Stimmen aus Österreich
Was kommt jetzt? Eine kleine Bilanz der österreichischen Möbelindustrie
Auch im österreichischen Handel fragen sich grad viele, ob`s so weitergehen kann. Die Frequenzen gehen zwar weiter runter, doch die Abschlussquoten sorgen vielerorts für einen dicken grünen Haken hinter dem Januar. „Ich kann es mir nicht ganz erklären, an was es genau liegt, aber der Januar war wieder Bombe“, sagt ein großer österreichischer Möbelhändler in diesen Tagen.
Der Verband der Österreichischen Möbelindustrie hat in der vergangenen Woche die Zahlen zu den ersten drei Quartalen des Vorjahres vorgelegt. Da ging es ebenfalls gut voran, doch die Verunsicherung ist nicht zu überhören. Der österreichische Wohn- und Schlafzimmermöbelhersteller Sedda aus dem oberösterreichischen Wallern etwa blickt mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr. Nach einem starken ersten Pandemiejahr 2020 konnte Sedda auch im abgelaufenen Jahr nach eigenen Angaben zulegen und erwirtschaftete mit 210 Mitarbeitern 18 Mio Euro Umsatz (2020: 17 Mio Euro).
Das entspricht einem Wachstum von knapp 6 Prozent. Seddas Umsatzsteigerung liegt damit unter dem Branchen-Wachstum für Schlaf-, Ess- und Wohnzimmermöbel (+12 Prozent) in Österreich. In Wallern will man sich aber nicht beschweren. Johannes Ragailler, Sohn des Sedda-Senior-Chefs, Roland Ragailler, sagt: „Die Auftragslage ist sehr gut. Doch die angespannte Lage bei den Zulieferpreisen macht uns zu schaffen.“
Es fehlen auch in Wallern – wie in vielen anderen Produktionsstätten – Holz, Schaumstoff und Metallbeschläge. Die starke Nachfrage treibt die Preise weiter. Ragailler: „Eine erneute Preiserhöhung ist unausweichlich und muss ohne Ausnahme kommen.“ Auch wenn es eigentlich gut läuft, die Lage ist angespannt. Nicht nur bei Sedda.
Nur 35 Kilometer südlich in Schwanenstadt hat der Polstermöbel-Hersteller Joka seinen Sitz. Geschäftsführerin Anna Kapsamer-Fellner berichtet: „Wir merken, dass die Österreicher bis Mitte Dezember nicht einkaufen durften. Auch zwischen den Jahren haben wir nichts von einem Nachholeffekt gespürt. Umsatztechnisch verzeichnen wir also einen verhaltenen Start ins neue Jahr.“ 2021 ist für Joka wiederum erfreulich ausgegangen. 19 Mio Euro Umsatz meldet Joka. Das entspricht einem Wachstum von gut 10 Prozent zum Vorjahr.
Überhaupt war 2021 es ein gutes Jahr für viele in der österreichische Möbelindustrie. „Allein im dritten Quartal wuchs die Produktion noch einmal um 11 Prozent“, rechnete Verbands-Präsident und Team 7-Inhaber Dr. Georg Emprechtinger in diesen Tagen vor. In den ersten drei Quartalen konnte die Industrie 16 Prozent zulegen – der Export um 6,4 Prozent. Team 7 selbst um 6 Prozent auf 107 Mio Euro Umsatz.
Das Segment, das in Österreich in den ersten drei Quartalen am stärksten wachsen konnte, war mit 23,9 Prozent natürlich: die Küche. Johannes Artmayr, Geschäftsführer und Inhaber vom Naturstein-Arbeitsplattenhersteller Strasser, berichtet von einem zweistelligen Wachstum. Im Jahr 2020 konnte Strasser 38 Mio Euro umsetzen. „Im letzten Jahr haben wir die 40-Millionen-Euro-Umsatz-Marke geknackt. Die genaue Abschlusszahlen haben wir allerdings noch nicht berechnet“, so Artmayr, der 235 Mitarbeiter beschäftigt. Strasser investiert momentan 23 Mio Euro in eine neue Produktionshalle und das Naturstein-Kompetenzzentrum Stoneum.
„Der Rohbau der Halle steht. Mitte des Jahres kommen die Maschinen ein. In einem Jahr geht’s mit der neuen Produktion los“, sagt Artmayr. Die Kapazitäten werden durch den Bau verdoppelt. Läuft das Küchengeschäft weiterhin so prima, wird Artmayr die Kapazitäten auch ausschöpfen müssen. Auch für Reinisch Steintechnik, eine Firma aus der Steiermark, die ebenfalls Naturstein-Arbeitsplatten produziert, läuft das Geschäft rund. Reinisch-Steintechnik-Chef Siegfried Wurzinger berichtet von 40 Prozent Wachstum für sein Geschäft für das Jahr 2021. Das ist schon eine Hausnummer. Auch er investiert momentan in eine neue Produktionsstraße. Die Kapazitäten am Küchenmarkt wachsen weiter.
Die gesamte Möbelindustrie in Österreich konnte also einen ordentlichen Sprung nach vorne machen. Und wie geht’s weiter? Die Inflation senke die Kauflust, sagt Joka-Chefin Kapsamer-Fellner. Ein Badmöbelhersteller aus Österreich berichtet diese Woche von großen Sorgen über Kostenexplosion der Energie-Preise. Die weltweiten Gas-Preise sind seit Anfang des Jahres um 170 Prozent gestiegen. Wenn der Ukraine-Konflikt eskaliert, die Gaspreise in Europa zwar das kleinste Problem sein angesichts der weltpolitischen Dimension, aber sich dennoch auswirken.
Am Ende schauen alle, ob groß oder klein, grundsätzlich zuversichtlich, aber doch angespannt nach vorne. Die Karnische Massiv Möbel GmbH produziert Küchen, Schlafmöbel und auch Wohnzimmermöbel. 60 Prozent des Umsatzes (2,5 Mio Euro) macht die kleine Möbelmanufaktur aus Kärnten mit Küchen. In Kirchbach verkauft man 50 Prozent der Ware nach Bayern, der Rest bleibt in Österreich. Der Vertrieb läuft über den Fachhandel. Otto Hohenwarter, Prokurist und Bruder von Geschäftsführer Werner Hohenwarter, zur Lage: „Der Januar ist sehr gut gestartet. Wir sind zufrieden mit der Auftragslage. Einen großen Sprung haben wir im letzten Jahr aber nicht gemacht. Der Umsatz ist stabil geblieben.“ 35 Mitarbeiter sind an Bord in Kirchbach. Man blicke optimistisch aufs laufende Jahr. Auch Kapsamer-Fellner bleibt positiv: „Die österreichische Möbelindustrie wird sich auf einem hohen Niveau einpendeln.“ Strasser-Boss Artmayr sowie Reinisch-Steintechnik-Chef Wurzinger gehen sogar von weiterem Wachstum aus. Auf jeden Fall für den Küchenmarkt.