schade in der kaufkräftigen Klientel mehr, als es helfe, sagt einer. Ein andere sagt: „Bis auf den Namen und das Obergeschoss, das renoviert worden ist, hat sich nicht viel verändert. Läuft alles so, wie Möbel eben gerade laufen. Es ist schwierig, aber das Konzept hier geht weiter auf.“

 

Früher gab es Stilwerke in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart, Wien und Dortmund. Heute gibt es noch Stilwerke in Hamburg und Düsseldorf. Garbe, der als sehr kreativ, aber auch sehr beratungsresistent gilt, will nach dem Huddel in Berlin zurück in die Hauptstadt. Und die jüngste Garbe-Offensive erstaunt so dann doch einige.

 

Ein neues Objekt hat der stolze Stilwerk- Macher, der einst von Hamburg aus und mit Weggefährten wie Clic-Macher Alexander Raab eine so tolle Marke aufgebaut hat, auch wieder gefunden in Berlin: die Kant-Garagen in Charlottenburg. Nicht weit weg vom Living Berlin, also dem alten Stilwerk. Hört man sich im Markt um, so ist schnell klar: Es wird eine komplexe Nummer für Garbe, mit dem Stilwerk und guten Marken wieder zurückzukommen in die Hauptstadt. Das neu geplante Stilwerk in Berlin – es liegt gerade einmal vier Blocks westlich der Ursprungsimmobilie – steht kurz vor der Eröffnung. Noch dieses Jahr soll‘s losgehen. „Premium Interior Design wird hier großgeschrieben.“ So steht es auf der Stilwerk-Website. Gespräche mit möglichen Partnern aus Industrie und Handel laufen. Team-7-Inhaber Dr. Georg Emprechtinger: „Stilwerk ist an uns herangetreten mit der Frage, ob wir in Berlin wieder dabei sind. Wir sind zufrieden mit unserem Living-Berlin-Store. Der läuft. Trotzdem schauen wir uns das neue Konzept von Stilwerk genau an. Offene Handelsflächen soll es geben. Noch wissen wir nicht genau, wie wir das bespielen können. Aber es könnte interessant für uns sein.“ Eine zweite Ausstellung ein paar Meter weiter kommt für Emprechtinger aber nicht in Frage. Entweder oder also.

 

Diese Entweder-oder-Frage stellen sich grad aber gar nicht so viele. Denn viele Marken im Premiumsegment sind in der City West eh vertreten, das Living Berlin läuft auch. Einrichter wie Cramer sind wie eh und je stark und präsent. Wen will Garbe also gewinnen? Für einen Rückruf war der Stilwerk-Macher leider nicht zu gewinnen. Weiterer Knackpunkt: Zwar sind die Kant-Garagen ein ehemaliges Parkhaus aus dem Jahr 1930 und haben auch mal Platz für 300 Autos geboten, doch Parkplätze gibt es keine mehr. Premiummöbel kaufen und mit der U7 zur Wilmersdorfer Straße fahren? Das bleibt wohl eher die Ausnahme.

 

Internationale Expansion

 

Die geplante digitale Verlängerung, die Garbe gerade mit der niederländischen Designplattform Designlinq eingetütet hat, dürfte in der Entscheidungsfindung von Marken und Händlern jedenfalls keine große Rolle spielen. Im nächsten Jahr will Garbe mit Joris de Raadt, CEO von Designlinq, das Stilwerk Rotterdam eröffnen und „ein Designerlebnis auf allen Ebenen schaffen“, zudem eine digitale Vernetzung präsentieren. Designmarken, Jungdesigner, Lifestyle- und Technologieanbieter sollen ihre Produkte dort ausstellen. Gemeinsam wollen Garbe und de Raadt die Marken auswählen, die dort ausstellen. Auch Apartments, Arbeitsbereiche und eine Rooftop-Bar sind in Planung. Designlinq? Wer ist das? In Deutschland ist der Name jedenfalls nicht wirklich bekannt. Aber auch in Holland nicht jedem. Ein Anruf bei René Nieuwendijk, Sales-Chef bei Leolux und in den Niederlanden zu Hause. Nieuwendijk sagt: „Ich kannte die Plattform Desinglinq bislang auch nicht.“ Das Objekt, das promintente Lagerhaus Santos auf der Halbinsel Katendrecht, soll der strategische Ankerpunkt der Partnerschaft der Unternehmen sein. Nur wenige Kilometer nördlich vom ausgewählten Stilwerk-Standort am Rotterdamer Hafen ist die Alexandrium Woonmall. Eine Möbel-Mall mit Stores, die Möbelstücke von Rolf Benz, Interlübke, Natuzzi, Leolux und vielen weiteren Premiummarken verkaufen. Rotterdam ist also, was Möbelmarken und Premium und Design angeht, gut besetzt, wie die City West in Berlin. Garbe wagt den mutigen Sprung.


 

 

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