Nach den fetten Jahren

13.10.2020 12:54

Nach den fetten Jahren

INSIDE-Küchen-Hitliste: Die deutschen Top 10 (1)

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

 

Die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten unter den Top 10 der deutschen Küchenmöbelindustrie ist vorbei. Das stärkste Plus legte im vergangenen Jahr mit 9,9 Prozent der mittelfränkische Küchenbauer Schüller vor.

 

Dass sich das Wachstum der Großen abgeschwächt hat, liegt zum einen an der Marktentwicklung. Zum anderen hatten einige Hersteller aufgrund begrenzter Kapazitäten kaum noch Luft nach oben. Der Umsatz der deutschen Küchenmöbelhersteller stieg 2019 laut amtlicher Statistik um 2,8 Prozent auf 5,013 Mrd Euro. Im Inland betrug der Zuwachs lediglich noch 0,5 Prozent, im Ausland waren es +6,2 Prozent. Die Exportquote erreichte 41,8 Prozent.

 

Während die im Vergleich zu anderen Sparten der Möbelindustrie hohe Exportquote in normalen Jahren allen Anlass zur Freude bietet, wird die internationale Ausrichtung im Corona-Jahr 2020 dazu beitragen, dass nicht jeder aus der Branche den Vorjahresumsatz wieder erreicht. So gut wie der deutsche Inlandsmarkt steuert aktuell nämlich kaum einer durch die Krise.

 

Die mittlerweile sechste INSIDE Küchen-Hitliste soll das aber nicht beeinträchtigen, denn die bezieht sich auf den Gesamtjahresumsatz 2019. Die Bedingungen sind unverändert: Wir nehmen für uns in Anspruch, das einzige Küchenmöbel-Ranking zu erstellen, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht, sondern nur Obst einer Sorte. Sprich: Wir berücksichtigen auch bei Unternehmen, die ungeschmälerte Umsätze melden, die Umsätze nach Erlösschmälerungen. In der Reihenfolge des Rankings gab es dieses Mal keine Veränderungen.

 

Die gesamte Hitliste ist im INSIDE Spezial Küche Nr. 5 erschienen. In den kommenden Tagen werden wir Ihnen an dieser Stelle die Top 10 präsentieren. Los geht es mit den Plätzen 7 bis 10:

 

7. Bulthaup: Fast gehalten

 

Das zweite Jahr in Folge machte sich bei der Edelküchenschmiede Bulthaup die Lage in China im Umsatz bemerkbar. Wie schon im Vorjahr kam es 2019 aufgrund der politischen Lage zu Projektverzögerungen. Positiv entwickelte sich dagegen das Projektgeschäft in den USA und der deutsche Heimatmarkt. „Ausgenommen von UK, wo das Geschäft noch immer unter den Folgen des Brexit leidet, verzeichneten wir in unseren europäischen Kernmärkten in 2019 ein stabiles Geschäft“, heißt es aus dem Unternehmen. Bulthaup erzielte 2019 einen fakturierten Umsatz von 122,9 (Vorjahr: 125,4) Mio Euro und lag damit um 2 Prozent unter Vorjahr. Nach Erlösschmälerungen blieb der Umsatz mit 117,5 Mio Euro nahezu konstant. Sein Ergebnis vor Steuern konnte das Unternehmen aus dem bayrischen Aich leicht auf 13,6 (13,1) Mio Euro ausbauen.

 

Zur Lage in diesem Jahr: „Das erste Halbjahr 2020 war wie bei vielen anderen Unternehmen auch von der Covid-19 Pandemie beeinflusst. Unsere Absatzmärkte waren von den Lockdown-Phasen je nach Dauer der lokalen Vorschriften unterschiedlich stark betroffen. Die Bulthaup Partner nutzten diese Phasen, um bestehende Aufträge abzuarbeiten. Seit Beginn der Geschäftsöffnungen beobachten wir in Europa eine durchaus erhöhte Kundenfrequenz und steigende Nachfrage – trotz der geltenden Hygiene-Vorschriften. In Asien läuft das Projektgeschäft durch die Covid-19 bedingten Einschränkungen auf den Baustellen nur langsam wieder an. In den USA haben wir nach wie vor ein kompliziertes Marktumfeld, da neben Covid-19 Lockdowns auch Unruhen in einigen Städten hinzukommen. An unserem Produktionsstandort in Aich konnten wir während der gesamten, kritischen Covid-19-Phase unsere Produktion reibungslos aufrechterhalten. So waren wir sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Handelspartner ein sicherer und stabiler Partner in der Krise.“

 

8. Ballerina: Bald dreistellig

 

Ballerina Küchen hat 2019 nach Erlösschmälerungen einen Umsatz von 97,2 Mio Euro erreicht, das war ein Plus von etwa 5 Prozent. Zu den 100 Mio fehlt nicht mehr viel. Auf dem achten Platz unserer INSIDE-Küchen-Hitliste hat Ballerina sich mittlerweile gut etabliert. Geplant ist mittelfristig ein weiterhin gleichmäßiges Wachstum von 4 bis 6 Prozent im Jahr. Investiert haben sie in Rödinghausen zuletzt in die Losgröße-1-Fertigung und eine Produktionslinie zum Fertigen von Sonderschränken für Hänge- und Unterschränke. Als nächstes ist eine weitere Unterschranklinie geplant.

 

9. Rotpunkt: Besonders im Inland

2019 konnte der Küchenbauer aus Bünde, der ebenfalls an Erweiterungsplänen strickt, seinen Umsatz um gut 2 Prozent auf 67,8 Mio Euro nach Erlösschmälerungen und den Jahresüberschuss auf 2 (1,7) Mio ausbauen. Besonders stark wuchs Rotpunkt 2019 im Inland mit einem Plus von 13,9 Prozent. Das Umsatzwachstum in den Auslandsmärkten kam aus den Ländern Frankreich (+126,8 Prozent), Belgien (+11,6 Prozent) und Norwegen (+118,9 Prozent) während Großbritannien im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang (-12,5 Prozent) verbuchen musste. Für das kommende Jahr steht der Umstieg auf Ökostrom an. Und bekanntlich auch der Bau einer neuen Werkshalle am Standort Bünde, die den Produktionsablauf entzerren und Platz für neue Maschinen schaffen soll. Ende 2021 soll die neue Halle nach Möglichkeit in Betrieb gehen. Weitere kleinere Grundstücke in der Nachbarschaft wurden bereits gekauft.

 

10. Pronorm: Weniger Menge, mehr Wert

Bereits zum zweiten Mal ist die der Mandemakers-Gruppe gehörende Pronorm Einbauküchen GmbH unter den Top 10 in Deutschland. 2019 hat Pronorm seinen Umsatz nochmal ziemlich genau um 2 Prozent auf 59 Mio Euro verbessert. Das lag allerdings nicht an höheren Schrankzahlen, sondern - was will man als Küchenbauer mehr - daran, dass sich der Durchschnittswert der verkauften Schranktypen gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht hat. Sein Ergebnis nach Steuern hat Pronorm laut Bundesanzeiger letztes Jahr auf 1,2 Mio Euro fast verdoppelt. Für dieses Jahr ist trotz Corona ein Mengen- und Umsatzplus im mittleren einstelligen Bereich geplant.

 

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