Schwindelerregendes Wachstum
Egger liefert Zahlen und Ausblick in Tirol
Dass Michael Egger jun. in die Gruppenleitung des Tiroler Holzwerkstoff-Multis Egger aufsteigt, das habe schon seit einigen Jahren auf der Agenda in der Firmenzentrale in St. Johann gestanden, sagte Thomas Leissing, Sprecher der Gruppenleitung und als CFO für die Zahlen im Familienbetrieb zuständig, auf der Jahrespressekonferenz des Holzwerkstoff-Multis heute. Leissing: „Das war alles geplant. Aber jetzt ging alles schneller.“ Ulrich Bühler, in der Gruppenleitung seit gefühlten Ewigkeiten zuständig für Marketing und Vertrieb, übergibt aus gesundheitlichen Gründen und auf eigenen Wunsch an Michael Egger junior. Bühler wird zurückkommen, das stehe fest, so die Ansage vom Podium aus. Allerdings mit etwas weniger Verantwortung. Auch das habe sich Bühler gewünscht, der seinen Nachfolger bei kommenden Aufgaben begleiten und unterstützen soll.
Künftig setzt sich die Egger-Gruppenleitung also zusammen aus Thomas Leissing, Michael Egger junior, Hannes Mitterweissacher und Frank Bölling, neu seit 1.5. und zuständig für Logistik. Mitterweissacher ist ebenfalls seit 1.5. der Nachfolger von Produktionschef Walter Schiegl, der in den Aufsichtsrat wechselt. Dort wird er auf Michael Egger folgen, der im Herbst 75 wird.
Auf der Pressekonferenz, auf der neben Fachmedien auch die Lokalmedien präsent waren, haben die Journalisten einen Einblick bekommen in die, das darf man schon sagen, Zahlen in Höhen, die an die Berge rund um den Tiroler Stammsitz erinnern. Dass die zahlende Kundschaft aus der Möbelindustrie angesichts der massiven Preissteigerungen der letzten zwei Jahre beim Blick auf die Zahlen groß applaudiert, ist kaum zu erwarten.
Wobei das Wachstum freilich nicht allein preisgetrieben war. „Die Werkseröffnung in Polen 2019 war ein Glücksgriff und genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir konnten so unsere Kapazitäten erweitern, die durch den Cocooning-Effekt auch nötig waren. Auch in den USA läuft das neue Werk sehr gut an“, sagt Technikvorstand Mitterweissacher. In den Büchern steht ein Umsatzplus von 34,4 Prozent auf 4,23 Mrd Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021/2022 (30.4.) und eine EBITDA-Marge von 20,7 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern stieg auf 436,4 Mio Euro.
Dass die Preise mittelfristig deutlich sinken, damit rechnet man in St. Johann nicht. „Die Kosten für Chemie-Vorprodukte sind um 400 Prozent gestiegen. Wir müssen die Löhne unserer Mitarbeiter erhöhen, damit die Kaufkraft unserer Leute stabil bleibt. Es kommt ein Kostenberg auf uns zu“, sagt Leissing. Und Michael Egger junior fügt zu dem Thema hinzu: „Keiner rechnete mit der Rohstoffkeule im Februar. Wir mussten reagieren. Sonst lohnt es sich nicht, die Werke hochzufahren.“ Insgesamt sei die Stimmung gar nicht so übel, zwischen Egger und seinen Kunden. So ist jedenfalls die Meinung in Tirol.
Die weiteren Erwartungen sind gedämpft. In Deutschland und in Österreich liegen für Egger die größten Probleme, sollte Putin den Gashahn ganz zudrehen. In den USA dagegen gebe es keine Gas-Sorgen. Allerdings sehe man sich auch in Deutschland und Österreich gut abgesichert. „Wir haben frühzeitig in Biomasse-Kraftwerke investiert.“ In Deutschland verwendet Egger 50 Prozent Strom aus eigener Erzeugung. „Wenn wir ohne Gas dastehen würden, dann wäre das eine Herausforderung. Aber für Egger geht die Welt nicht unter“, so Mitterweissacher.
Auch der frisch gebackene Logistik-Chef Frank Bölling gab den Gästen noch einen kurzen Einblick in seinen neuen Job. Fast 90 Prozent der Transporte laufen gruppenübergreifend per LKW. Warum? Fragte ein anwesender Journalist. Bölling: „Von Werk zu Werk transportieren wir viel über die Schiene in Europa. Unsere Kunden sind aber oft nicht ans Schienennetz angeschlossen. Hier haben die europäischen Bahn-Unternehmen noch einiges an Arbeit vor sich.“ Egger, sagt Bölling, transportiere schon heute, zum Beispiel in den USA, viel über die Schiene. Das Netz funktioniere dort.