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"Die richtige Krise kommt erst noch"

Forte-Chef Maciej Formanowicz zur Lage

11.07.2022 | 10:42

Aus Sicht eines der größten europäischen Kastenmöbelproduzenten schildert Maciej Formanowicz, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Fabryki Mebli Forte S.A., die Lage im Markt: Forte hat drei bis vier Großkunden in Deutschland, noch weniger in Frankreich, je einen in Österreich und in der Schweiz. Ähnlich sieht die Lage auf der Beschaffungsseite aus – sowohl in der Holzwerkstoffindustrie als auch unter Papier- und Verpackungsherstellern gibt es nur wenige große Konzerne. Hinzu kommt aktuell: In Polen wurden bislang rund 30 Prozent des Holzwerkstoffbedarfs aus weißrussischer, ukrainischer oder russischer Produktion gedeckt. Forte hat immerhin ein eigenes Spanplattenwerk.

 

Im Preiseinstieg, das ist kein Geheimnis, ist die Möbelnachfrage stark zurückgegangen. Der Corona-Hype ist vorbei. Ein weiteres Problem: höhere Finanzkosten. Im Gespräch mit Formanowicz merkt man: Es ist Druck drauf. Er sagt sogar: „Wir stehen noch vor der Krise. Die richtige Krise kommt erst noch.“ Und meint damit die Absatzkrise. Die Beschaffungskrise ist längst da: „Die Produktionskosten haben sich um 50 Prozent erhöht, die Preise für Möbel sind aber höchstens um 16 bis 18 Prozent gestiegen. Das kann keiner überleben, wenn nicht einmal die Herstellkosten gedeckt sind. Die Möbelbranche muss reagieren. Als Hersteller müssen wir alle unnötigen Kosten anpassen. Braucht man zum Beispiel so viele Verbandsmessen?"

 

Für Formanowicz sind engere gesetzliche Regelungen Teil einer „vernünftigen Lösung“. Regeln wünscht Formanowicz sich in Sachen Konventionalstrafen. Mit dieser Forderung geht er noch einen Schritt weiter als das Kooperationsnetzwerk, das über so genannte Branchen-AGBs einheitliche Regelungen herbeiführen will. Der Gesetzgeber müsse aber auch den Rahmen geben für moderierte Abstimmungen unter Herstellern, wie das auch dem Handel über Kooperationen ermöglicht wird. „Horizontale Partnerschaft muss möglich sein, in vielen Bereichen: Produktion, Kooperation, Logistik, vielleicht sogar eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft. Die großen Hersteller müssen ohne Gesetzesverstoß miteinander sprechen können.“ Es müsse ein Gleichgewicht gegenüber dem Handel möglich sein, aber auch vertikal müsse man sich mit großen Kunden so abstimmen können, dass das Geschäft auskömmlich bleibe.

 

Formanowicz war am 23.6. auch Referent bei der Onlineveranstaltung "Prospektive Möbelbranche" des Kooperationsnetzwerks, über die wir im aktuellen INSIDE berichten.

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