Roadshow statt Messe
Wittmann präsentiert die neuste Kollektion auf der Fläche
Der österreichische Premium-Hersteller Wittmann hatte fix mit der IMM geplant. Nach der Absage sattelten die Niederösterreicher um und sind momentan auf Roadshow-Tour. Die letzten Monate hat Wittmann genutzt, um die gesamte Produktpalette zu digitalisieren.
Dr. Alexander Sova, seit September 2020 Geschäftsführer beim österreichischen Premium-Hersteller Wittmann mit Sitz in Etsdorf am Kamp in Niederösterreich, ist schwer zu erreichen in diesen Tagen. Sova ist ständig auf Achse. „Nach der Absage der IMM mussten wir umsatteln, um unsere Neuheiten unseren Händlern zu präsentieren. Uns kam die Idee, eine Roadshow zu planen. Wir reisen momentan zu ausgewählten Händlern und bauen vor Ort unsere Neuheiten auf deren Fläche auf“, sagt Sova. Beim Traditionshaus Böhmler in München stoppte der Wittmann-Roadshow-Express das erste Mal. Die Ausstellung endete am 18. Februar. Und, wie war's? „Das hat uns gut gefallen. Auch dass wir die Ersten waren, freute uns. Wir konnten die Aktion gut für unser Marketing nutzen“, sagt Böhmler-Chef Matthias Böhmler, der überhaupt von zwei guten ersten Monaten im Jahr 2022 im Edel-Einrichtungshaus in der Münchner Innenstadt berichtet. Nach dem Auftritt in München plant der österreichische Premiumpolster- und Bettenmöbelhersteller noch weitere Ausstellungen bei Händlern in Österreich, der Schweiz und in Norddeutschland.
Sova ist nicht nur in Europa viel unterwegs. Auch in den USA stellte sich der frühere Microsoft- und Unicredit-Mann den Wittmann-Händlern zuletzt vor. In den Vereinigten Staaten, so Sova, läuft das Geschäft wieder gut an. Das Gleiche gilt für Kanada. Und in Australien gab es nach einem in der Pandemie stark eingebrochenen Markt seit Ende des vergangenen Jahres einen richtigen Boom, nachdem sich das Land nach dem langen Lockdown endlich wieder in Richtung Normalität bewegte. In China hingegen läuft’s schleppend. Der Exportanteil liegt bei Wittmann bei über 70 Prozent. Genaue Umsatzzahlen gibt Sova nicht preis. Nur so viel: Man liege mit 120 Mitarbeitern über dem Niveau von 2019.
Sova stellt die Frage: Was passiert, wenn die Pandemie vorbei ist? Was ist dann die New Reality? Fest steht für ihn, und das sehen wohl alle so: Wer nicht in die Digitalisierung investiert, der wird früher oder später das Nachsehen haben. Also arbeitete man in den letzten Monaten bei Wittmann daran, die knapp 350 Modelle und 270 Materialien zu digitalisieren. Zusammen mit einer Wiener Produktionsfirma produzierte das Unternehmen erstmalig auch Bewegtbild. „Emotionale Produkt-Videos“, wie Sova sagt, seien dabei herausgekommen. Auf Instagram präsentieren die Österreicher die Filme, in denen unter anderen die Designer Lucidi Pevere oder auch Sebastian Herkner bei der Arbeit zu sehen sind, ihren gut 23.000 Followern. Die digitalisierten Produktdaten wurden genutzt, um damit einen Online-Konfigurator zu bestücken und so das Portfolio den 500 Handelspartnern weltweit zur Verfügung zu stellen. Auch der Endkunde kann mittlerweile auf der Website alle Varianten der Modelle virtuell testen. Betten, so Sova, sind die am häufigsten konfigurierte Produktgruppe.
Nicht nur auf der Wittmann-Website finden die Endkunden die Wittmann-Möbel. Auch auf der noch recht unbekannten Möbel-Plattform Beam ist Wittmann vertreten (siehe Kasten). Zusammen mit dem in Budapest ansässigen Unternehmer Gabor Goertz – Goertz hat Beam 2018 gegründet – will Wittmann in Zukunft Händler und Endkunden weltweit erreichen. „Es ist nicht realistisch, dass der Endkunde nur nach einer Marke sucht. Also hoffen wir, dass sich weitere Premium-Marken Beam anschließen“, so Sova. Eine Beteiligung an Beam halte und plane man aber nicht, sagt Sova.