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Auf der Suche nach den passenden Kanälen

Viel los bei Connox, Otto, Home24, Junado, moebel.de, Küchenheld, Ebay

17.01.2022 | 9:33

Multichannel. Bei dem Wort muss Thilo Haas ganz kräftig mit dem Kopf schütteln. „Multichannel gibt es in meinen Augen nicht. Hinter Online steht ein ganz anderes Geschäftsmodell als hinter stationärem Einzelhandel. Onliner können das eine, Einzelhändler das andere. Wir werden sicher keinen Showroom aufmachen.“ 

 

Connox-Boss Haas muss nicht nach einer diplomatischen Antwort suchen, wenn man ihn fragt, ob es nun nicht an der Zeit wäre, nachdem Connox so groß geworden ist, über eigene Showrooms nachzudenken. Nein. Denken Haas und sein skandinavischer Großinvestor Nine United nicht.

 

Connox ist auch ohne Showrooms zuletzt gewachsen. Und zwar mächtig. 2020 wurde der Umsatz verdoppelt, 2021 kam nochmal was drauf. Auf über 100 Mio Euro kommt der Premiumhändler aus Hannover jetzt, zusammen mit der von Nine United eingemeindeten Tochter Ambientedirect macht die Gruppe nun wohl rund 175 Mio Euro.

 

Es sind am Ende solche Wachstumszahlen, die auch dem letzten im Markt klargemacht haben, dass Möbel im Netz funktionieren. Nicht nur, wenn Marken im Spiel sind. Beschäftigt man sich etwa mit einer Größe wie Ebay, die in Deutschland rund 12 Mrd Euro Umsatz macht, dann kann man sehen, dass die Sparte Home and Garden dort das größte und somit auch ein milliardenschweres Segment ist. Rangiert sogar noch vor den Autoteilen. Das Thema Möbel und Wohnen dürfte bei Ebay mittlerweile allein in Deutschland fast eine Milliarde Umsatz machen. 

 

Möbelhändler von Bohn bis Schaffrath haben dort ihre Shops, Hersteller können direkt oder über Shop-Partner an den Kunden ran. Über 90 Prozent des Möbelgeschäfts finden dort jenseits der 1,2,3-meins-Party statt. Es geht hauptsächlich um einen stark wachsenden Marktplatz für Neumöbel, den die Ebay-Führung nun nochmal strategisch und global in den Fokus genommen hat. Man will wachsen, am Auftritt feilen, die Plattform speziell für die Herausforderungen im Geschäft mit Klein- und Großmöbeln weiterentwickeln.

 

Ein Wettbewerber wie Otto überarbeitet jedenfalls nicht nur wegen Amazon die eigenen Prozesse nochmal grundlegend (INSIDE 1126). In diesem Jahr wird beim Marktführer unter den Möbelonlinern weiter in eine digitale Lieferanten-Plattform investiert. Die Dispo wird bald stärker algorithmisch gesteuert und vieles mehr. Und der Umsatz im vergangenen Jahr, nachdem es 2020 bei Otto möbeltechnisch kein Halten mehr gab? In Hamburg lief trotz allgemeiner Nachfragedelle im zweiten Halbjahr schon wieder zweistelliges Wachstum auf.

 

Das wird alles, sollte die Pandemie irgendwann vorbei sein, nicht wieder verschwinden. Und es sind sicher nicht nur Leute wie Connox-Boss Haas, die glauben, dass die „Onlinepenetration“, von der alle sprechen, durchaus nachhaltig ist. Mit anderen Worten: Wer mal Möbel im Netz gekauft hat und nicht enttäuscht wurde, der macht das auch mal wieder. Und so wird das gegenseitige Interesse durch die Pandemie geradezu geboostert: Stationäre investieren in Onliner, Onliner schlucken Stationäre. Möbelmanager wechseln ins Onlinebusiness, von denen man das nicht gedacht hätte. Und wer unter den Größen aus dem klassischen Markt nicht gleich zukauft, der will zumindest mitspielen, auf den Marktplätzen, auf den großen und kleinen Kanälen.

 

Es wächst was zusammen, nicht nur in Berlin, wo sich mit Home24 und Butlers gerade eine hybride Gruppe formt, für die Home24-CEO Marc Appelhoff viele strategische Vorteile sieht (siehe INSIDE 1128). Da steigt der süddeutsche EMV-Filialist Günter Dick beim aufstrebenden Marktplatzwunder Junado der Familie Tonkowski ein, nachdem Dick mit dem hybriden Gartenmöbler Gartenmöbel Company schon länger digitale Freuden erlebt. Da hat ein Bernd Weber mit seiner Onlinetochter Raumschmiede die ersten Wachstumsschmerzen zu verkraften, doch insgesamt wohl für Weko mit seinem Onlineinvestment nur gewonnen. Da gehört ein Von Wilmowsky über Multipolster plötzlich zu Segmüller und hat in der Kombi schon 15 stationäre Showrooms. Oder wechselt ein Industriemanager wie Dirk Klasfauseweh direkt zu einem Onlinehändler wie Lifestyle4living. Würde Lifestyle4living-Gründer Axel Kandzia, ganz früher mal Einkaufschef bei Möbel Boss, seine GmbH in Bad Segeberg heute verkaufen wollen, er könnte schnell reich werden.

 

Dass auch Küchen im Netz funktionieren können, zeigt gerade Küchenheld. Das will sich dann heutzutage auch mal eine Möbelhandelsfamilie wie die Martins aus Saarbrücken genauer ansehen – und investiert in das Berliner Küchen-Start-up (INSIDE 1127). Man könnte viele Beispiele mehr aufzählen. Der Einstieg von Lutz bei moebel.de war auf diesem Feld aber sicher einer der größten Kracher vor Weihnachten. ProSieben und Robert Kabs sind jetzt raus beim Möbel-Google – und moebel.de-CEO Arne Stock hat in diesen Tagen den spannenden Job, das XXXL-Investment als rein finanzstrategische Digitalmaßnahme der Familie Seifert zu erklären. Es geht um Daten und Kundenkontakte. 

 

Die Verwunderung im Markt war kurz vor Weihnachten jedenfalls groß. Stock dazu: „Klar, wir verstehen, dass viele erstmal überrascht waren und sich Fragen ergeben haben. An unserem Geschäftsmodell hat sich aber dadurch nichts geändert. Wir sprechen viel mit den Kunden und freuen uns, wenn sie mit ihren Fragen auf uns zukommen.“ Botschaft: Der moebel.de-Algorithmus ist heilig, wurde und würde niemals für bestimmte Suchergebnisse manipuliert werden. Warum steigt Lutz dann ein? Stock: „Ich denke, man sieht das in Wels als ein interessantes Digitalinvestment in einem Wachstumsmarkt.“ Nun soll erstmal internationalisiert werden, im DACH-Raum und darüber hinaus.

 

Es ist Bewegung drin im Möbelmarkt, an der digitalen Schnittstelle nochmal mehr.

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