Start mit Gartenmöbeln
Gradel wächst durch Sortimentsausbau
Vor mittlerweile mehr als vier Jahren haben Florian und Jürgen Bach den Massivholzspezialisten Gradel übernommen. Sie haben es bis heute nicht bereut. Das Sortiment wurde nach und nach ausgebaut. Jetzt starten sie mit Gartenmöbeln.
Ein Jubiläum sollte gefeiert werden. Erst recht, wenn man 100 Jahre auf dem Buckel hat. Doch momentan Corona noch den Hut auf und Partys mit langen Gästelisten sind weiterhin, sagen wir, umstritten. Für den engen Kreis, 14 Mitarbeiter sind bei Gradel im mittelfränkischen Emskirchen beschäftigt, fand Mitte August ein kleines internes Event statt. Und für die Kunden „gibt’s ein Gläschen Sekt auf der M.O.W.“, sagt Florian Bach.
Seit Januar 2017 hat Florian Bach gemeinsam mit seinem Vater Jürgen Bach die Kapitänsmütze des Massivholzmöbel-Spezialisten auf (INSIDE 1008). Im Jahr 1921 hatte Hans Gradel mit seiner Frau Louise eine Schreinerei in Fürth gegründet. Nachdem die Firma im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, baute der Sohn des Gründers das Unternehmen wieder auf und spezialisierte den Betrieb auf Flurmöbel (damals hieß das Unternehmen noch Gradel Flurmöbel). Insbesondere die US-Soldaten, die nach dem Krieg in Deutschland stationiert waren, waren Fans der damaligen Gradel-Produkte, berichten die Bachs. „Bis heute sind Flur- und Garderobenmöbel ein fixer Bestandteil bei uns“, sagt Bach.
Erst der Enkel des Gründers, Gerald Gradel, spezialisierte das Unternehmen in den 60er Jahren auf Massivholzmöbel. Mit 60 Jahren wollte Gradel übergeben – und kann sich heute glücklich schätzen. Denn es hat geklappt. Gerade für kleinere, familiengeführte mittelständische Unternehmen ist es oft nicht leicht, einen Generationenwechsel reibungslos über die Bühne zu bringen. Gradels langjähriger Geschäftsführer Jürgen Bach und dessen Sohn Florian übernahmen den Betrieb. Mit einem Förderkredit der lokalen Sparkasse stemmte das Familien-Duo die Übernahme. Heute liegen die Anteile zu je 50 Prozent beim Vater und beim Sohn.
„Wir sitzen in der Nische der Nische“
Im Corona-Jahr 2020 konnte Gradel knapp 12 Prozent zulegen und erwirtschaftete 6 Mio Euro. „Wir wachsen kontinuierlich und konnten letztes Jahr den Online-Umsatz erheblich steigern. Das war sehr wichtig“, sagt Torsten Kipping, Vertriebsleiter bei Gradel und seit 22 Jahren dabei. Der Online-Anteil beträgt mittlerweile rund 30 Prozent. Kipping: „Wir sitzen in der Nische der Nische. So viele Anbieter gibt es in unserem Bereich nicht mehr.“ Bezogen wird die Ware bei Partnern in Polen, Italien, Bosnien, Kroatien und auch aus Deutschland.
Im Netz gibt es die Gradel-Möbel bei mittlerweile zahlreichen Adressen, u.a. bei der Lana GmbH und ihrem Shop Massivholz- Moebel24.de oder bei Größen wie Wayfair. Auch der Ökomöbel-Shop Allnatura.de steht auf der Abnehmerliste. Möbel aus Eiche sind nach wie vor stark gefragt. Und die Fichtenmöbel liefen vor allem gut, wenn die Kunden ihre Landhäuser einrichteten, sagt Kipping. In Emskirchen will man weiter wachsen. Das ist auch der Grund, warum vor drei Jahren neue Warengruppen ins Sortiment aufgenommen wurden. Couch- und Beistelltische sind seitdem im Programm. Im Herbst startet Gradel nun sogar mit einer eigenen Gartenmöbelkollektion.
Vor rund fünf Jahren nahmen sich die Gradels vor, auch im Export stärker zu punkten (INSIDE 1008). Unter anderem in Frankreich sollte es vorangehen. Mittlerweile liegt das Projekt auf Eis. Bach: „Der französische Markt ist ein harter Brocken. Wir haben beschlossen, uns vorerst auf den heimischen Markt zu konzentrieren.“ Was nicht heißen soll, dass der Export nicht weiter angeschoben wird. Werden muss. Denn der ist ausbaufähig. Liegt bei 15 Prozent. Und davon geht das meiste nach Österreich. Und viel zu den großen Ketten dort, also zu Lutz und Kika/Leiner.