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Fast wie vor der Pandemie

Der Kreis wächst und feiert

09.05.2022 | 10:40

Ist das neue Normal vielleicht doch das alte? Den Eindruck konnte man zumindest auf der diesjährigen JHV der Leonberger Verbundgruppe Der Kreis am ersten Mai-Wochenende in Hamburg bekommen. Der Kongress, zu dem die Mitglieder von BuK, Varia, TopaTeam, Creative Partner und Der Kreis eingeladen waren, war eine der ersten Veranstaltungen seit langem ganz ohne Tests und Maskenpflicht.

 

Der Optimismus der Leonberger fand dann auch in der Präsentation der Zahlen und dem Ausblick aufs Jahr seinen Niederschlag. Gründer und Chef von Der Kreis Ernst-Martin Schaible freute sich über einen Umsatzanstieg in 2021 von 4,27 Mrd Euro auf 4,73 Mrd Euro (rund 10,8 Prozent). Nach oben ging auch die Zahl der Mitgliedshäuser – 103 neue sind dazu gekommen (aktuell: 3.512) – und der Durchschnittspreis pro Küche, der von 14.257 Euro auf 14.770 Euro kletterte. Bemerkenswert: 2019 lag dieser noch bei 13.189 Euro.

 

Nicht ganz so stark, nämlich um 0,86 Prozent, hat allerdings die Gesamtfläche der Häuser zugelegt – auf 1.555.136 qm. Berücksichtigen im ganzen Zahlenwerk muss man, dass Der Kreis seit Jahresbeginn 2021 mit Der Kreis Italia seine achte Ländergesellschaft ins Leben gerufen hat. Neuerdings kam auch Spanien dazu. Der Kreis wolle seinen Expansionskurs weiter fortsetzen, sagte Schaible in Hamburg.

 

Spannend bleibt vor dem Hintergrund einer sich verändernden Verbraucherstimmung, wie sich die Küchenbranche verändern wird, insbesondere wenn die Produktionsmenge für preiswertere Küchen zurückgehen sollte. Schaible allerdings, das war während der Pressekonferenz in Hamburg deutlich zu spüren, glaubt fest an eine positive Entwicklung der Küchenspezialisten, die Küchen in der Regel im hochwertigen Bereich verkaufen. „Wir werden 2022 ebenfalls ein sehr, sehr gutes Jahr haben“, sagt der Verbandschef, „Was 2023 wird, kann im Moment niemand beantworten.“ Allerdings sei die Nachfrage im Bereich Einrichten nach wie vor hoch.

 

Weiterentwickelt wurde im zurückliegenden Jahr insbesondere das Fachhandelskonzept Küche 3000. Als Ziel hat sich Der Kreis gesetzt, statt den aktuell 20 Händlern, die das Konzept nutzen, 50 bis 60 dafür zu gewinnen. Dazu haben die Leonberger das Erscheinungsbild der Küchen in den Ausstellungen neu konzipiert - organisiert in Cubes, die drei bis vier Küchen auf rund 200 qm beherbergen und mit einem besonderen Beleuchtungskonzept die Küchen inszenieren.

 

Sicherheit - mehr im technologischen Sinne - war ebenso Thema auf dem Kongress. Der steigenden Gefahr von Cyberkriminalität tritt Der Kreis mit einer neuen Software für seine Mitglieder entgegen, die deutlich mehr Schutz bieten soll als nur ein herkömmliches Virenschutzprogramm. Wie verwundbar die meisten Menschen in Hinblick auf die Sicherheit ihrer Daten sind, demonstrierte live auf der Bühne der Whitelisthacker Marco di Filippo, der mit fingierten Cyberangriffen auf Unternehmen sein Geld verdient, um Schwachstellen offenzulegen. Erstaunlich schnell und einfach kaperte er Daten der Handynutzer im Saal.

 

Die Herausforderungen der Branche liegen aber noch in anderen Bereichen. Die Lieferengpässe und explosionsartigen Preisentwicklungen beschäftigen Handel und Industrie bekanntermaßen schwer. Häcker-Geschäftsführer Markus Sander betrat als AMK-Vorstandssprecher denn auch in Hamburg die Bühne, um zu schildern, mit welchen Herausforderungen die Industrie aktuell zu kämpfen hat. Der Homing-Trend habe der Branche ab 2020 in die Karte gespielt, berichtete Sander, allerdings startete 2020 auch der Anstieg der Rohstoffpreise. „Diese Entwicklung hat sich bis heute fortgesetzt“, sagte Sander. Der Krieg wirkte vor zweieinhalb Monaten wie ein Beschleuniger. Konfrontiert sehen sich die Industrie und ihre Zulieferer nun mit „Logistikproblemen und erheblichen Preissteigerungen“. Die Frage, wie man diese Preissteigerung weitergibt, ist aus seiner Sicht „schwierig, aber absolut notwendig“. Statt bei 700 Euro, wie vor der Krise, liege der Preis für eine Tonne Stahl aktuell bei rund 1.400 Euro. Angesichts eines 100-Milliarden-Euro-Paketes, das zum großen Teil in die Rüstungsindustrie geht, sieht Sander auch keine Besserung in nächster Zeit. Und beim Holz? Da erlebe man gegenwärtig ebenfalls eine Verdopplung der Preise. Und sobald in der Presse vom Gas- oder Ölembargo die Rede ist, „zucken die Preise nach oben“.

 

Wie die Situation in einem Jahr aussieht, kann momentan kaum jemand sagen, man kann sie aber diskutieren, und zwar am 3. bis 5. Mai 2023 in Kassel, wenn der nächste Kongress von Der Kreis ansteht.

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