Parallel zu den Anstrengungen, sich nicht vom österreichischen Greiner-Konzern kapern zu lassen, hat der belgische Schaumstoff- und Matratzen-Multi Recticel den Ende 2020 angestoßenen Verkaufsprozess für den Bedding-Bereich vorangetrieben, zu dem bekannte Marken wie Schlaraffia, Lattoflex, Sembella, Superba oder Swissflex gehören. Wer den Zuschlag bekommen soll, meldete Recticel am Donnerstag in aller Frühe: Es sei eine verbinliche Vereinbarung mit der portugiesischen Aquinos-Gruppe unterzeichnet worden. Mit dem Abschluss rechnet man bis zum Ende des ersten Quartals. Der Unternehmenswert wurde auf 122,4 Mio Euro geschätzt.
Nicht zum Deal gehören die nordischen Bedding-Aktivitäten, die in den Bereich „Living & Care“ innerhalb von Recticel Engineered Foams eingegliedert werden sollen. Zu Recticels Bedding-Bereich (ohne Skandinavien) zählen neun Werke in Österreich (1), Belgien (2), Deutschland (2) Polen (1), Rumänien (1), Schweiz (1) und Holland (1), 1.555 Mitarbeiter und ein Umsatz von zuletzt 225,9 Mio Euro.
Auch Aquinos ist kein Unbekannter – das in Privatbesitz befindliche Unternehmen aus Sinde/Tábua ist einer der größten Polstermöbel- und Matratzenproduzenten in Europa mit über 3.300 Mitarbeitern und Werken in Portugal, Frankreich und Polen. Den Jahresumsatz gibt Aquinos mit 370 Mio Euro an. Mit der Übernahme dürften es dann knapp 600 Mio Euro werden.
Erst 2019 hatte Aquinos die französische H&F-Gruppe übernommen und sich seinerzeit auch für die insolvente Cauval-Gruppe interessiert.