„Mehrbelastungen nicht wegatmen“
Gleiche Menge, höhere Preise - VDM rechnet für 2022 mit 10 Prozent Plus--
Im Schnitt, genau das muss man wieder betonen, ist der Umsatz der deutschen Möbelhersteller im letzten Jahr um 2 Prozent gestiegen und hat nach Angaben des Möbel-Spitzenverbands VDM 17,5 Mrd Euro erreicht. Mehr als erwartet, aber… Es kamen durchaus nicht nur angenehme Themen aufs Tapet bei der heutigen Wirtschaftspressekonferenz von VDM und BVDM.
Das leichte Wachstum in der Industrie war zum einen auf die Auftragspolster vom Vorjahr zurückzuführen, die auch in den Anfängen des Lockdowns zu Jahresbeginn für Beschäftigung sorgten. Auf dem Vorkrisenniveau (2019: 17,9 Mrd Euro) ist die Branche auch noch nicht wieder angekommen. Der Umsatz stieg 2021 zudem hauptsächlich im Export, wo mit 5,6 Mrd Euro ein Plus von 5 Prozent erreicht wurde. Der Inlandsumsatz zog lediglich um 0,5 Prozent auf 11,9 Mrd Euro an. Um 18 Prozent auf 10,2 Mrd Euro explodierte der Importwert, was zu einem großen Teil auf einen Preisanstieg bei China-Ware zurückgeht.
Besonders gut, das ist keine Überraschung, schnitten bei der Umsatzentwicklung im letzten Jahr die Küchenhersteller ab. Der Küchen-Boom hielt an: 5,7 Mrd Euro (+9 Prozent) stehen in der offiziellen Statistik. Auch die deutschen Werke der Polstermöbelindustrie legten um 13 Prozent auf 1 Mrd Euro zu, die Büromöbelbauer um 4 Prozent auf 2 Mrd Euro. Matratzen (+3,5 Prozent, 780 Mio Euro) und Laden-/Objektmöbel (+8 Prozent, 2 Mrd Euro) erwirtschafteten ebenso ein Plus, während Sonstige Möbel (u.a. Kastenmöbel und Möbelteile) Einbußen von 7,6 Prozent auf 5,9 Mrd Euro hinnehmen mussten.
Klar schwenkte VDM-Chef Jan Kurth bei PK ziemlich schnell zum schwierigen Thema Lieferkette, das sich auch Anfang 2022 noch nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat. 44 Prozent der vom VDM befragten Hersteller berichteten auch im Januar noch darüber, dass ihre Produktion aufgrund von Lieferengpässen eingeschränkt oder verzögert war. Holzwerkstoffe und Polsterschäume sind inzwischen zumindest wieder zu bekommen - wenn auch deutlich teurer. Engpässe bei elektronischen Bauteilen und Verpackungsmaterialien verschärfen sich dagegen weiter, und auch Logistikkapazitäten werden noch knapper.
Dass die Verteuerung von Vorprodukten in der Möbelindustrie für Probleme sorgt, wenn man sie nicht weiter gehen kann, müsste man eigentlich nicht erklären. Eigentlich. Als Beispiel verweist Kurth auf den Erzeugerpreisindex vom Statistischen Bundesamt für Holzwerkstoffe, laut dem die Preise im Dezember um 40,2 Prozent über Vorjahr liegen. Bei Commodities dürfte der Anstieg noch deutlich stärker ausgefallen sein.
„Ein Ende dieser Entwicklung ist offensichtlich noch nicht erreicht“, sagt Kurth und erklärt mit der schönen Umschreibung „Angesichts der Größenordnung der schon erfolgten bzw. prognostizierten Erhöhungen können diese Mehrbelastungen von der Möbelindustrie nicht „weggeatmet” werden“, dass die Industrie gezwungen ist, unterjährig ihre Preise erhöhen und die oftmals für ein Jahr festgesetzten Preislaufzeiten verkürzt werden müssen, damit Hersteller überleben können.
Auch die anhaltende und noch zunehmende Konzentration in der Großfläche war Thema bei der PK: „Der vom Bundeskartellamt im Januar genehmigte Beitritt der Krieger-Höffner-Gruppe zur Einkaufskooperation Begros bedeutet ein gemeinsames Einkaufsvolumen in hoher einstelliger Milliardenhöhe. Die Konzentration auf Seiten der Möbelhändler nimmt damit weiter zu - zu Lasten mittelständischer Hersteller und ohne sichtbaren Nutzen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn durch stärkere Konzentration nimmt die Angebotsvielfalt ab, ohne dass die Endverbraucherpreise nachvollziehbar sinken.“
Insgesamt ist der VDM mit Blick auf 2022 aber optimistisch gestimmt. Beim Mengenabsatz, auf den man bei der Beurteilung aufgrund von Preissteigerungen künftig stärker gucken muss - erwartet man eine Seitwärtsbewegung. Der Umsatz, so die Schätzung soll um 10 Prozent steigen.
Optimismus beim Handel
Von 2 Prozent Umsatzplus im vergangenen Jahr (brutto 33,8 Mrd Euro) geht auch der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel trotz mehrere Monate dauernder großflächiger Lockdowns aus. Neue Konzepte wie „Click & Meet“ oder "Click & Collect“ konnten es nur zum Teil rausholen. Insgesamt galt: Küchen und Büromöbel entwickelten sich gut, Matratzen und Gartenmöbel schlecht. Der BVDM rechnet die Handelszahlen aus Angaben für die ersten zehn Monate hoch. Die Zahlen im Einzelnen: Küche +8 Prozent, Büro +10 Prozent, Polster +3 Prozent, Matratzen -9 Prozent, Garten- und Wohnmöbel -6 Prozent.
Den Online-Anteil im Möbelbereich schätzt der BVDM auf 15 bis 20 Prozent. Mit einer wesentlichen Steigerung sei nicht zu rechnen. Das hat man auch noch nicht so oft gehört. Von einem Anstieg geht man aber beim Marktplatzgeschäft aus, an dem sich auch kleinere Händler beteiligen.
Der Ausblick für den deutschen Möbelmarkt ist aus BVDM-Sicht im weiteren Jahresverlauf positiv. Eine konkrete Prognose gibt’s zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht, ebenso wenig eine Einschätzung dazu, in wiefern der Handel höhere Einkaufspreise möglicherweise weitergeben wird.