„Das Gegenteil von One-fits-all“
Creed und die Idee mit der Doppelfeder
Creed-Gründer Jörg Hubrig will belegen, dass die Unterfederung deutlich mehr Einfluss auf die Schlafqualität hat, als viele im Markt denken.
Im Januar 2020 standen Jörg Hubrig und Adrian Bühler im Belgischen Viertel in Köln, die Passagen liefen grad, und zeigten, für was sie brennen: Federn. Das ist natürlich arg verkürzt, denn eigentlich brennt Hubrig, der Erfindertyp der beiden Start-up-Unternehmer, eher für Design. Und im Speziellen für Designbetten. Aber ihre Unterfederung, die sie im Januar vor zwei Jahren mit ihrer neuen Firma Creed Sleep Systems GmbH, die auch in Köln sitzt, vorstellten, auch die ist schön geworden. Ihr erstes Bett, das Creed Dream 3, bekam gleich einen Red Dot Design Award, dazu den German Innovation Award. Und auch die erste Einlegebox bekam Award um Award. Dann kam Corona.
„Das war wirklich beknackt für uns, es hat uns im ersten Schwung auch deutlich abgebremst. Aber auch nicht wirklich umgehauen. Jetzt geben wir eben in diesem Jahr richtig Gas.“ Creed-Ideengeber und -Gründer Hubrig sitzt in einem Teams-Meeting zusammen mit seinem gerade vor ein paar Tagen zum Vertriebsgeschäftsführer ernannten Jan Odendahl. Die beiden erzählen, was nun passieren soll, um die Creed-Idee in den Markt zu tragen. Hubrig hat das Start-up in den vergangenen Jahren finanziert. Nun hat er erste Investoren an Bord. Odendahl: „Der Bettenmarkt ist groß. Wir haben eine echte Innovation zu bieten. Wir haben Potenzial.“ An Selbstbewusstsein fehlt es den Gründern aus Köln, die dem klassischen Start-up-Unternehmer-Alter eher zart entwachsen sind, nicht.
Zusammen mit Geschäftsführer und Mitgründer Bühler (Marketing) haben Hubrig und Mitgeschäftsführer Odendahl viel vor. Das Team wächst langsam weiter an. Sieben Leute sind beschäftigt mit dem Creed-Aufbau. Eine Handelsagentur kümmert sich um die Schweiz. Bei den ersten zehn Händlern in Deutschland stehen die Creed-Betten mittlerweile auch. 25 Creed-Studios sollen in diesem Jahr noch dazukommen. Man befinde sich mitten in zahlreichen Gesprächen mit Verbänden, berichtet Odendahl. Kooperationen mit Bettenherstellern als Zulieferer für die Unterfederung kommen nach und nach dazu. Denn am Ende ist Creed eine neuartige Unterfederung für Boxspringbetten, made in Germany, die die Kölner gerne in Kooperationen mit Bettenspezialisten in den Markt bringen wollen.
Hubrig kommt aus der Finanzindustrie. Hat dort offenbar gut Geld gemacht. Er war immer schon Designfan, hatte immer schon Freude am „Selbstkreieren“, wie er sagt. „Und ich war User in vielen Hotelbetten und in meinem Bett zuhause – und ich war nicht happy.“ Am Ende entstand der verschärfte Drang, sich auf die Suche nach einer neuen Idee für eine bessere Unterfederung zu machen, als Hubrig in seinem alten Finanzdienstleisterleben ein gutes Boxspringbetten-Konzept für ein neues Boardinghouse suchte, das Hubrig für einen großen Investor umsetzen sollte. Hubrig: „Ich fand damals keins, und das in einem vollgestopften Boxspringmarkt mit unendlich vielen Anbietern, auf dem man wirklich gut liegen konnte, und dachte mir: Das ist doch ein Witz.“ Mancher im Markt wird sich zwar fragen, wo Hubrig da genau gesucht hat, denn es gibt im großen und weiten Boxspringmarkt zwar viele, aber wirklich ja nicht nur Holzkisten mit 08/15-Lattenrost. Aber egal. Hubrig fing an zu tüfteln, es entstand nach und nach die Kombination aus zwei Federsystemen in einer Unterfederung. Es stellte sich schnell heraus, das dies patentfähig war. Und der Liegekomfort durch das Doppelfedersystem sozusagen individualisierbar werden könnte. 2016 wurde es zum Patent angemeldet. Vermarktet wird die Idee nun – das ist der Hauptansatz fürs Creed-Geschäft – als Plug-and-Play-Lösung für bestehende Boxspringbetten, also als Angebot für Kunden, die für knapp 900 Euro in eine andere Unterfederung in ihrem bestehenden Boxspringbett investieren wollen. Oder als fertiges Design-Boxspringbett ab 3.590 Euro.
Gebaut wird alles bei der Wiemann-Tochter Otten, aktuell mit klarem Premiumansatz. Odendahl: „Am Ende ist die Idee aber im Rahmen unserer Schutzrechte je nach Vermarktungskanal auch in anderen Preislagen zu realisieren.“ Die Marke Creed soll immer für den Fachhandel reserviert sein, sagt Odendahl. Erste Verträge mit MZE und anderen Verbänden sind gemacht. „Ich bin ja hier eher so der Schlafen-Branchen-Typ im Team“, sagt Creed-Vertriebsmann Odendahl und grinst. Bei Auping hat er einst den deutschen Markt mitaufgebaut. Die Personalberatung in Kooperation mit Manuel Vey läuft unabhängig weiter. Nun ist Häuserkampf angesagt. Im September steht Creed dann auch mal wieder auf einer Messe, eigentlich auf der ersten echten. In Krefeld auf der Leolux-Brands-United-Hausmesse. Hubrig, der bald aus der Geschäftsführung ausscheidet und sich um Entwicklung kümmert, Bühler und Odendahl haben jedenfalls große Pläne. Odendahl: „Wir sind das genaue Gegenteil von One-fits-all. Wir sind überzeugt, dass der Schlafkomfort individuell ganz unterschiedliche Anforderungen hat. Und wir wissen aus unseren Studien, dass 30 bis 40 Prozent der Schlafqualität aus der Unterfederung kommen.“