Finanzierung verlängert
Hülsta im INSIDE Bilanz-Check
Reichlich Lesestoff für Bilanzliebhaber bietet wieder der gerade im Bundesanzeiger erschienene Konzernjahresabschluss der Hülsta-Gruppe fürs erste Corona-Jahr 2020 — ein Jahr das durch den Lockdown in der ersten Jahreshälfte und den Möbelboom ab dem Sommer natürlich ganz und gar nicht mit den vorangegangenen Jahren zu vergleichen ist. Interessant ist die Lektüre allemal.
Die Key-Facts vorweg: 2020 erreichten die Gruppenunternehmen zusammen noch einen Umsatz von 141,5 Mio Euro (-9,4 Prozent zum Vorjahr), davon 17,8 Prozent Auslandsumsatz. Das EBIT fiel erstmals seit 2012 wieder positiv aus.
Auf die Einzelgesellschaft Hülsta-Werke entfiel 2020 ein Umsatz von 106,2 (116,7) Mio Euro, was vor allem auf den Lockdown zurückging. Die Hülsta-Exportquote lag bei lediglich 14 Prozent. Zitat: „Insgesamt befindet sich Hülsta operativ auf einen guten Weg, das Krisenstadium kurz- bis mittelfristig zu verlassen.“ Hobb Holzveredlung, ursprünglich als Zulieferbetrieb von Hülsta angelegt, hat als Systemhersteller von Fixmaßen zunehmend Geschäftsbeziehungen mit externen Kunden aufgebaut. 2020 wurden nur noch 35,6 Prozent des Umsatzes mit Gruppenunternehmen erzielt. Die Spedition SLC-Service Logistik machte 2020 rund 52 Prozent des Umsatzes mit Gruppenunternehmen. In der Hülsta-Gruppe waren Ende 2020 insgesamt 1.055 (1.122) Mitarbeiter beschäftigt.
Nach wie vor befinde sich die Gruppe in der 2014 begonnenen Restrukturierung, heißt es. Und: „Erste Teilerfolge haben sich bereits eingestellt, jedoch haben andere Restrukturierungsmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Nach Jahren des Abverkaufs verschiedener Gruppen- und Tochterunternehmen wie beispielsweise Parador, Ruf oder Rolf Benz sowie der Niederlegung einzelner Geschäftsbereiche wie Halco konzentriert sich das Unternehmen nun auf die nachhaltige Sanierung und Neuausrichtung des Kerngeschäfts bei Hülsta.“
Auch 2021 konnte die ursprünglich eingeplante Umsatzsteigerung von 3,2 bis 5,1 Prozent nicht erreicht werden. Schuld waren unter anderem die Öffnungsverbote im Handel in der ersten Jahreshälfte. Die daraus verringerte Auftragslage hatte zur Folge, dass im März 2021 die Betriebe der Unternehmensgruppe weitestgehend stillgelegt worden sind und anschließend mit verringerter Kapazität produziert wurde. Ein Boom wie im zweiten Halbjahr 2020 blieb in der zweiten Jahreshälfte 2021 aus. Wir zitieren weiter: „Der ursprüngliche Plan sah vor, das Ergebnis der Hülsta Unternehmensgruppe erstmalig seit Jahren positiv zu gestalten. Durch die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Umsatzrückgängen, können die gesteckten Ziele nicht erreicht werden. Aktuell geht der Vorstand bei deutlich geringerem Umsatz und zudem steigenden Beschaffungspreisen von einem positiven Ergebnis aus. Dies resultiert vor allem aus der Hebung stiller Reserven im Zusammenhang mit den erfolgreich abgeschlossenen Refinanzierungsverhandlungen.“
Mit dem Eintritt von Dr. Thomas Knecht als neuer geschäftsführender Gesellschafter im August 2019 waren die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten vollständig zurückgeführt worden. Die Finanzierung läuft nun über ein Family-Office (Anmerkung der Redaktion: ein Family-Office namens Drengenberg). Die Finanzierung konnte zum Jahreswechsel 2021 für die kommenden zwei Jahre verlängert werden. Die Gruppe selbst bezeichnet die Betriebsmittellinie als „ausreichend hoch dimensioniert“. Sie biete die „Möglichkeit, die Unternehmensgruppe zurück auf den Wachstumspfad zu unterstützen.“ Zum Erreichen der Ziele ist das wohl auch nötig, denn wie man herauslesen kann, basiert die Planung auf Wachstum und (Rück-)Gewinnung von Marktanteilen.