Zweistellig bergab
Quartals-Umsatz im Online-Möbelhandel sinkt deutlich
„Die Westwing Group AG-Aktie befindet sich seit dem 14.09.2021 im langfristigen Abwärtstrend und hat in diesem Zeitraum -82,83% an Wert verloren. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt aktuell -60,75%.“ So fasst boerse.de die Lage beim Münchner Onlinehändler Westwing am heutigen Mittwoch zusammen. Die Home24-Aktie segelt auch in einem Zwölf-Monats-Tief. Auf der Home24-Hauptversammlung im Juni wurden alle Beschlussvorlagen abgesegnet, auch der vierköpfige Aufsichtsrat, bestehend aus Lothar Lanz, Verena Mohaupt, Dr. Philipp Kreibohm und Nicholas C. Denissen, wurde wiedergewählt. Nach dem Butlers-Deal setzt Home24 gerade auf einen heißen Summer-Sale mit bis zu 40 Prozent.
Keine Antwort bekam INSIDE bislang von Westwing auf die Frage nach den jüngsten Sparmaßnahmen. In der vergangenen Woche wurde – kurz nach der Übergabe von Stefan Smalla an den neuen Westwing-CEO Andreas Hoerning – offenbar ein im Team schmerzhafter Stellenabbau verkündet. Von mehr als 300 Stellen an den Standorten in Europa ist die Rede. Kommentar dazu gab es bislang auf INSIDE-Nachfrage keinen.
Der Druck steigt schon länger auch im Online-Möbelhandel. Im Segment, das bis Mitte 2021 nahezu explodiert ist, wurde es und wird es nachhaltig schwieriger.
Das bestätigen auch aktuelle Zahlen des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH). Der BEVH hat nun die Umsatzentwicklung des zweiten Quartals veröffentlicht. Allgemein sanken die Umsätze aller Waren im Onlinehandel von 24,141 Mrd Euro im Q2 2021 um 9,6 Prozent auf 21,835 Mrd Euro im zweiten Quartal 2022. Nur bei den digitalen Dienstleistungen sprangen die Umsätze um fast 50 Prozent nach oben, auf rund 3,33 Mrd Euro. Der Absatz von Waren ist dagegen deutlich schwieriger geworden. Vor allem nicht zwingend notwendige Anschaffungen bleiben nun offenbar vermehrt aus.
Jeder der fünf regelmäßig untersuchten Cluster (Bekleidung, Unterhaltung, Freizeit, Einrichtung, täglicher Bedarf) musste Federn lassen. Den drittstärksten Rückgang müssen die Online-Möbelhändler verzeichnen: Mit 1,553 Mrd Euro lagen die Umsätze des zweiten Quartals 2022 um -13,7 Prozent unter denen des zweiten Quartals 2021 (Umsatz mit Möbeln, Lampen und Dekoration damals: 1,799 Mrd Euro). Begleitende Kundenbefragungen des BEVH zeigen: Fast jeder vierte Onlinekäufer möchte künftig online weniger Geld ausgeben. Schwacher Trost: Die gesamten aufgelaufenen Umsätze im ersten Halbjahr 2022 liegen um 1,3 Prozent unter den Halbjahresumsätzen von 2021, aber mit 32,9 Prozent Zuwachs über dem Wert des ersten Halbjahres 2019.