Shangpin Home Collection

20.05.2020 14:13

Xie Chuo

Xie Chuo

Shangpin Home Collection

Krisenstrategie in China

Am 27. Mai, also heute in einer Woche, sollte Xie Chuo, Chef der börsennotierten Shangpin Home Collection aus Guangzhou, eigentlich beim 4. INSIDE-Branchen-Gipfel auf der Bühne stehen. Unser Gipfel ist, wie so viele Veranstaltungen in diesen Tagen, aufs nächste Jahr verschoben. Schuld ist das Corona-Virus.

 

Der aus einer IT-Firma hervorgegangene Anbieter von Maßmöbeln macht mit knapp 90 eigenen Stores und mittlerweile 2.300 meist kleinen Franchisenehmern umgerechnet fast 1 Mrd Euro Umsatz und hat auch Europa-Pläne (INSIDE 1084). Vor Corona hat der chinesische Riese unter anderem auf eine Beratung und Planung bei den Leuten zu Hause gesetzt. Und nun? Wie er das Unternehmen in dieser Zeit umgekrempelt hat, hat Firmengründer Xie Chuo für uns zusammengefasst. Shangpin setzt auf Live-Sales-Events und künstliche Intelligenz in der Planung.

                                                                                                   

Xie Chuo: „Am 23. Januar begann das Virus, die chinesische Wirtschaft zu beeinflussen. An diesem Tag hat unsere Regierung den Lockdown angekündigt. Schon am 12. Februar haben wir im Home-Office wieder angefangen. Seit dem 23. Februar sind wir wieder zurück im Büro – mit Masken. Die Zeit des Lockdowns war sehr schwierig für Unternehmen und Mitarbeiter. Es war nicht möglich, sich persönlich zu treffen, die Geschäfte waren eineinhalb Monate lang geschlossen. Wie lange dieser Zeitraum sein würde, wussten wir natürlich anfangs nicht. Es war schnell klar: Wenn wir überleben wollen, müsste es online sein. Deshalb haben wir entschieden, in folgenden Ablauf zu investieren: Die Kunden auf unsere Online-Plattform ziehen, online abmessen, zu Hause oder im Büro planen, den Planungsvorschlag mit den Kunden online besprechen und den Deal schließlich entweder online oder im Store zum Abschluss bringen. Ab Februar fiel es uns leichter, online Kunden zu gewinnen. Der Grund war vermutlich, dass die Leute mehr Zeit zu Hause verbringen und dadurch zum einen mehr Zeit haben und zum anderen ihr Zuhause komfortabler gestalten wollen.

 

Innerhalb nur einer Woche, ab dem 7.2., hatten wir Tools und Anwendungen für Designer und Kunden für den Messenger- Dienst WeChat fertig. Es gibt eine Aufmaß-App und eine Demo- Plattform für Designvorschläge, eine Plattform mit Kundenbeispielen und eine Online-Vermarktungs-Plattform. Am 23. Februar hat Shangpin das erste Live-Sales- Event durchgeführt. Während der fünfstündigen Show hatten wir 7,7 Mio Zuschauer, erhielten 13.919 Einzahlungen, und 9.233 Kunden gaben Planungsdienstleistungen in Auftrag. Livestream-Sales-Shows haben in China beim Onlineshopping eine große Bedeutung. Sie ist in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen und hat sich während der Pandemie noch mehr erhöht. Es gibt einen Influencer, der es am Singles‘ Day (11.11.) in einer Verkaufsshow auf einen Umsatz von mehr als 150 Mio US-Dollar gebracht hat. In den letzten zwei Jahren hat sich Shopping über diese Live- Shows sehr verbreitet.

 

Wir arbeiten an einem neuen Service: Designer oder auch potenzielle Kunden laden einen Grundriss hoch und bekommen innerhalb einer Stunde einen Designvorschlag. Wir planen sowohl mit Designern als auch mit künstlicher Intelligenz. Ich denke, dass schon in naher Zukunft ausschließlich auf künstliche Intelligenz gesetzt werden kann, dann bekommt man die Planung innerhalb von drei Minuten. Zurzeit haben wir über 15.000 Designer, die Vollzeit für uns arbeiten, 12.000 davon sind bei unseren Franchisenehmern angestellt. Wir haben bereits über 80.000 Raum-Planungen in unserem Datenbestand und bauen ihn weiter aus. Die Zahl der Designvorschläge liegt bereits bei 5 Millionen.“

 

Shangpin Home Collection hat es 2019 auf umgerechnet 942 Mio Euro Umsatz gebracht und beschäftigt 16.000 Leute. 2007 hatte Shangpin erst überschaubare 6,5 Mio Euro Umsatz erreicht – ein beachtliches Wachstum also seither. Über 7.200 der Mitarbeiter sind in den fünf Werken der Gruppe beschäftigt. Auch in Europa hat Shangpin schon einen Fuß drin. In Polen ist das chinesische Unternehmen in drei Black-Red-White-Filialen in Warschau vertreten und bietet dort Design- und Customized-Möbel an. „Wir suchen nach weiteren Partnern in Europa, auch in Deutschland.“

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